Habemus Papam

Kardinal Bergoglio wird zu Papst Franziskus

Der Papst Franziskus I. als Kardinal in Buenos Aires

Der neue Papst heißt Franziskus I. und kommt aus Argentinien. (Bild: Aibdescalzo/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Um 20:33 Uhr nahm auch der Twitter-Account des Papstes wieder seine Arbeit auf: „Habemus Papam Franciscum“ schrieb der User „@Pontifex“. Die kleine Nachricht macht die Tragweite der Konklave-Entscheidung jedoch nicht ansatzweise deutlich. Franziskus kommt als erster Papst in der Geschichte nicht aus Europa. Ein Novum und ein Zeichen der Kirche: Es ist an der Zeit neue Wege zu bestreiten, um die eigene Krise zu bewältigen.

Ein neues Kirchen-Zeitalter

Die Krise zeigt sich in erster Linie an der Glaubensverdrossenheit. Immer weniger Mitglieder zählt die katholische Kirche; dazu kommt der Skandal um den sexuellen Missbrauch innerhalb der Glaubensgemeinschaft. Franziskus steht vor einer Vielzahl an Problemen. Und doch wirkt es so, als könne gerade der stille Mann aus Argentinien die Probleme in den Griff bekommen. Die Kardinäle vertrauen auf die Fähigkeiten des neuen Papstes. Das Konklave geht als eines der kürzesten in die Geschichte ein; der Wunschkandidat war schnell gefunden.

Bergoglio erarbeitete sich den Status als demütiger Kardinal. In seiner Heimat Argentinien fuhr er bevorzugt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, anstatt auf die ihm zustehende Limousine zurückzugreifen, an Feiertagen besuchte er Notleidende und Kranke und wusch ihnen die Füße, wie es schon Jesus zu seinen Lebzeiten getan haben soll. Auch in seinem Appartment in Buenos Aires zeigte sich kein Prunk. Das Leben Bergoglios spiegelt sich in der päpstlichen Namenswahl wider. Franz von Assisi steht dem Argentinier als Namenspatron zur Seite; der Bescheidene, der den Weg Christi ohne Umwege fortführte und gegen die Machenschaften der Kurie protestierte.

In Erinnerung an Franz von Assisi

Franziskus ist ein Übergangspapst. Die notwendigen Reformen der Kirche sollen von ihm angestoßen und durchgeführt werden. Natürlich nur in gemäßigter Form. Auch Franziskus positioniert sich klar gegen die Nutzung von Verhütungsmitteln, Ehen homosexueller Partner sind ihm zuwider. Es ist ein anderes Thema, das ihm auf der Seele liegt. Die soziale Kluft, die weltweit zwischen Arm und Reich liegt: „Die ungleiche Verteilung der Güter schafft eine Situation sozialer Sünde, die zum Himmel schreit“, sagte Bergoglio beim Treffen der Bischöfe.

Papst

Papst Benedikt XVI. legte sein Amt freiwillig nieder. (Bild: [1]/Wikipedia unter CC BY-SA 2.0)

Der erste südamerikanische Papst passt perfekt auf den Heiligen Stuhl – wäre da nicht ein Makel, der ihn schon lange verfolgt. In den Zeiten der argentinischen Militärdiktatur soll Bergoglio Glaubensbrüder denunziert und an das Regime ausgeliefert haben. Als Vorsteher des Jesuitenordens verriet er zwei Mitglieder. Obwohl er den Vorwurf strikt von sich weist, gibt es weitere Zeugen, die von seiner Schuld überzeugt sind. Endgültig geklärt ist der Vorfall nicht.

Ein Kontinent in Ekstase

Für die Argentinier zählt das alles nicht. Sie feiern ihren Papst. Tausende machten die Nacht auf den Straßen von Buenos Aires zum Tag; sogar auf dem Petersplatz in Rom stimmten sie „Argentinia, Argentinia“-Gesänge an. Nirgendwo sonst ist der christliche Glauben so stark verankert wie in Südamerika. Der Kontinent hofft, von nun an stärker in den Fokus der Kirche zu rücken. Viele große Aufgaben warten auf Franziskus, der ab jetzt beweisen kann, dass stille Wasser tiefe Veränderungen bewirken können.

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