Sommer im Büro

Temperaturen am Arbeitsplatz: Gibt es Hitzefrei?

Zu hohe Temperaturen sind kein Rechtsverstoß

Ein Sonnenstich im Sommer ist nicht zu unterschätzen (Bild: User:Lykaestria/Wikipedia)

Hitze im Büro ist für viele Arbeitnehmer ein Problem. (Bild: Lykaestria/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Während sich manche Tiere gegen die Sommerhitze gut zu wappnen wissen, herrschen an vielen Arbeitsplätzen oft übermäßig hohe Temperaturen: Übersteigt die Raumtemperatur im Büro 30 Grad Celsius, ist für viele Arbeitnehmer die Grenze des Zumutbaren erreicht. Und das zu Recht, Konzentration und Arbeitsmotivation leiden bei stickiger Luft und Hitze erheblich. Dies kann letztlich auch zu einem Problem für den Arbeitgeber werden kann, vertraut er doch auf eine verlässliche Produktivität seiner Mitarbeiter.

In den seltensten Fällen aber lassen zu hohe Raumtemperaturen und Sommerhitze eine arbeitsrechtlich relevante Klage gegen den Arbeitgeber zu. Denn die zulässigen Höchsttemperaturen am Arbeitsplatz sind in der Arbeitsstättenverordnung („ArbStättV“), die hier als gesetzliche Quelle herangezogen werden kann, nur näherungsweise angegeben. Dort heißt es, dass „während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren […], eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur bestehen“ muss. Wie hoch diese ausfallen sollte, bzw. was „gesundheitlich zuträglich“ ist, wird allerdings nicht näher erläutert.

Eine weitere Quelle für Raumtemperaturen am Arbeitsplatz ist eine spezielle Arbeitsschutzrichtlinie („ASR“), die in einer ergänzten Fassung von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012 herausgegeben wurde. Sie nennt zwar konkrete Richtwerte, allerdings sind diese eben als solche zu behandeln, da sie keine Rechtsverbindlichkeit, sondern lediglich einen Weisungscharakter besitzen. Anders als etwa Regelungen, die sich im Arbeitsschutzgesetz (kurz „ArbSchG“) finden lassen, entsprechen die Vorgaben einer ASR somit eher optimalen Bedingungen, die am Arbeitsplatz herrschen sollten.

„Hitzefrei“ bleibt ein Traum vieler Arbeitnehmer

Herrschen Sommerhitze und stickige Luft, ist dies in den meisten Fällen kein Rechtsverstoß. Ein gesetzlich geregeltes „Hitzefrei“ bei hohen Raumtemperaturen existiert also nicht und die Richtwerte der oben genannten ASR begründen keinerlei Rechtsanspruch der Arbeitnehmer. Viele Arbeitgeber versuchen ihren Belegschaften bei hohen Temperaturen im Büro oder langen Arbeitszeiten im Freien allerdings entgegen zu kommen. Oftmals reichen bereits kleine Verbesserungen aus, um die Temperaturen sinken zu lassen und die Atmosphäre im Büro angenehmer zu gestalten. Hier ist der Einsatzwille des jeweiligen Arbeitgebers gefragt, um Maßnahmen gegen die Sommerhitze zu treffen.

 

Mindest- und Höchsttemperaturen laut ASR 3.5 „Raumtemperatur“
Überwiegende Körperhaltung Arbeitsschwere
leicht mittel schwer
Sitzen +20 Grad Celsius +19 Grad Celsius
Sitzen, Gehen +19 Grad Celsius +17 Grad Celsius +12 Grad Celsius
Höchsttemperatur sollte +26 Grad Celsius nicht überschreiten

So kann die Installation von Jalousien vor den Fenstern eines Büros die Raumtemperatur im Büro verringern. Aufgestellte Ventilatoren tragen zu einer bessern Durchlüftung der jeweiligen Räume bei, wobei es darauf zu achten gilt, keinen Zug entstehen zu lassen, der zu möglichen Erkältungen des Arbeitnehmers führt.

Auch muss der Arbeitgeber bei Klimaanlagen darauf achten, diese nicht zu kalt einzustellen, denn größere Unterschiede zwischen der Hitze außerhalb des Büros und der Kälte in diesem selbst führen schnell zur Krankheit. Im Freien ist besonders an ausreichende Pausen zu denken: Arbeit während der Mittagszeit kann hier besonders gefährlich sein, weshalb auf entsprechende Schutzbekleidung (Kopfbedeckungen etc.) und genügende Flüssigkeitszufuhr zu achten ist.

Tipps gegen die Hitze am Arbeitsplatz

Gesundes Mittag im Büro genießen

Leichte Gerichte und ausreichend Wasser sind bei Hitze im Büro Pflicht. (Bild: AVAVA – Fotolia.com)

Zwar ist ein gesetzliches „Hitzefrei“ nicht in Sicht, aber auch andere Hilfsmittel können erfolgreich gegen hohe Raumtemperaturen wirken. Kühle Getränke etwa oder Eis, die auch ein Arbeitgeber zur Verfügung stellen kann, führen bei hohen Temperaturen zu Verbesserungen des Betriebsklimas. Arbeitnehmer selbst sind dabei selbstverständlich auch in der Lage, sich durch einige wenige Tipps gegen die große Hitze zu wappnen.

Hierzu zählt zum einen die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit. So sollten täglich mindestens zwei bis drei Liter Wasser zu sich genommen werden, da der Körper durch eine erhöhte Schweißproduktion viel Flüssigkeit im Laufe der Arbeitsstunden verliert. Lässt es die Kleiderordnung im Büro zu, sollten zum anderen leichte, atmungsaktive Stoffe gewählt werden. Beim Essen liegt in der Wahl leichter Salate und gekühltem Obst ein klarer Vorteil gegenüber ermüdenden und – besonders im Sommer – häufig schwer verdaulichen Fleischgerichten.

Sollte trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr und angemessener Kleidung im Büro oder Freien immer noch keine Besserung bei zu hohen Raumtemperaturen zu verzeichnen sein, führt unter Umständen ein Gespräch mit dem Arbeitgeber zum Erfolg. Erst wenn Probleme klar benannt werden, kann eine auch für den Arbeitnehmer günstige Veränderung geschaffen werden.

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