Strom ist blau

Die Kraft des Wassers – Staudämme der Superlative

Mit welcher Kraft das Wasser ganze Landstriche verwüsten kann, erleben Menschen schon seit Urzeiten. Und auch die Idee, sich diese Energie nutzbar zu machen, ist mindestens 5.000 Jahre alt.

Das Prinzip dafür ist einfach. Wasser fließt von einer höher gelegenen Stelle auf die Schaufeln eines Rades und versetzt es in Drehungen. Damit lassen sich Mühlen, Bewässerungsanlagen oder in unserer modernen Zeit Turbinen für die Stromgewinnung antreiben.

Während Deutschland heute nur etwa 1,6 Prozent seines Energiebedarfs durch die Wasserkraft deckt, liegt beispielsweise Brasilien bei 80 Prozent. Und genau dort steht das erste Bauwerk der Superlative.

Der singende Fels – Itaipú

Brasilien ist das fünftgrößte Land der Erde und durchzogen von den mächtigsten Flüssen unseres Planeten.

Paraguay ist ein wenig größer als Deutschland und zweigeteilt durch einen mächtigen Strom.

Gemeinsam erschufen beide Länder in siebenjähriger Bauzeit ein Projekt der Superlative.

Eine 196 Meter hohe und 7.760 Meter lange Staumauer hält den Paraná auf und staut ihn auf einem Gebiet von über 1.300 Quadratkilometern.

Seit seiner Fertigstellung galt der Itaipú als das größte Kraftwerk der Erde. Dafür sorgten 20 Turbinen mit einer Gesamtleistung von 14.000 Megawatt.

Doch im Jahre 2006 wurde ihm dieser Spitzenplatz von einem noch ehrgeizigeren Projekt streitig gemacht.

Drei Schluchten und ein Damm

Sie heißen Qutang, Wu und Xiling und sind berühmt für ihre atemberaubende Landschaft. Die Rede ist von den drei Schluchten am Jangtsekiang, die dem größten Wasserkraftwerk der Erde ihren Namen gaben.

Damit will China nicht nur seinen Bedarf an Energie decken, es will auch die Gefahr immer wiederkehrender Überschwemmungen bannen.

Denn allein in den letzten 100 Jahren starben mehr als 3 Millionen Menschen in den Fluten des Jangtse.

Seit 1993 arbeiteten bis zu 18.000 Menschen an der wahrlich gigantischen Staumauer. Stolze 150 Meter hoch und 2.335 Meter lang wird sie bis zum nächsten Jahr schätzungsweise 75 Milliarden US-Dollar verschlungen haben.

Wenn auch der letzte Bauabschnitt beendet ist, liefern dann aber 26 Turbinen 22.500 Megawatt Leistung. Außerdem soll die Hochwassergefahr gebannt und die Schiffbarkeit des Jangtse erweitert sein.

Doch die Kosten lassen sich nicht nur in Dollar ausdrücken. Um Platz für die gestauten Wassermassen zu schaffen, wurden weit mehr als 1 Million Menschen umgesiedelt und ganze Städte versanken in den Fluten.

Vor einem ähnlichen Problem standen auch die Schöpfer des nächsten Projektes. Zwar waren die Städte dort seit Jahrtausenden unbewohnt, doch für Archäologen und Touristen gleichermaßen ein Schatz.

Jahrtausende alte Tempel gehen auf Reisen

Der Nil, längster Strom der Erde und Lebensader Ägyptens seit der Zeit der Pharaonen. Seine alljährlichen Überschwemmungen wurden sehnsüchtig erwartet, brachten sie doch den nährstoffreichen Schlamm auf die Felder.

Leider konnte man die Naturkräfte nicht recht kontrollieren und so wurde bereits 1902 ein erster Damm aus Granitblöcken eingeweiht. Er sollte die Fluten in geordnete Bahnen lenken.

Doch eine moderne Landwirtschaft, so dachten die Ägypter, muss von der Jahreszeit unabhängig sein. Das Zauberwort hieß Bewässerung und das Wasser dafür sollte ein riesiger Stausee liefern.

Mit tatkräftiger Unterstützung von etwa 2.000 sowjetischen Ingenieuren konnten 30.000 Arbeiter den Assuan-Staudamm im Januar 1971 fertigstellen. Gut 111 Meter hoch und 3.800 Meter lang zwingt er den Nil in einen der größten Stauseen der Welt.

Ihr weichen musste der Ort Abu Simbel mit seinen Tempelanlagen aus der Zeit des Pharaos Ramses II. Da die Tempel aber Weltkulturerbe der UNESCO sind, ließ man sie nicht einfach in den Fluten verschwinden. Sie wurden mit samt des Ortes auf höheres Terrain verlegt.

Doch ein, wenn auch nie realisiertes Projekt, hätte alles bisher da gewesene in den Schatten stellen können.

Europa und Afrika rücken näher zusammen

Eine Landfläche in der Größe Spaniens wäre nicht überflutet, sondern neu geschaffen, ganz Europa mit Energie versorgt und eine Eisenbahnlinie von Berlin nach Kapstadt gebaut wurden.

Diesem ehrgeizigen Projekt mit dem Namen Atlantropa widmete der deutsche Architekt Herman Sörgel sein Leben.

Von 1928 bis 1952 plante er zwei gigantische Staumauern im Mittelmeer. Die Erste sollte in der Straße von Gibraltar gebaut werden.

Hier trifft der Atlantik auf das Mittelmeer und Afrika liegt stellenweise nur 14 Kilometer entfernt.

Die Ausmaße wären gigantisch gewesen. 2,5 Kilometer breite Fundamente hätten eine 300 Meter hohe Mauer getragen. Diese hätten 200.000 Arbeiter in 10 Jahren errichten sollen.

Ein zweiter Damm sollte die Dardanellen blockiert. Diese sind der Zugang zum Schwarzen Meer. Fehlende Zuflüsse hätten daraufhin den Wasserstand im Mittelmeer um 100 bis 200 Meter gesenkt. Küstenstädte würden sich plötzlich tief im Inland wiederfinden und Venedig hätte nur mit Damm und künstlichem See seinen Charakter behalten können.

Doch nicht nur Logistik und Finanzierung, sondern auch die enormen Probleme wie Vernichtung von Tier- und Pflanzenarten und Beeinflussung des Golfstroms machten das Projekt wenig aussichtsreich.

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