Revolution des Desktops

Microsoft stellt Windows 8 vor – Sein oder nicht sein

Windows kachelt los

Alles neu macht Windows 8. So könnte das Motto der Präsentation des neuen Betriebssystems lauten. Und viele Desktop-Nutzer werden sich bei der Erstbetrachtung des Software-Flaggschiffs fragen, ob sie wirklich an einem Windows-PC sitzen oder doch eher ein mobiles Gerät vor sich haben. Schuld daran ist die neue Oberfläche, die ursprünglich Metro hieß. Sie zeichnet sich durch verschiedene dynamische Kacheln aus, die Informationen des Programms anzeigen.

Ein Beispiel dafür ist die neue Skype-App. Sie läuft in einer einzelnen Kachel und informiert den Nutzer nicht mehr über eine Pop-Up-Anzeige, sondern innerhalb der Kachel über Neuigkeiten. Im Test der Seite „Golem.de“ funktionierte das noch nicht reibungslos und auch das berühmte Feature der Dateiübertragung klappte noch nicht. Der bekannte Windows-Startknopf musste den neuartigen Charms weichen. Diese fungieren als Schnittstelle zwischen Programmen und erleichtern die Dateiübertragung. Auch das Ausschalten des Computers läuft über einen Charm. Das klingt alles kompliziert, erweist sich in der Praxis aber als intuitives System für Einsteiger.

Ein Desktop – oder doch nicht?

Alte Windows-Veteranen stoßen hingegen schnell an ihre Verständnisgrenzen. Zu unverständlich ist die neue Oberfläche, die weder die klassischen Fenster noch mehrere Programme parallel anzeigen kann. Dabei muss man sich bei der Nutzung über einen Fakt im Klaren sein. Microsoft entwickelte kein Betriebssystem für den heimischen Computer, sondern eine Multiplattform-Schnittstelle, die Smartphones, Tablets und PCs miteinander verbindet. Großflächige Anzeigen dominieren das Bild, Informationen zeigen sich dynamisch in den Kacheln und über die Charms verteilt man Daten auf Handys und weitere Geräte.

Windows wagt damit einen Schritt in die Richtung der mobilen Generation und nimmt in Kauf, alte Kunden zu verprellen. Doch laut einer Studie des Wirtschafts-Unternehmens „Gartner“ ist dies auch dringend notwendig. Besonders das Google-System Android präsentiert sich als starker Gegner. Aktuell laufen 1,5 Milliarden Geräte mit einem Windowssystem. Gleichzeitig hat sich Android in nur wenigen Jahren eine Basis von 605 Millionen Nutzern aufgebaut. Gartner kommt zu dem Schluss, dass Android nur noch vier Jahre benötigt, um Windows vom Software-Thron zu stoßen.

Probleme für Schüler und Studenten

Dieser Bedrohung ist sich Microsoft bewusst und strukturierte das alte System komplett auf moderne Bedürfnisse um. Dabei dachten die Entwickler zwar rudimentär an erfahrene Windows-Nutzer und implementierten den klassischen Desktop. Doch egal ob man ein Programm startet oder eine Datei öffnet, immer wieder landet der Nutzer auf der neuen Oberfläche. Selbst einfache Aufgaben, wie das Öffnen von zwei PDF-Dokumenten, ist nicht mehr möglich. Die zweite PDF löscht das erste Dokument aus dem Programm. Das verärgert besonders Personen, die Windows beruflich nutzen.

Sicherlich wird es schnell Abhilfe über Drittprogramme geben, doch das grundsätzliche Problem bleibt bestehen: Microsoft platziert Windows in direkter Konkurrenz zu iOS und Android und vernachlässigt das ursprüngliche Kern-Klientel der Office-Nutzer. Windows verkommt so zur Unterhaltungs-Software und bewegt sich weg vom Bild des Arbeitstiers.

Deshalb werden viele Nutzer die 60 Euro für die Windows 8 Pro Version lieber sparen und bei den Klassikern XP und Vista bleiben. Die Prognosen von Microsoft, dass 670 Millionen Nutzer auf das neue System umsteigen, sind deshalb als übertrieben optimistisch zu betrachten.

Windows 8 ist neu und unbekannt

Das neue Windows macht trotz der Kritikpunkte viel richtig. Es läuft schnell und butterweich. Die neue Organisation über Kacheln ist modern und wird die junge Generation der Smartphone-Nutzer ansprechen. Der Weg zu einem eigenen Ökosystem, wie es Apple und Google seit Jahren praktizieren, ist damit geschaffen und erfüllt genau das, was Steve Ballmer auf der Pressevorführung sagte: „Wir haben Windows neu erfunden und haben das Beste aus allen Welten [Anm. Red.:PC, Smartphone, Tablet] vereint.“

 

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