Weltliteratur geehrt

Google Doodle für Moby Dick

Der Wal, den jeder kennt

Moby Dick kennt jedes Kind. Der weiße Pottwal, der seine Jäger zum Narren hält. Die Jäger, in dessen Mitte der wahnsinnige, von Alkohol und Rachsucht geplagte Kapitän Ahab steht, sind in der kindgerechten Verarbeitung des Stoffes eher unbekannt. Ebenso wie der große Rest, der vom Erzähler Ismael berichteten Abenteuer. Sie wirken sperrig, ungleichmäßig in der Struktur und so wurde der Roman über Jahrzehnte verschmäht.

Heute jedoch weiß die Gesellschaft um die Größe des Romans Bescheid. Längst gilt Moby Dick als Weltliteratur. Doch worin seine Stärke liegt, ist noch immer nicht sicher. Zumindest auf eine Stärke herunterbrechen kann man dieses Buch nicht.

Moby Dick Google Doodle

Das Google Doodle zu Moby Dick (Screenshot/MK)

Die Größe von Moby Dick

Es kann einerseits die psychologische Tiefe sein, mit der die Gestalten der Geschehnisse beschrieben werden. Angefangen und immer wieder verflochten: der Wahn des Ahab, der in dieser Form kaum ein zweites Mal in Romanen von Weltrang einen Platz findet. Ahab, der charismatisch seine Mannschaft auf die Jagd einschwört, fordert das Leben dieses Wals. Jedoch geht es ihm nicht um Geschäft oder Fang sondern um dieses spezielle Exemplar. Denn Wal und Fänger trafen schon einmal aufeinander.

Andererseits: Schon an den zwei genannten Namen – Ahab und Ismael – erkennt man eine weitere Besonderheit der Geschichte. Sie ist gespickt mit Symbolen und Metaphern, die sich in Historie, Indianererzählungen und vor allem der Bibel wiederfinden. Dabei ist nicht nur in die Erzählung geschickt die vordergründige Bedeutung der Namen eingeschlossen. Auch in der Rezeption erkennt man, wie sehr sich der Autor mit den Themen auseinandergesetzt hat.

Herman Melville

Zu vorderst ist es allerdings die Geschichte vom edlen Wilden, von den Weltmeeren, vom rauen Leben auf Schiff und von der drei Tage dauernden Jagd auf Moby Dick, die seit 161 Jahren Leser in den Bann ziehen. Legendär ist die Vermischung von Biographischem in diese Geschichte, die damals als Literatur eigentlich undenkbar war – in dieser ungeschliffenen Wildheit.

Der Autor Herman Melville lebte von früh auf eng mit dem Meer zusammen. Nach erfolglosen Jahren als Lehrer und Kaufmann zog es ihn auf Hochseeschiffe. Eine ähnliche Route von Nantucket aus – wie die Pequod in Moby Dick – legte Melville selbst zurück. Doch das schwere Leben auf dem Schiff machte ihm zu schaffen, sodass er sich auf Tahiti absetzen ließ. Nach Gefangenschaft und weiteren Jahren, die er auf See verbrachte, verfasste er seine Erzählungen und den Roman The Whale, der vollständig heute vor 161 Jahren erstmals erschien.

Zu Lebzeiten, wurden nur etwa 3.000 Exemplare von Moby Dick verkauft, sodass der Weltruhm erst nach Melvilles Tod 1891 auftrieb. Heute gilt das Werk als Meilenstein, das Generationen von Autoren beeinflusste. Auf deutsch erschien kürzlich eine preisgekrönte Neuübersetzung im Hanser Literaturverlag.

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