Atemwegsinfekte

Antibiotika bei Bronchitis – mehr Schaden als Nutzen

16 Gesundheitszentren in Europa nahmen an der Untersuchung teil. Insgesamt wurden 2.061 Menschen ausgewählt, die an einer Erkrankung der unteren Atemwege litten. Ausgeschlossen wurden dabei Patienten mit Lungenentzündung und solche, bei denen der Husten nicht auf eine Infektion zurückzuführen war.

Über sieben Tage erhielten 1.038 Teilnehmer Amoxicillin – ein Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline. Die verleibenden 1.023 Patienten erhielten ein Placebo. Wer dabei welche Behandlung erhielt, entschied ein Zufallsgenerator.

Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Team um Paul Little von der University of Southampton in Großbritannien in der Medizinzeitschrift „The Lancet“.

Geringe Verbesserung, mehr Nebenwirkungen

Arzneimittel

Bei Bronchitis und Atemwegsinfekten wirken Antibiotika kaum besser als Placebos. (Bild:Würfel/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Diese besagen, dass eine Therapie mit Antibiotika nur einen minimal höheren Erfolg erzielt. Dafür ist aber mit einem größeren Anteil an Nebenwirkungen zu rechnen. Verkürzt wurde der Krankheitsverlauf bei Antibiotikagabe nicht.

So trat bei 15,9 Prozent der Antibiotika-Behandelten eine Verschlechterung ihrer Symptome auf. Bei den Placebo-Patienten lag die Rate mit 19,3 Prozent leicht darüber.

Dafür hatten diese nur in 24 anstatt 28,7 Prozent der Fälle mit Nebenwirkungen wie Durchfall oder Übelkeit zu kämpfen. Einfacher ausgedrückt bedeutet dies, dass bei nur einem von 30 Patienten Antibiotika besser wirken, dafür aber bei jedem 21. zu Nebenwirkungen führen.

Viren fürchten keine Antibiotika

Viele Menschen leiden vor allem im Herbst und Winter an Erkrankungen von Luftröhre, Bronchen oder Lugen. Quälender Husten ist dann die Folge. Hinter Atemwegsinfekten oder einer Bronchitis stecken in nur etwa 10 Prozent der Fälle Bakterien. Denn meist sind Viren dafür verantwortlich.

Gegen diese Krankheitserreger sind Antibiotika aber machtlos. Das Immunsystem schaltet sie im Normalfall von selbst aus. Trotzdem verschreiben Ärzte in 80 Prozent aller Fälle Antibiotika. Oft fällt das Argument, den geschwächten Körper vor einer zusätzlichen Bakterieninfektion schützen zu wollen. Mit einer solchen ist allerdings ist bei sonst gesunden Menschen kaum zu rechnen.

Der Rat der Forscher lautet deshalb: Solange nicht der Verdacht auf eine Lungenentzündung besteht, sollte bei Husten auf Antibiotikagabe verzichtet werden.

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