A.I. Eugene Boostman täuscht Menschen

Künstliche Intelligenz: Erster Bot besteht Turing-Test

33 Prozent der Befragten hielten Eugene für echt

Ein 13-jähriger kleiner Junge unterhält sich je fünf Minuten lang mit fremden Erwachsenen. Er plaudert entspannt über seine Heimat und die Leidenschaft für Musik von Eminem. Eugene Boostman ist sogar so frech, sein Gegenüber darauf hinzuweisen, dass er einen Schreibkurs machen sollte, um seine Grammatik zu verbessern. Wer jetzt denkt, dass es sich dabei um einen typischen aufsässigen Teenager handelt, ist ebenfalls in die Falle getappt.

Eugene Boostman besteht als erster Bot den Turning-Test

Im Turning-Test beweist der Bot Eugene Boostman seine täuschend menschenähnliche Intelligenz. (Bild: Andrea Danti / Fotolia)

Neben Eugene traten am 7. Juni 2014 noch vier andere Bots an, um den berüchtigten Turing-Test zu bestehen. Dabei führte die 30-köpfige Jury verschiedene Einzelgespräche – entweder mit einem echten Menschen oder einer der Maschinen – und musste anschließend darüber entscheiden, wann es ein Mensch und wann ein Bot war. Bei Eugene dachten 10 Juroren, er wäre echt. Er knackte damit als Einziger die von Alan Turing festgelegte 30-Prozent-Marke.

Alan Turings Vorhersagung trifft 14 Jahre zu spät ein

Bei seinem ersten Versuch 2012 scheiterte der von Vladimir Veselov und Eugene Demchenko programmierte Bot nur knapp an den vorgeschriebenen 30 Prozent. Jetzt gilt sein Bestehen als ein Meilenstein in der Geschichte. Allerdings werden nach und nach Gegenstimmen laut, die den Erfolg von Eugene anzweifeln. Zu ihren Kritikpunkten gehören zum Beispiel:

  • Das Alter und die nicht englischsprachige Herkunft hätten die Testbedingungen zugunsten Eugenes verändert, da Ungereimtheiten in der Unterhaltung eher toleriert wurden.
  • Die Testform sei zu ungenau, um als Beweis für tatsächliche Intelligenz zu dienen.
  • Schon anderen Programmen wäre es gelungen, über kurze Zeit menschlich zu wirken.
  • Schwachstellen wurden durch Eugenes vermeintlichen Sarkasmus verdeckt, zum Beispiel „Weil zwei plus zwei fünf ist“ als Antwort auf „Warum tauchen Vögel plötzlich auf?“
Nachfolger von Eugene Boostman könnte von Cyberkriminellen missbraucht werden

Mit dem Bestehen des Turning-Tests bringt Eugene Boostman nicht nur Erfolge, sondern auch Gefahren mit sich. (Bild: Sergej Khackimullin / Fotolia)

Als der Mathematiker und Computertechniker Alan Turing 1950 den Turing-Test entwirft, ist er der Meinung, dass Maschinen spätestens in 50 Jahren dazu in der Lage wären, ihn zu bestehen. Dabei erwartete er nicht zwangsläufig, dass Programme ein tatsächliches Bewusstsein entwickeln können, sondern nur, dass sie dieses täuschend echt imitieren. Dennoch ging Turings Vision auf lange Sicht von Maschinen als intelligente, denkende Assistenten aus – eine Anforderung der Eugene nicht gerecht wird.

Die Gefahr hinter Eugene und potenziellen Nachfolgern

Die Durchführung des Tests in der legendären Royal Society in London zelebrierte gleichzeitig den 60. Todestag von Alan Turing. Verantwortlich für die Realisierung war Kevin Warwick, Gastprofessor an der University of Reading. Neben der Begeisterung über das Testergebnis zeigt Warwick deutliche Bedenken, dass Eugenes Erfolg neue Risiken mit sich bringt: „Ein Computer, der Menschen vorspielt, er sei auch ein Mensch, sollte auch auf dem Gebiet der Cyberkriminalität ein Weckruf sein.“

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