Über den Wipfeln, auf dem See – Wohnen einmal anders
16. Juli 2012
Ein Dach über dem Kopf ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Während unsere frühen Vorfahren noch überwiegend in natürlichen Höhlen wohnten, haben die letzten 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte ein wahres Sammelsurium an Wohnstätten hervorgebracht.
Hat sich in den meisten Teilen der Welt das Haus zum Wohnort Nummer eins entwickelt, gibt es doch hier und da interessante und exotische Arten zu wohnen.
Wohnen im Dach des Waldes

Wenn am Boden des Urwaldes gefährliche Tiere lauern, wird das Heim kurzerhand in die Baumwipfel verlegt. (Bild: ♪ ~ / CC 2.0)
So scheint es auch kein Wunder, dass viele Kinder das Baumhaus zu ihrem liebsten Rückzugsort erkoren haben.
Was für all jene ohne Höhenangst zu Kindertagen ein beliebter Rückzugsort war, ist für die Korowai in West Papua Alltag – das Baumhaus.
Hoch über der Erde, in den Kronen der Bäume zu wohnen, hat besonders im Urwald seine Vorteile. Denn wenn nachts Tiger, Panther und Co auf Pirsch gehen, bietet das hoch gelegene Domizil Sicherheit.
Aber auch für Mitteleuropäer ist der Wald ein mystischer, ja beinahe magischer Ort. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass die einstige Domäne spielender Kinder sich heute als Hotel oder Büro seinen Platz in der Gesellschaft erobert.
Mit modernen Handwerkstechniken sind selbst groß angelegte Bauwerke verteilt über mehrere Bäume und verbunden mit Hängebrücken möglich. Komfortabel eingerichtet lässt sich so ein Leben in den Bäumen genießen.
Ihre Heimat ist der See – oder auch der Fluss
Für seine Arbeit lange Strecken zu pendeln, ist in der westlichen Welt mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Doch was machen Menschen, die vom Fischfang leben und deren Arbeitsort im Rhythmus des Jahres seinen Wasserspiegel ändert? Sie leben in schwimmenden Heimen.
In der westlichen Welt, besonders in wasserreichen Gegenden gehören Hausboote und Wohnschiffe ebenfalls seit Langem zum Landschaftsbild dazu. Gemütlich ausstaffiert, lässt sich in ihnen wie in der klassischen Wohnung an Land leben.
Und auch wenn nicht mehr jedes dieser Boote oder Schiffe seetauglich ist, kommt trotzdem ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit auf, das man in modernen städtischen Wohnburgen vergeblich sucht.

In einigen Regionen der Erde sichern Hausboote die Lebensgrundlage, in anderen vermitteln sie ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. (Linkes Bild: James Heilman, MD / CC 3.0) (Rechtes Bild: WolfgangS. / CC-BY-SA-2.0-DE.)
Lehmhäuser für ein gesundes Wohnklima
Egal ob drückend heißer Sommer oder bitterkalter Winter – mit einem natürlichen Baustoff wie Lehm lässt sich ein erträgliches Raumklima schaffen.
Das wussten die Menschen schon vor Tausenden von Jahren. Denn Lehm nicht nur einer der ältesten Baustoffe überhaupt, auch gehörten und gehören Lehmbauten in vielen Kulturkreisen zum Ortsbild dazu.
Während die meisten Mitteleuropäer Lehmhäuser wohl nur noch von der Kindheit auf dem Lande kennen, wohnen mehr als 30 Prozent der Erdbevölkerung noch in Lehmhäusern.
Doch auch in Europa erinnert man sich an die positiven Eigenschaften des Baustoffes. Zwar werden hierzulande kaum Häuser aus Lehmziegeln errichtet, dafür wird das Material aber als Wandverkleidung verwendet.

Sie ist das weltgrößte Bauwerk aus Lehm – die Große Moschee von Djenné im afrikanischen Mali. (Bild: Euronaut / GNU Free Documentation License)
Aber nicht nur Wohnstätten wurden aus dem Gemisch unterschiedlich großer Gesteinskörnchen gebaut, wie die Große Moschee von Djenné in Mali eindrucksvoll beweist.
Die Wohnung ist immer dabei

Eigenheim zum Mitnehmen – Jurten sind die traditionellen Wohnstätten der Nomaden Zentralasiens (Bild: Kai Dürfeld)
Für die Nomaden der Steppen und Wüsten gehört es sein jeher zur Lebensweise, die Wohnung immer dabei zu haben.
In Zentralasien hat sich für diese Zwecke die Jurte bewährt. Ein Gerüst aus Holz wird mit Filz und Decken bespannt, ein eiserner Ofen sorgt für wohlige Wärme und Betten dienen als gemütliche Schlafstatt.
Ziehen die Nomaden mit ihren Herden weiter, passt die Jurte bequem auf einige der Lastkamele oder einen Lkw.
Auch wenn der Durchschnittseuropäer oder auch Durchschnittsamerikaner längst sesshaft geworden ist, wohnt in dem einen oder anderen noch die Sehnsucht nach grenzenloser Freiheit.

Ein „mobile home“ ist kaum von einem Einfamilienhaus zu unterscheiden, kann aber per Lkw transportiert werden. (Bild: Morven / GNU Free Documentation License)
Um diese zu finden, begeben sich die Einen im Urlaub ihren mit ihrem Wohnwagen auf große Fahrt.
Andere aber haben diesen längst als dauerhaftes Domizil auserkoren. So gibt es vor allem in den USA regelrechte Wohnwagensiedlungen.
Und auch die „mobile Homes“ sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten anzutreffen.
Äußerlich kaum von einem Einfamilienhaus zu unterscheiden, lassen sie sich mit einem Lkw bei Bedarf auch an den neuen Wohnort transportieren.
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