Gefährliche Infektionskrankheit verbreitet sich

Infektionswelle: Masern verbreitet sich in Deutschland

Impfung gegen Masern

Bis 2015 sollen 95 Prozent der europäischen Bevölkerung gegen Masern geimpft sein. (Bild: Eisenhans – Fotolia)

Deutsche sind unzureichend geimpft

Der große Aufschrei kam aus der Hauptstadt, als die Patientendaten der letzten Monate ausgewertet wurden. 112 Berliner erkrankten seit Jahresbeginn an der Infektionskrankheit, die vor allem Kinder betrifft. Allerdings sind nun Kinder und junge Erwachsene gleichermaßen betroffen. Im letzten Jahr lag die Zahl der Masernfälle noch bei 166 Erkrankten in ganz Deutschland. Europaweit wurden in den letzten drei Jahren, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), 90.000 Masernfälle gemeldet.

Der Grund für die erschreckend hohen Zahlen ist der unausreichende Impfschutz der Deutschen. Vor 1970 wurden alle Säuglinge in den ersten Lebensjahren zweimalig gegen Masern geimpft. Heutzutage haben Kleinkinder oftmals nur eine oder gar keine Impfung gegen die gefährliche Infektionskrankheit. Bisher kann Mecklenburg-Vorpommern als einziges Land einen annähernd genügenden Impfschutz der Bevölkerung vorweisen. Durch Schulprojekte möchte die WHO zumindest Kleinkinder und deren Eltern auf fehlende Impfungen hinweisen.

Keine harmlose Erkältung

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten, leichtes Fieber und Halsschmerzen – meist beginnt eine Masernerkrankung wie eine typische Erkältung und ist daher im Anfangsstadium schwer zu diagnostizieren. Auch die oftmals folgende Bindehautentzündung wird meist fälschlicherweise einem grippalen Infekt zu geordnet. Erst nach circa einer Woche klingen die ersten Symptome ab, das Fieber lässt nach und es bildet sich der charakteristische, fleckige Ausschlag am ganzen Körper.

Nach weiteren fünf Tagen verschwindet der auffällige Hautausschlag, der meist eine strapazierte Haut und geschwollene Lymphknoten zurücklässt. Bis die erkrankten Patienten wieder arbeitsfähig sind, vergehen meist einige Wochen. Zudem sind Masern seit dem 2001 erlassenen Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Genau an diesem Gesetz könnte nun auch der Anstieg der Infizierten erklärt werden.

Seit 2001 erfolgt die zweite Impfdosis an Masern nicht mehr zum achten Lebensjahr, sondern schon nach Erreichen des zweiten Lebensjahres. Daher sind einige Kleinkinder durchs Raster gefallen und erhielten keine zweite Impfung. Diese Altersgruppe ist am stärksten gefährdet.

 

Entwicklung der Masernerkrankungen
Jahr 2001 2004 2007 2010 2011
Fälle 6037 122 566 780 1609

 

Gefürchtete Komplikationen

Sofern die Krankheit ohne Komplikationen verläuft, sind keine Folgeerkrankungen zu befürchten. Bei fast einem Drittel der Patienten folgen jedoch schwerwiegende Krankheiten wie Lungen-, Mittelohr- oder Hirnhautentzündungen. Besonders die bakterielle Hirnhautentzündung ist gefährlich und kann zu Behinderung oder Lähmung führen. Statistisch gesehen stirbt einer von 3.000 an Masern erkrankten Patienten in Europa.

Nach Angaben der WHO sollen bereit im Jahr 2015 95 Prozent der europäischen Bevölkerung geimpft sein. Doch Impfgegner erschweren dieses Vorhaben. Aus Angst vor Schäden lassen Eltern ihre Kinder vermehrt nicht mehr impfen.

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