Information ist alles

Internetzeitalter – Wie Blogs die Welt verändern können

Symbolbild Fragen im Internet

Neben Zeitungen, Fernsehen und Radio sind Blogs heute eine Alternative, um sich über die Welt zu informieren. (Bild: Jan Engel / Fotolia.com)

Die Öffentlichkeit mit Informationen versorgen, welche von den Massenmedien gemieden werden oder dort einfach keinen Platz finden – dass war Sinn und Zweck des sogenannten Graswurzeljournalismus.

In den USA auch Citizen Journalism, also Bürgerjournalismus genannt, gab es ihn schon lange, bevor das Internet seinen Kinderschuhen entwachsen war.

Doch seitdem Blogs so stark an Popularität gewonnen haben, erlebt der Graswurzeljournalismus eine Renaissance im Web.

Hier werden auch unpopuläre Themen aufgegriffen und dem Leser vermittelt. Der User selbst ist es, der die Inhalte bestimmt. Dabei werden Informationen und die eigene Meinung des allerdings nicht immer voneinander getrennt.

Das kann für den Blogger selbst mitunter unangenehme Folgen haben. Lösen etwa aufgebrachte User einen „Shitstorm“ aus, hagelt es neben Kommentaren mit derber Kritik oft üble Beleidigungen. Was schon bei Privatpersonen die Glaubwürdigkeit herabsetzt, kann für Firmen sogar ernste Konsequenzen haben.

So büßten etwa Konzerne wie Nestle oder Henkel durch derart geführte Diskussionen im Netz zeitweise stark an Image ein.

Zensur, Protest und Revolution – Wie Blogs die Welt im Bilde halten

Demonstration in Ägypten

Demonstration in Ägypten: Viele Proteste in der arabischen Welt wurden durch Twitter und Blogs begünstigt (Bild: Ramy Raoof)

Nicht das Image einer Firma, sondern das eines ganzen Staates steht im Mittelpunkt einer Reihe von Blogs. Denn dass Informationen Kriege entscheiden, wissen die Mächtigen dieser Welt schon seit Generationen.

Was passiert, wenn diese blitzschnell die breiten Massen erreichen, sah man zum ersten Mal beim Arabischen Frühling 2010 deutlich. Die Bevölkerung verband sich über Plattformen wie Twitter und Blogger informierten die Weltöffentlichkeit über die aktuelle Lage.

In Ägypten beispielsweise, so sind sich Experten heute einig, waren diese Arten der Kommunikation eine hilfreiche Unterstützung der Protestbewegung.

Ob im Iran oder in Myanmar (ehemals Burma) – bloggen, ist vor allem in Ländern mit starker Zensur keineswegs ungefährlich. So wurden 2011 im Iran über 600 systemkritische Blogger in nur einem Jahr verhaftet. Denn dort wurden Anfang des Jahrtausends beinahe 100 Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen geschlossen und jegliche öffentliche Kritik an Religion oder Staat unter Strafe gestellt.

Wächter der Information im Netz – Watchblogs

Es sind aber nicht ausschließlich Staaten, welche die Möglichkeiten der Blogs zu spüren bekommen. Denn oft verfolgt das, was Politiker, Konzerne oder auch die Massenmedien verlauten lassen, neben der reinen Information einen ganz anderen Zweck.

Sei es nun die Firmenkrise, die heruntergespielt, die Politikerkarriere, die beschleunigt oder schlicht die Auflage, die gesteigert werden soll – oft sind Informationen nicht frei von Wertung.

Dort zwischen Beschönigung und Panikmache, Werbung und tatsächlicher Information unterscheiden zu können, ist für den Leser nicht immer leicht. Ihm eine Hilfestellung zu geben, haben sich die sogenannten Watchblogs auf ihre Fahnen geschrieben.

So gründete der deutsche Journalist Stefan Niggemeier das „Bildblog“, um dem großen Boulevardblatt auf die Finger zu sehen. Dabei werden nicht nur Ungenauigkeiten und Fehler analysiert, auch Schleichwerbung oder das Schüren von Hass wird aufgedeckt.

Über ein elementares Thema schreibt das Watchblog des Vereins „foodwhatch“. Zeichnet sich etwa ein Lebensmittelskandal ab oder sind die Werbelügen eines Nahrungsmittelanbieters besonders dreist, das Blog bringt es an die Öffentlichkeit. Auch die seit 2009 vergebene Negativ-Auszeichnung für „die dreisteste Werbelüge des Jahres“ – der Goldene Windbeutel wird veröffentlicht.

Rassismus und Diskriminierung stehen ebenso im Mittelpunkt von Watchblogs wie Sexismus in Comics oder Computerspielen. Die meisten dieser Themen gleichzeitig behandelt etwa „Sociological Images“.

Watchblog – Eine Auswahl
Watchblog Thema
Bildblog Die Bildzeitung
Der schwarze Blog Rassismus
threadbared Modebranche
foodwhatch Nahrungsmittelindustrie
Sociological Images allgemeine soziale Themen

Die Kehrseite der Medaille

Doch die im Licht der Öffentlichkeit stehen haben schon längst gemerkt, wie stark Blogs die öffentliche Meinung beeinflussen. Dies wird zum Teil sehr geschickt ausgenutzt und nennt sich in Anspielung auf die Graswurzelbewegung einfach „Kunstrasenbewegung“.

Ob nun Unternehmen, öffentliche Organisationen oder PR-Agenturen, wer die Meinung der Menschen heutzutage beeinflussen will, dem sind Blogs ein willkommenes Werkzeug. Denn die Anonymität im Internet macht es schwierig zu erkennen, wer mit welchen Absichten hinter Einträgen oder Kommentaren steht.

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Ein Kommentar

  1. [...] Wer sich dafür interessiert: Bei WOM erschien heute dazu ein interessanter Artikel: “Internetzeitalter – Wie Blogs die Welt verändern können”. [...]

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