Neue Erkenntnisse

Kinder erlernen Sprechen durch Variation der Sprache

Allein durch Imitation von Sprache kann das Kind keine eigenständige Artikulation entwickeln.   (Bild: aboutpixel.de / Mark Chambers)

Allein durch Imitation von Sprache kann das Kind keine eigenständige Artikulation entwickeln. (Bild: aboutpixel.de / Mark Chambers)

Spracherwerb erfolgt nicht durch Imitation

Bisher ging man davon aus, dass Kinder Sprache tatsächlich durch Nachahmung erlernen. Linguisten aus den USA widersprechen. Charles Yang behauptet im Fachjournal PNAS, dass Kinder sich eine Sprache aneignen, indem sie Wörter kreativ variieren und grammatikalisch richtig einsetzen. Obwohl die kognitive Entwicklung von Zweijährigen noch kein abstraktes Denken zulässt, sind die Kinder schon in der Lage, grammatikalisch korrekte Sätze zu bilden.

Chomskys Theorie wird belegt

Zum Vergleich wird der berühmte Schimpanse Nim Chimpsky herangezogen, dem die „American Sign Language“ beigebracht wurde. Allerdings verwendete der Schimpanse wenig Zwei-Zeichen-Kombinationen und folgte somit eher keinen grammatikalischen Regeln, so die US-Forscher.
Der Name des Tieres soll an den bekannten Sprachwissenschaftler Noam Chomsky erinnern, der 1957 die Generative Transformationsgrammatik in seinem Buch „Syntactic Structures“ vorstellte und dafür vielfach kritisiert wurde. Nach Chomsky ermöglicht die Generative Transformationsgrammatik Kindern während des Spracherwerbs anhand des alltäglichen, sprachlichen Inputs Hypothesen über die zugrunde liegenden Grammatikregeln aufzustellen und anzuwenden.

Kinder kombinieren kreativ

Heißt es „die Katze“ oder „eine Katze“? Beide Formen sind grammatikalisch korrekt, dennoch verwenden die meisten Erwachsenen bevorzugt entweder den bestimmten oder den unbestimmten Artikel. Die Sprachwissenschaftler stellten fest, dass Kleinkinder Substantive und Artikel kreativer kombinieren als Erwachsene und sich somit einfacher, grammatikalischer Strukturen bewusst sind.

Charles Yang verglich die Ergebnisse der Studie mit dem Brown-Corpus, einer Textsammlung, welche das Sprachverhalten von Erwachsenen darstellt. Auch bei dieser computergestützten Datenanalyse fiel auf, dass die getesteten Zweijährigen mehr Wortkombinationen hervorbrachten als in der Textsammlung, welche ursprünglich rund eine Million Wörter umfasste, zu finden waren.

Bedeutung für die Sprachförderung

Mithilfe der neuartigen Studie wurde ein wichtiger Aspekt des kindlichen Spracherwerbs belegt und könnte in der Zukunft Linguisten und Logopäden bei der Entwicklung von einer kindgerechten Sprachförderung helfen. Auch Yang betonte die Bedeutung dieser Studie:

„Zweifellos spielt das Gedächtnis eine Rolle, wenn Kinder eine Sprache lernen. Wörter und Redewendungen sind die offensichtlichsten Beispiele.“ Die Ergebnisse würden zeigen, dass das Gedächtnis nicht die kombinatorische Kraft der Grammatik ersetzen kann, so Yang weiter.

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