Kräftemessen der Internetgiganten

Facebook will sich die Zukunft sichern

Die optisch wichtigste Neuerung ist wohl die Timeline, welche in den nächsten Tagen die bisherige Newsleiste ersetzten wird. Bunt wie ein Tagebuch finden hier Fotos, Videos, Links und Gedanken ihren Platz – der User erfährt sekündlich, welche Musik seine Freunde hören oder welcher Artikel es ihnen angetan hat.

Damit Facebook „die Geschichte deines Lebens“ wird, wie Zuckerberg beim Entwicklerkongress verkündete, geraten ältere Einträge nicht mehr in Vergessenheit, sie werden viel mehr zusammengefasst. Ein Zeitstrahl bildet diese nach Monaten geordnet ab, sodass User auch nach einem halben Jahr auf die Bilder der letzten Geburtstagsfeier oder des vergangenen Konzertes zugreifen können.

Die Timeline solle das ganze Leben auf einer einzigen Seite zusammenfassen, so der Facebook-Gründer weiter. Dieses ehrgeizige Ziel wird von einer Reihe neuer Apps von Partnerfirmen unterstützt. So zeigt z.B. die Anwendung von Spotify dem Nutzer, welche Musik der Freund gerade hört, während die App von Yahoo News meldet, welche Artikel für andere gerade spannend sind. Damit steht der gemeinsame Medienkonsum im Mittelpunkt und Facebook kann seine User stärker an sein Portal binden.

Schnell besteht jedoch die Gefahr, dass der Nutzer ein offenes Buch für seine Mitmenschen und vor allem Facebook wird. Zwar betonte Zuckerberg, dass der User selbst entscheiden könne was in seiner Timeline stehe und wer es lesen könne, aber eines ist klar. Facebook erhält alle Informationen und kann im Hintergrund mitlesen, daher sollten sich die User überlegen, welche Informationen sie offen legen wollen. Facebook könnte zum Giganten avancieren, der Unmengen an Userdaten sammelt und auswertet.

Angesichts stagnierender Mitgliedszahlen und dem Gedanken, dass auch das größte Netzwerk irgendwann nicht mehr wachsen kann, öffnen diese Daten einen neuen Markt für Zuckerberg und sein Team. Nachdem bereits vor einem Jahr die Einführung des „Gefällt-mir-Buttons“ die Internet-Gewohnheiten veränderte, könnte sich Facebook mit seinen neuen Diensten zu einem eigenen Universum im Internet entwickeln.

Mit den neuen Funktionen will Facebook vor allem eines: Weiter wachsen und Konkurrent Google auch in Zukunft hinter sich zurück lassen. Vergangene Woche verzeichnete Facebook den Besuch von erstmals 500 Millionen Menschen, die gleichzeitig in dem sozialen Netzwerk unterwegs waren. So weit ist Google+ lange noch nicht, mit der Öffnung des Netzwerks, plant der Suchmaschinenriese aber eine Entwicklung in genau diese Richtung.

Während Google sein Image als bloße Suchmaschine hinter sich lassen will, versucht Facebook mit seinen neuen Funktionen, dass User erst gar keine Suchmaschinen mehr befragen müssen, da sie alles Relevante bereist im Netzwerk finden. Mit dem ambitionierten Plan stellt Mark Zuckerberg seine einstige Freundschafts-Plattform einer großen Gefahr aus: Sollten die Nutzer das neue Layout und die Funktionen missfallen oder aufgrund der gespeicherten Datenflut misstrauisch werden, könnte es bald negative Schlagzeilen geben. Eines ist jedoch auch offensichtlich, wer den Kampf um User und Geld gewinnt, wird die Internet- und Mediennutzung bedeutend prägen.

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