Waschbär, Fuchs und Co – Wer in deutschen Städten lebt
30. April 2012
„Ratte der Lüfte“

Straßentauben - hier in Venedig - werden oft auch in deutschen Städten zur Plage (Bild: Agadez / CC 3.0)
In den vielen Städten der Welt gehören sie mittlerweile zum Straßenbild – die Stadt- oder Straßentauben (Columba livia f. domestica).
Bevorzugten ihre Vorfahren, die Felsentauben (Columba livia) vor allem Höhlen und Spalten im Fels, findet die gemeine Stadttaube in den Häuserschluchten der Großstädte wahrhaft paradiesische Bedingungen vor.
Ursprünglich wurden die Tiere als sogenannte Haustauben gehalten.
Als Brieftaube waren sie Kommunikationsmittel und als willkommener Fleischlieferant landeten sie in so mancher Pfanne.
Heute gelten ihre verwilderten Artgenossen als „Ratten der Lüfte“ und in Deutschland sogar als „Schädlinge im Sinne des Tierschutzgesetzes“. Und dies ist nicht unbegründet. So rechnet beispielsweise die Stadt München mit jährlich 480 Tonnen Taubenkot. Der ist nicht nur unschön anzusehen, sondern auch ein Nährboden für mitunter gefährliche Krankheitskeime.
Meister Reinecke
Wesentlich unauffälliger hat ein anderes Tier damit begonnen, sich einen neuen Lebensraum zu erobern.
Aus Sicht der Biologen gehört er zur Familie der Hunde. Doch bei der Jagd auf Mäuse, einer seiner Leibspeisen, legt er beinahe das Verhalten von Katzen an den Tag. Die Rede ist vom Rotfuchs (Vulpes vulpes).
Da die Tiere mit beinahe jedem Lebensraum zurechtkommen, sind sie heute die am häufigsten vorkommende Wildhundeart in Europa. Kein Wunder, dass vermehrt auch Städten zu ihren Revieren gehören.
Bereits 1930 wurde von ersten Stadtfüchsen in England berichtet. Seit den 1980er Jahren wurden die Tiere auch in Berlin gesichtet.
Neben reichlich Verstecken und der geringen Zahl Stadtjäger reizt den Rotpelz wohl auch das üppige Nahrungsangebot. Katzen stehen übrigens nicht auf seinem Speiseplan, obwohl man dies von einem Verwandten der Hunde hätte erwarten können.
Es tobt der Bär

Mittlerweile auch in Deutschland keine Seltenheit mehr - der Waschbär (Bild: Carsten Volkwein / CC 2.5)
Ein wahrer Neuankömmling in Europa ist hingegen der Waschbär (Procyon lotor). Eigentlich in Nordamerika beheimatet, wurden die possierlichen Tiere im letzten Jahrhundert als begehrtes Pelztier in Europa gehalten.
Von dort geflohen oder einfach ausgesetzt, erobern sie seit den 1930er Jahren langsam den Kontinent.
Zählte ihre Population 1956 in Deutschland beispielsweise nur 285 Tiere, wurde ihre Zahl 2005 auf 200.000 bis 500.000 geschätzt.
Dass die Tiere dabei einem Großstadtleben keineswegs abgeneigt sind, zeigt ein Blick ins nordhessische Kassel.
Hier leben zwischen 50 und 150 Tiere pro Quadratkilometer. Damit reicht die Besiedlungsdichte sogar an amerikanische Städte heran.
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