Internationaler Tag der Muttersprache

50 Prozent aller Sprachen sind vom Aussterben bedroht

Sorbische und deutsche Beschriftung eines Schildes

An der deutsch-polnischen Grenze lebt die Minderheit der Sorben, die eine eigene Sprachkultur besitzt. (Bild: j.budissin/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Weltweit gibt es mehr als 2.000 Sprachen, die von weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden. Und die Anzahl sinkt ständig. Das Aussterben der Sprachen ist ein globales Problem, auf das der Internationale Tag der Muttersprache aufmerksam macht. Die Vernetzung und Vereinheitlichung in der heutigen Gesellschaft ist das größte Problem, mit dem Minderheitssprachen kämpfen. Prestigeträchtige Wörter aus dem englischen und spanischen Raum verdrängen lokale Bedeutungen und sukzessive gibt eine ganze Generation die eigene Herkunft auf.

Mediale Präsenz für Minderheiten

Früher starben Sprachen vor allem durch Genozide und Katastrophen, heute kommt das in dieser Art nicht mehr vor. Rettung gibt es für die lokalen Sprecharten meist nicht. Einzig eine konsequente Präsenz auf verschiedenen Ebenen kann Abhilfe schaffen. Wahl- oder Pflichtfächer in den Schulen, Aufmerksamkeit in den lokalen Medien und das Konservieren spezieller Wörter und grammatikalischer Regeln könnten das Aussterben stoppen. Vor allem der letzte Punkt hilft späteren Generationen, die eigene Herkunft besser zu verstehen und eine Kultur zu erhalten.

Gerade am Internationalen Tag der Muttersprache kann sich jeder einfach der Minderheitssprachen besinnen, die es auch in der eigenen Region gibt. In Deutschland stehen ebenfalls mehrere Sprachen vor dem endgültigen Aus. Besonders die Sorben im Osten der Republik kämpfen für den Erhalt ihrer Kultur. Dazu kommt die Minderheit des Saterfriesischen, das nur noch von 2.000 Menschen gesprochen wird. Die Ostfriesen steuerten allerdings effizient gegen das Aussterben an. Heute lernen die Kinder ihren kulturellen Hintergrund wieder in der Schule, ein Weg, der als Beispiel für andere Minderheitssprachen und Dialekte gelten kann.

Stirbt die Sprache, stirbt die Kultur

Die Problematik ist jedoch zu klein, als das der Großteil der Menschen davon Kenntnis nehmen würde. Sprachen wie Chinesisch, Englisch, Spanisch, Arabisch, Russisch oder Deutsch werden von 97 Prozent der Weltbevölkerung gesprochen. Der Blick auf die Minderheiten entfällt leicht. Man kann nur hoffen, dass sich die aktuelle Generation der Sprachforscher schnell aufmacht, um wenigstens ein paar der 2.000 Minderheitssprachen zu dokumentieren, damit man die Diversität der Kulturen auch in Zukunft nachvollziehen kann. Denn ohne Sprache sterben auch andere Aspekte einer Gesellschaft schnell aus.

Der Internationale Tag der Muttersprachen wird jährlich am 21. Februar begangen. Auslöser war ein Protest im Jahr 1952. Das pakistanische Regime ernannte die Minderheitssprache Urdu zur neuen Amtssprache, obwohl nur drei Prozent der Bevölkerung Urdu nutzten. Die Demonstrationen in der Hauptstadt Dakar, die sich für die Erhaltung des Bengalischen einsetzten, endeten für einige Protestanten tödlich.

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