Emoticons bereits im Gehirn gespeichert

Emoticon: Gehirn erkennt in Smileys menschliche Gesichter

Emoticon

Das Emoticon wird vom Gehirn sofort erkannt. (Bild: IkamusumeFan – gemeinfrei/Wikipedia)

Missverständnis in Internetforen führt zum Gebrauch von Emoticons

Erstmals 1982 von Scott E. Fahlman, einem Wissenschaftler und späteren Professor für Informatik, zur kommunikativen Nutzung vorgeschlagen, sind Emoticons aus E-Mails, Facebook und SMS nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile gibt es für fast jeden Gemütszustand das passende, kreative Emoticon. Grund für Fahlmans ursprünglichen Vorschlag war ein Missverständnis im Internetforum der Canegie Mellon Universtität. Um dies zukünftig zu vermeiden, kam ihm die Idee, Ironie bzw. Witze mit dem lächelnden Emoticon :-) zu verzieren.

Gehirn liest Emoticon automatisch als menschliches Gesicht

Eine im Journal Social Neuroscience veröffentlichte Studie von Forschern der Flinders Universität beweist nun, dass der exzessive Gebrauch von Emoticons tatsächlich Spuren im menschlichen Gehirn hinterlassen hat. Das Gehirn hat in den letzten 30 Jahren gelernt, das Emoticon :-) problemlos und ohne Verzögerungen als lächelndes Gesicht zu verstehen.

Unter der Leitung von Owen Churches wurden bei 20 Menschen mittels funktioneller Kernspintomografie die Gehirnströme gemessen, während sie eine Abfolge der folgenden drei Dinge ansahen:

  • menschliche Gesichter
  • Emoticons
  • unbedeutende Zeichen

Beim Anblick von menschlichen Gesichtern weist das Gehirn ein hohes Maß an sogenannten N170-Wellen auf. Dieselben Ergebnisse löst auch das Emoticon :-) im Gehirn aus, während die Abfolge von unbedeutenden Zeichen keinerlei Reaktion in den betreffenden Arealen nach sich zieht. Auffällig ist außerdem, dass nur das gebräuchliche Emoticon, nicht jedoch umgedrehte Varianten – wie zum Beispiel (-: – die N170-Wellen hervorruft.

Angeborene Gesichtserkennung oder völlig neue Funktion

Für den Studienleiter Owen Churches ist das Ergebnis seiner Studie ein Beweis dafür, dass der Gebrauch von Emoticons das menschliche Gehirn verändert hat. Die Decodierung des Emoticons ist laut Churches eine „neurale Reaktion, die gänzlich durch die Kultur geschaffen wurde“.

Das würde bedeuten, dass das Gehirn keine angeborenen, neuralen Reaktionen auf Emoticons besitzt. Die Tatsache, dass nur das „richtige“ Emoticon :-) instinktiv erkannt wird, während die verdrehten Varianten nur mühsam bzw. auf den zweiten Blick als Gesichter identifiziert werden können, scheint Churches Recht zu geben.

Allerdings ist das menschliche Gehirn generell dazu fähig, Gesichter in Mustern oder schwachen Andeutungen zu erkennen. Diese angeborene Gesichtserkennung geschieht durch das visuelle System in den Schläfen- und Hinterhauptlappen des Gehirns. Die Reaktionen auf das Emoticon können also auch nur als ein Teil der bereits vorhandenen Funktionen des Gehirns verstanden werden.

Fakt ist jedoch, dass die häufige Nutzung des Emoticons :-) bereits jetzt dazu geführt hat, dass es in Sekundenbruchteilen als Gesicht erkannt wird. Es hat sich sprichwörtlich in unser Gehirn einprogrammiert.

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