Früher Tod

Alkohol: Sucht verkürzt das Leben um 20 Jahre

Für seine Untersuchung wählten Ulrich John, Epidemiologe an der Universität Greifswald und sein Team 4.070 Teilnehmer aus der Region um Lübeck per Zufall aus. Standardisierte Befragungen ergaben, dass 153 Probanden als abhängig eingestuft werden mussten. Für die anschließende, 14 jährige Beobachtung standen davon 149 zur Verfügung. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist für Anfang 2013 geplant.

Früher Tod durch Alkohol

Alkoholsucht

Laut einer neuen Studie sterben Alkoholabhängige im Durchschnitt 20 Jahre früher. (Bild: aboutpixel.de / Rolf Bork)

Aber selbst die ersten Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. So starben die als alkoholabhängig eingestuften Männer im Durchschnitt im Alter von 58. Bei den Frauen lag die Lebensspanne bei 60 Jahren.

Im Vergleich dazu liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei 77 beziehungsweise 82 Jahren. Die Forscher errechneten daraus eine 1,9 fache Sterberate für männliche und 4,9 fache für weibliche Alkoholabhängige.

Warum der Zusammenhang von Alkoholmissbrauch und frühem Tod besonders bei Frauen so gravierend ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Dass dies allein am Körperbau liege, davon gehen Experten nicht aus.

Eine Therapie verlängert das Leben nicht

Bei der Auswertung der Daten fanden die Forscher außerdem heraus, dass ein Entzug oder eine Therapie keinen Einfluss auf die Lebenserwartung haben. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass therapeutische Maßnahmen viel zu spät ergriffen werden.

Wie groß das Problem in Deutschland tatsächlich ist, kann im aktuellen Drogen- und Suchtbericht nachgelesen werden. Demnach ist das Trinkverhalten von 9,5 Millionen Deutschen als riskant einzustufen. Rund 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Ulrich John meint sogar, dass an 20 Prozent aller Todesfälle in Deutschland Alkohol oder Tabak beteiligt sei.

Lösungsansätze müssen nach Meinung der Forscher auf verschiedenen Ebenen wirken. Denkbar wären einerseits Steuererhöhungen für Alkohol. Damit könnten besonders Jugendliche abgeschreckt werden. Auch sollte die Aufklärung über die Folgen des Alkoholmissbrauchs möglichst früh beginnen. Außerdem könnte ein Werbeverbot für Spirituosen helfen, die Akzeptanz von Alkohol in der Gesellschaft zu verringern.

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