Wer nicht wedelt, stirbt

Schwanzwedeln rettet Erdhörnchen vor dem Schlangenmagen

In der Natur ist jeder Tag ein Kampf ums nackte Überleben. Denn wer als potenzielles Beutetier nicht wachsam ist, landet schnell im Magen eines Räubers. Den Jäger aber kostet jeder Angriff wertvolle Energie, sodass er sich Fehlschläge kaum leisten kann.

Eine Strategie, die Jäger und Beute gleichermaßen nützt, hat jetzt ein internationales Forscherteam entdeckt. Dafür beobachteten Matthew Barbour von der San Diego State University und Rulon Clark von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver Pazifik-Klapperschlangen (Crotalus oreganus oreganus) und kalifornische Ziesel (Otospermophilus beecheyi).

Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein heftiges Schwanzwedeln des Ziesels die Schlange in der Mehrzahl der Begegnungen von einem Angriff abhielt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Der Tod kommt blitzschnell

Tanzende Klapperschlangen

Der Jäger: Die Pazifik-Klapperschlange lauert ihren Opfern im Verborgenen auf und schlägt dann blitzschnell zu. (Bild: Dawn Endico / CC-by-sa-2.0)

Die Pazifik-Klapperschlange ist ein sogenannter Lauer- oder Ansitzjäger. Gut getarnt wartet sie, bis ein unvorsichtiges Beutetier in Angriffsreichweite ist.

Dann kommen die Giftzähne der Schlange zum Einsatz und die potenzielle Mahlzeit wird von einem Blitzangriff überrascht.

Zwar entwickeln kalifornische Ziesel im Laufe ihres Lebens eine gewisse Immunität gegen das Schlangengift. Doch haben sie zusätzlich eine Strategie entwickelt, einem Angriff komplett zu entgehen.

Dazu richten sich die Tiere auf und schauen ihrem Jäger fest in die Augen. Der Buschelschwanz der Tiere bewegt sich jetzt in hohem Tempo.

Diese Reaktion warnt nicht nur Artgenossen, sie sagt auch der Schlange: „Ich bin keine leichte Mahlzeit, denn ich habe dich gesehen!“ Aber auch das hungrige Reptil profitiert vom Schwanzwedeln. Denn ein erfolgloser Angriff verbraucht unnötig viel Energie und diese ist für die Schlange sehr kostbar.

Wachsamkeit kann Leben retten

Kalifornisches Ziesel - Otospermophilus beecheyi

Die Beute: Das kalifornische Ziesel signalisiert mit heftigem Schwanzwedeln, dass sich ein Angriff nicht lohnt. (Bild: Howcheng / CC 1.2)

Um herauszufinden, wie gut die Strategie tatsächlich funktioniert, beobachteten die Forscher bevorzugte Schlangenjagdreviere mit versteckten Kameras.

Dabei stellte sich heraus, dass schwanzwedelnde Ziesel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Angriffen durch Klapperschlangen verschont blieben oder diesen entkommen konnten. Unaufmerksame Tiere hingegen wurden zur leichten Beute.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass die Tiere nicht nur mit dem Schwanz wedelten, wenn sie eine Schlange entdeckt hatten.

Auch an potentiell gefährlichen Orten demonstrierten die Ziesel rein prophylaktisch eine erhöhte Aufmerksamkeit. Vermutlich, so die Forscher, werden damit nicht nur versteckte Jäger in ihre Schranken verwiesen, sondern auch der eigene Nachwuchs trainiert.

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