Die Geschichte hinter der Occupy-Maske

Guy Fawkes und die Schießpulver-Verschwörung

Vom katholischen Terroristen zum weltweiten Protestsymbol: Guy Fawkes. (Bild: Usien/ Wikipedia unter CC0 1.0)

Tonnenweise Sprengstoff unter dem Westminster-Palast

„Remember, remember, the fifth of November“, heißt es in einem alten englischen Kinderreim. Das Datum, an welches dieser Vers erinnern soll, ist der 5. November 1605. An diesem Tag fand ein Ereignis statt, das unter dem Namen „Gunpowder-Plot“, als Schießpulververschwörung, in die englische Geschichte eingegangen ist. Damals wollten katholische Verschwörer den protestantischen König Jakob I. mitsamt seiner Familie und allen Parlamentariern während der Parlamentseröffnung töten. Zu diesem Zweck planten der Sprengstoffexperte Guy Fawkes, ein katholischer Offizier, und zwölf weitere Mitverschwörer, das Ober- und Unterhaus der britischen Regierung, sowie den König, die im Palast von Westminster versammelt waren, in die Luft zu sprengen.

Die Attentäter um Guy Fawkes lagerten unglaubliche 2,5 Tonnen Schießpulver (Gunpowder) in einem Raum unter dem „House Of Lords“ ein. Zur feierlichen Eröffnung des Parlaments, bei dem die gesamte Königsfamilie und alle Parlamentarier anwesend gewesen wären, sollte die Sprengladung explodieren. Die Detonation hätte nicht nur den Westminster-Palast, sonder mit hoher Wahrscheinlichkeit das gesamte Viertel komplett zerstört.

Die Verschwörer wollten das Parlament und den König in die Luft sprengen. (Bild: Crispijn van de Passe d.Ä. – gemeinfrei/ Wikipedia)

Verschwörung und Verrat

Doch es kam anders. Wenige Tage zuvor erhielt der katholische Lord Monteagle einen Brief, mit der Warnung, sich an diesem Tage vom Parlament fernzuhalten, denn das Gebäude werde einen furchtbaren Schlag erhalten. Der beflissene Lord reichte den Brief an die Behörden weiter, die, nun über die Verschwörungspläne informiert, damit begannen, das Gebäude unauffällig zu kontrollieren. So gelang es den Sicherheitskräften, Guy Fawkes am Morgen des 5. Novembers auf frischer Tat zu verhaften, als dieser ein letztes Mal die Fässer mit Sprengstoff kontrollieren wollte.

Unter der, vom König persönlich angeordneten, Folter, verriet Fawkes seine Mitverschwörer, die daraufhin alle verhaftet und wenige Wochen später hingerichtet wurden.

Das Motiv der radikalen Katholiken um Fawkes, war die Rache am König für die schlechte Behandlung, Verfolgung, Unterdrückung und Enteignung ihrer Glaubensgenossen. Doch der Einfluss der katholischen Kirche war nach der Aufdeckung der Attentatspläne für die nächsten 200 Jahre noch mehr geschwächt, ihre Anhänger wurden sogar noch härter diskriminiert. So durften sie nunmehr auch keinen Hochschulabschluss machen oder an Wahlen teilnehmen.

Bonfire-Night erinnert an gescheitertes Attentat

Vor allem anglikane Briten feiern seitdem jedes Jahr am 5. November das Scheitern des Komplottes mit Feuerwerk, Fackelzügen und dem Verbrennen von Guy-Fawkes-Figuren in der sogenannten „Bonfire Night“. Und Guy Fawkes wurde mehr und mehr zu einer volkstümlichen Figur. Spötter behaupten sogar, Fawkes, sei er der einzige Mann gewesen, der je in ehrlicher Absicht ins Parlament gegangen ist. Auch heute noch wird traditionsgemäß vor der Eröffnung des Parlaments zunächst der Keller kontrolliert.

Weltweite Bekanntheit erhielt die Figur Guy Fawkes jedoch erst durch Alan Moores und David Lloyds Comic „V wie Vendetta“ und vor allem durch dessen Verfilmung aus dem Jahr 2006. In der grafischen Novelle des anarchistischen Autors Moore („Watchmen“, „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, „From Hell“), kämpft ein als Guy Fawkes verkleideter, maskierter Rächer gegen ein faschistisches Regime, das an Georg Orwells „1980“ erinnert. Damit entstand die Verbindung zwischen der Maske und politischen Inhalten. Heute nehmen viele Teilnehmer der Occupy-Proteste als Guy Fawkes maskiert an Demonstrationen teil, auch die Internetaktivisten von Anonymous übernahmen die Maske als Symbol für ihren radikalen Kampf gegen Autoritäten, vergessend, dass religiös motivierter Terror auch schon vor 400 Jahren eine Geisel der Zivilisation war.

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