Wissenschaftliche Studie

Hurrikane mit weiblichen Namen fordern mehr Opfer

Fatale Vorurteile

Namen von Hurrikanen spielen eine wichtige Rolle

Hurrikane haben verheerende Folgen. (Bild:NASA/Goddard/MODIS Rapid Response Team)

In den vergangenen 60 Jahren forderten Wirbelstürme mit Frauennamen in den USA mehr Todesopfer als Wirbelstürme mit Männernamen. Zu diesem Ergebnis kommt das Forscherteam um Kiju Jung der Universitt Illinois.

Die Annahme, dass ein Hurrikan mit weiblichem Vornamen ungefährlicher ist, als ein Wirbelsturm mit Männernamen, beruht vermutlich auf Geschlechtervorurteilen, nach denen Frauen als weniger aggressiv gelten. Die Vorurteile, was typisch weibliche und typisch männliche Verhaltensweisen sind, beeinflussen demnach die Einschätzung, wie stark ein Sturm ist. Dabei hat der Name eines Hurrikans nichts damit zu tun, wie gefährlich er ist. In den USA bekommen Wirbelstürme abwechselnd weibliche und männliche Namen, die bereits vor der Sturm-Saison festgelegt werden.

Zusammenhang zwischen Opferzahl und Namen

Die Wissenschaftler von der Univeristät Illinois untersuchten in ihrer Studie insgesamt 92 Wirbelstürme und den Zusammenhang zwischen dem Namen und der Zahl der Todesopfer. Dabei fanden sie heraus, dass Hurrikane mit einem weiblichen Namen mehr Opfer forderten als Wirbelstürme mit männlichen. Um Gründe für diesen Zusammenhang herauszufinden, führten die Wissenschenschaftler eine Reihe von Experimenten durch.

In einem der Experimente sollten die Probanden anhand von Namen hypothetischer Wirbelstürme Aussagen über die Intensität des jeweiligen Hurrikans machen. Auf einer Skala von eins bis sieben, wobei eins harmlos und sieben sehr stark bedeutete, bewerteten die Teilnehmer weibliche Hurrikane mit 4,2 und männliche mit 4,4. In einem weiteren Experiment wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt, die jeweils die gleiche Wetterkarte mit einem fiktiven Hurrikan erhielten.

  • In der einen Gruppe hatte der Wirbelsturm einen männlichen Namen, in der anderen Gruppe einen weiblichen. Die Probanden sollten entscheiden, ob sie ihr Zuhause verlassen würden.
  • Im Ergebnis war die Gruppe mit dem männlichen Hurrikan eher dazu bereit zu evakuieren, als die Gruppe mit dem weiblich benannten.

Namensgebung ändern für mehr Sicherheit

In Folgen dieser Fehleinschätzung sind Menschen bei „weiblichen“ Wirbelstürmen weniger bereit, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und Evakuierungsempfehlungen wahrzunehmen als bei Hurrikanen mit männlichen Vornamen, was eine Erklärung für die höheren Opferzahlen sein kann.

Die Wissenschaftler raten deswegen, das System der Namensgebung zu ändern. Nach ihrer Einschätzung könnte man die Zahl der Todesopfer um ein Drittel verringern, wenn man allen Hurrikanen einen männlichen Namen geben würde. Die geschlechtsspezifischen Vorurteile seien mitunter so hartnäckig, dass sie beim Katastrophenschutz berücksichtigt werden sollten, da sie sich auf die Handlungen von Menschen auswirken.

Allerdings werden mit Vornamen auch andere Gedanken und Gefühle verknüpft, die sich ebenfalls auf unser Urteil und unsere Handlungen auswirken können, sodass das Experiment von Kiju Jung nur begrenzt Aussagekraft hat.

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