Schizophrenie dank Großstadtstress

Studie: Wenn Großstädte krank machen

Großstädte

Die Idylle trügt. Großstädte wie New York können krank machen. (Bild: Donald Swartz – Fotolia)

Für den einen sind sie der blanke Horror, für den anderen der ersehnte Traum aus dem verschlafen Dorf zu kommen. Doch pulsierende Großstädte wie London, New York oder Berlin können mit ihrer Reizüberflutung auch krankmachen. Warum der Stadtmensch infolge des Stresses eher an einem psychischen Leiden erkrankt, ist nicht ganz klar. „Vermutlich ist es die Mischung aus sozialer Dichte und sozialer Isolierung, die den Stadtstress ausmacht“, sagt Mazda Adli, Leiter des Forschungsbereiches Affektive Störungen an der Berliner Charité und Chefarzt der Fliedner-Klinik.

Gesundheitsrisiko Stadt?

Schon seit langer Zeit beschäftigt sich Adli mit dem Großstadtleben und seinen psychischen Auswirkungen. Der Forscher erarbeitete dazu zwei Thesen: „Die eine lautet: Die Stadt verändert den Menschen. Die andere: Labile Menschen ziehen eher in die Stadt. Eine Reihe von Untersuchungen zeigt jedoch, dass eher ersteres gilt“. Laut Adli verändern Städte die „stressabhängige Emotionsverarbeitung“. Menschen, die in einer Großstadt leben, sind empfänglicher für negativen Stress. Hinzu kommt, dass die gefährliche Mischung aus Luftverschmutzung, Lärm und sozialer Isolation das Entstehen von psychischen Krankheiten begünstigen. Sollte der Mensch Großstädte also meiden?

Stadt und Land im Vergleich

Die Frage kann mit einem Nein beantwortet werden. Untersuchungen zeigen, dass die Herkunft einen entscheidenden Einfluss auf die Stressabwehr hat. Eine Studie aus dem Jahre 2011 von Florian Lederbogen und Kollegen zeigte, dass Menschen die auf dem Land oder in einer Kleinstadt aufgewachsen sind, eine geringere Gefahr haben an einer psychischen Erkrankung zu erkranken. Das Aufwachsen in der Stadt erhöht demnach die Stressanfälligkeit.

Je länger man also der Großstadt ausgesetzt ist, desto höher ist das Erkrankungsrisiko für Schizophrenie, so die Experten. Stadtmenschen leiden häufiger als die Landbevölkerung an Depressionen und haben ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko für Schizophrenie. Nach Adli gibt es sogar ein „Dosis-Wirkungsverhältnis: Je größer die Stadt, desto höher das Schizophrenie-Risiko. Damit ist dieser Faktor vergleichbar hoch wie Cannabis-Konsum, der ja ein bekannter Risikofaktor für Schizophrenie ist“. Suchterkrankungen kommen jedoch laut Adli in Stadt und Land gleich häufig vor.

Zukunftsplanung Stadt

Brunch im Park (Bild: Peter Atkins - Fotolia)

Parks in denen gegrillt und das Leben genossen werden darf, helfen beim Stressabbau. (Bild: Peter Atkins – Fotolia)

Adli glaubt, dass sich Stress erst negativ auf die Gesundheit auswirkt, wenn der einzelne Mensch sich nicht nur zugleich räumlich eingeengt und isoliert fühlt, sondern auch das Gefühl hat, seine Umgebung nicht mehr zu kontrollieren. Sein Kollege Prof. Andreas Heinz, Direktor der Charité-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, unterstützt diese These, indem er darauf hinweist, dass die Gentrifizierung der Stadt und Einsparungen an sozialen Kontaktpunkten nur negative Folgen für die Gesundheit haben kann. Die Forscher fordern deshalb, dass Architekten und Stadtplaner enger mit Psychiatern zusammenarbeiten, denn das bunte Großstadtleben muss nicht zwangsläufig nur Stress erzeugen.

So bleibt festzuhalten, dass das Stadtleben nicht zwangsläufig krankmacht. Es ist ein multifaktorielles Problem, bei dem genetische und Umwelt-Faktoren ebenfalls eine große Rolle spielen.

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