Neues aus der Forschung

Die Macht der Töne: Schwangere reagieren anders auf Musik

Aktuelle Studie

Für die Studie am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften spielten Thomas Hans Fritz und Kollegen den Teilnehmerinnen kurze Musikstücke in unterschiedlichen Versionen vor (veröffentlicht in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift “Psychophysiology“). Sowohl schwangere als auch nicht schwangere Frauen bewerteten beide Musikversionen sehr ähnlich. Während die harmonische Originalversion als angenehm beurteilt wurde, empfanden Probandinnen die rückwärts laufenden oder veränderten Musikstücke als eher unangenehm.

Schwangere sind empfänglicher für Musik

Schwangere sind empfänglicher für Musik (Bild: Fotowerk – Fotolia)

Ergebnisse:

  • Harmonische Musik: Senkte den Blutdruck stark
  • Disharmonische Musik: Höherer Blutdruck nach zehn Sekunden
  • Disharmonische Musik: Niedrigerer Blutdruck nach 30 Sekunden

Entgegen der Annahme zeigen die Ergebnisse, dass unangenehme Musik doch nicht als Stressfaktor wahrgenommen wird. Je länger das disharmonische Musikstück gespielt wurde, umso ruhiger wurden die Teilnehmerinnen.

Der hormonelle Unterschied

Die Überraschung: Mit dem Vergleich der Blutdruckwerte stellte sich heraus, dass Schwangere wesentlich stärker auf die Musikveränderungen reagierten als Nichtschwangere. Mit diesem Unterschied hatten die Forscher nicht gerechnet. Denn frühere Studien wiesen darauf hin, dass schwangere Frauen eher unempfindlicher auf Reize reagieren.

Wirkung Östrogen:

  • aktivierend
  • leistungssteigernd
  • stimmungsaufhellend

Die Ursache für die stärkere Reaktion von schwangeren Frauen bleibt jedoch unbekannt. Wissenschaftler hatten ursprünglich den veränderten Hormonhaushalt während der Schwangerschaft im Visier. Vor allem die Erhöhung des Östrogenwertes sollte als Erklärung für das gute Gefühl beim Musikhören herangezogen werden. Allerdings wiesen Nichtschwangere die gleichen körperlichen Reaktionen auf.

Musik und ihre Wirkung

Musik wirkt sich nicht nur auf die Psyche des Menschen aus, sondern auch auf die Physis. Mit verändertem Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Körpertemperatur und Blutdruck reagiert der menschliche Körper auf unterschiedliche Töne. Schnell bis langsam, heiter bis traurig: Musik prägt das Gehirn von Geburt an und möglicherweise wirkt sich das auch schon im Mutterleib auf Embryonen aus. Das Forscherteam vermutet, dass bereits ab der 28. Schwangerschaftswoche eine veränderte Herzfrequenz bei musikhörenden Föten wahrgenommen werden kann. Ab dem achten Monat werden sogar Bewegungsmuster des ungeborenen Babys beobachtet.

Der Bauch hört auch

Musik in der Schwangerschaft

Musik ist nicht nur Balsam für die Seele (Bild: Roman Gorielov – Fotolia)

Nicht nur Musik wird vom Ungeborenen wahrgenommen, sondern auch Stimmen und zahlreiche Klänge von draußen. Wie viel ein Baby davon allerdings richtig hören kann, bleibt ein Rätsel. Bauch und Fruchtwasser dämpfen die Töne und auch im Mutterleib ist es sehr laut:

  • Herzschlag der Mutter
  • Pochen der Schlagader
  • Blut der Nabelschnur
  • Glucksen von Darm und Magen

Diese Geräusche betragen eine ungefähre Lautstärke von bis zu 80 Dezibel, etwa so viel wie ein Presslufthammer.

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