Leben im Dunkel

Erste Riesenkrabbenspinne ohne Augen entdeckt

Huntsman_spider

Während ihre Verwandten wie die hier abgebildete Heteropoda venatoria sehen können, besitzt die neue Art keine Augen. (Bild: Fir0002 / CC 3.0)

In einer Höhle im südostasiatischen Laos hat ein Wissenschaftler vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt eine sensationelle Entdeckung gemacht. Wie das Institut in einer Pressemitteilung vom 9.8.2012 bekannt gab, fand er die weltweit erste Riesenkrabbenspinne ohne Augen.

Seine Entdeckung veröffentlichte Peter Jäger, Leiter der Abteilung für Spinnenforschung am Frankfurter Institut im Fachmagazin Zootaxa.

Leben in der Dunkelheit braucht keine Augen

Mit gerade einmal 1,2 Zentimetern Körpergröße und einer Beinspannweite von 6 Zentimetern zählt das neuentdeckte Tier zu den eher kleineren Vertretern der mehr als 1.100 Arten umfassenden Familie. Doch anders als ihre Verwandten besitzt es keine Augen.

Dies erklärt der Frankfurter Forscher mit der Anpassung der Tiere an ihren natürlichen Lebensraum. Denn da in die Höhlen kein Tageslicht dringt, hat sich ihr Sehsinn im Laufe der Zeit zurückentwickelt.

Die augenlose Spinne erhielt den wissenschaftlichen Namen Sinopoda scurion. Pate stand dafür die Firma „Scurion“, ein Produzent für Stirnlampen aus der Schweiz, der sich mit einer Spende das Recht zur Namensgebung sicherte.

Die Sinne sind an Lebensbedingungen angepasst

Fangschreckenkrebs

Im Gegensatz zur neuentdeckten Spinne besitzen Fangschreckenkrebse sehr hochentwickelte Augen. (Bild: Nazir Amin / CC 2.0)

Während die Riesenkrabbenspinne ganz ohne Augenlicht lebt, hat die Natur bei einigen Tierarten wahre Wunderwerke des Sehens konstruiert. Schon Einzeller sind mit einem einfachen Fotorezeptor ausgestattet, welcher ihnen den Unterschied zwischen hell und dunkel ermöglicht.

Höhere Tiere haben wesentlich komplexere Sehorgane entwickelt. So bestehen beispielsweise die Augen von Insekten oder Krebsen aus einer Unmenge an einzelnen Facetten. Dadurch sind sie in der Lage, etwa 250 Bilder pro Sekunde wahrnehmen und entsprechend schnell reagieren zu können. An die Auflösung eines Linsenauges, wie es beispielsweise der Mensch besitzt, kommen die Facettenaugen aber nicht heran.

Ein wahrer Meister der visuellen Wahrnehmung ist der Fangschreckenkrebs. Seine beiden Stielaugen lassen sich unabhängig voneinander bewegen. Jedes Auge ist wiederum dreigeteilt, was es für sich allein schon zum räumlichen Sehen befähigt.

Zusätzlich stehen den gepanzerten Tieren 12 Farbkanäle bis hin in den ultravioletten Bereich zur Verfügung. Außerdem können sie polarisiertes Licht wahrnehmen. Drei Bilder sehen die Tiere gleichzeitig und das aus bis zu sechs verschiedenen Perspektiven.

Diese hochentwickelten Sinnesorgane brauchen sie für ihren Nahrungserwerb. Denn Fangschreckenkrebse jagen, indem sie ein Beinpaar als „Keule“ einsetzen und ihre Beute schlichtweg zerschmettern. Bei dieser Methode ist Zielgenauigkeit offenbar oberstes Gebot.

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