Kein Datenschutz bei E-Mails

Google: Gmail-Nutzer haben kein Recht auf Privatsphäre

Google scannt eingehende E-Mails auf ihren Inhalt

Google muss nur auf Beschwerde reagieren

Provider liest mit – Google scannt Gmail-Konten für Werbeinhalte (Bild: strixcode – Fotolia)

E-Mails sind keine Briefe im Briefumschlag, sondern Postkarten. Diese kann der Postbote theoretisch mitlesen und das weiß der Absender. Daher sollte er sich nicht beschweren, wenn ihm der passende Werbeprospekt mit in den Briefkasten gelegt wird – so in etwa könnte die analoge Version der neuesten Diskussion um Google und den Datenschutz lauten. Der digitale Megakonzern liest die E-Mails an die Nutzer seines Providers Gmail mit, um passende Werbung zu platzieren. Alle bei einer Gmail-Adresse eingehenden Mails werden per Algorithmen gescannt und nach einschlägigen Schlagwörtern durchsucht. Darüber müssen sich auch Nutzer anderer E-Mail-Provider im Klaren sein, die an eine Person mit Gmail-Adresse schreiben.

Gmail-Kritiker führen Sammelklage gegen Google an

Das Statement, in dem Google klarstellt, dass Gmail-Nutzer keine Privatsphäre bei Google erwarten können, ist Teil eines Gerichtsverfahrens gegen den Konzern, das vor einem kalifornischen Gericht verhandelt wird. Die Sammelklage wurde von einer Gruppe Privatpersonen aus verschiedenen US-Staaten angestrengt und wirft Google vor, durch das Scannen der E-Mails gegen verschiedentliche Datenschutzgesetze und Abhörverbote zu verstoßen. Die Anwälte des Konzern erstellten die nun öffentlich gewordene Eingabe breits im Juni. In diesem Dokument argumentieren sie zudem für die Einstellung des Verfahrens.

Zu den Aussagen, die Google-Kritiker und Datenschützer besoders negativ hervorheben, gehört der Bezug auf ein Gerichtsurteil von 1979 über die Weitergabe von Telefondaten. Dort sagten die Richter in ihrer Begründung, dass „jemand, der freiwillig Informationen an Dritte übergibt, keinen legitimen Anspruch auf die Privatheit dieser Informationen“ mehr hat. Ob ein Gericht diese Argumentation auch 30 Jahre später noch akzeptieren wird, muss die mündliche Anhörung am 5. September zeigen. Derweil entbrennt erneut eine Diskussion um Googles Einstellung zum Thema Datenschutz.

Google Gmail

  • online seit 2004
  • über 425 Millionen Nutzer (Stand 2012)
  • der weltweit meistgenutzte E-Mail-Dienst
  • über 50 Sprachversionen
  • in Deutschland sind GMX und Web.de weiter verbreitet als Gmail

Die Analyse von Nutzerdaten ist Googles Metier

Der Fall erlangte hohe Aufmerksamkeit, weil die US-amerikanische Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog die Gerichtsunterlagen veröffentlichte und sich in einer Pressemitteilung dazu positionierte. Dass Google E-Mails mitliest, analysiert und die am Bildrand erscheinenden Anzeigen daran anpasst, dürfte vielen aufmerksamen Nutzern bereits bekannt sein. Zudem geht Google bei Anfragen auf seiner Suchmaschine ebenso vor.

Im Grunde basiert Googles Geschäftsprinzip auf der Analyse von Nutzerdaten und der Platzierung darauf abgestimmter Werbeinhalte. Dafür ist die Nutzung seiner Dienste kostenfrei. Gezahlt wird mit der Eingabe von Daten und Informationen. Und auf deren Verwertung erhebt Google Anspruch. Die zentrale Frage in der Diskussion ist, ob und wie verwerflich das ist. Und ob es gegen Datenschutz und das Recht auf Privatsphäre verstößt. Google verteidigt sein Vorgehen zudem auch als Schutz vor Spam-E-Mails.

E-Mails – Postkarten oder Briefe?

Das Briefgeheimnis ist ein demokratisches Bürgerrecht. Die Übertragung dieses Rechtes auf elektronische Post stellt sich jedoch schwierig dar. Google verglich in seiner Argumentation das Scannen von E-Mails durch den Provider mit dem Öffnen eines Geschäftsbriefes durch die Assistentin des Adressaten. Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog wies dies als falsche Analogie zurück und verglich das Versenden von E-Mails mit der normalen Post. Der Postbote dürfe schließlich auch nicht die Briefumschläge öffnen und mitlesen.

Sind E-Mails Geschäftsbriefe oder Privatbriefe? Ist Google die Sekretärin der Gmail-Nutzer oder ihr Postbote? E-Mail-Skeptiker sehen E-Mails vielmehr, wie eingangs angedeutet, als Postkarten. Unabhängig von der Frage, was man von Googles Tätigkeiten hält, sollte E-Mail-Nutzern bewusst sein, dass E-Mails auf ihrem Weg durchs Netz an vielen Stellen mitgelesen werden können. Einen Briefumschlag bekommen E-Mails erst durch Verschlüsselung.

E-Mail-Verschlüsselung erfährt neue Brisanz durch NSA-Affäre

Auge im Datenstrom

Den Durchblick bei den Datenströmen im Netz zu behalten ist nicht leicht. (Bild: Sergej Khackimullin / Fotolia)

Das Verschlüsseln von E-Mails rückt gerade vor dem Hintergrund der Affäre um den NSA und die Prism- und Tempora-Programme in den Fokus von Datenschützern. Denn Geheimdienste wie der NSA gehören zu den Stellen, die unverschlüsselte E-Mails problemlos mitlesen können. In diesem Zusammenhang hat eine Allianz von deutschen E-Mail-Providern (T-Online, GMX und Web.de) beschlossen, die E-Mails dieser Nutzer automatisch zu verschlüsseln. Auch bei Gmail können die Nutzer ihre E-Mails verschlüsseln. Dies erschwert es zwar Außenstehenden wie dem NSA die Mails zu lesen, aber auf den Servern der Provider liegen die Mails dennoch im Klartext vor. Google kann weiter mitscannen.

Wer nicht möchte, dass der Mail-Provider mitlesen kann, muss selbst verschlüsseln mit End-to-end-Software wie PGP, die über Mail-Programme wie Thunderbird zu nutzen sind. Im Zusammenhang mit der Prism-Affäre scheint es nun, dass gerade Geheimdienste und Staatsorgane dies Möglichkeit unterbinden wollen. Die US-amerikanischen Verschlüsselungsdienstleister Lavabit und Silent Circle mussten vor wenigen Tagen ihren Dienst einstellen. Über die Gründe dürfen sie sich offenbar nicht öffentlich äußern.

Bekannt ist jedoch, dass Edward Snowden jene Informationen, die den Skandal über die Spähprogramme des NSA auslösten, über eine Lavabit-Mailadresse verschickte. Aufgrund der Schweigepflicht von Lavabit und Silent Circle ist nicht klar, ob und inwiefern dies mit der Einstellung ihrer Dienste zusammenhängt.

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