Isegrim kehrt zurück

Der Wolf in Thüringen: Die Wahrheit über das Tier

Falscher Alarm im Voraus

Zahlreiche Fotos aufmerksamer Bürger erreichten in der vergangenen Zeit die Wolfsexperten der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), um endlich den Beweis zu liefern, dass auch in Thüringen wieder Wölfe leben. Allerdings zeigten die Schnappschüsse lediglich Schäferhunde oder Huskys, manchmal auch Wolfshunde, die ihren Namenskollegen sehr ähnlich sehen. Darüber hinaus ließ der Fund von Tierkadavern, die aussahen, als wären sie von einem Wolf gerissen worden, die Gerüchteküche über eine Rückkehr der Tiere brodeln.

Wolf

Große Freude: Der Wolf ist zurück in Thüringen. (Bild: Malene Thyssen/Wikipedia unter unter CC BY-SA 3.0))

Thüringen bei Wölfen bisher unbeliebt

Der Wolf kehrt zurück

  • Wölfe wurden im Mittelalter verteufelt und gejagt.
  • Um 1850 galt Deutschland als wolfsfrei.
  • 2000 kam ein erstes Wolfspaar zurück.
  • Die Tiere sollen als Teil des Ökosystems integriert werden.
  • Ihre Rückkehr ist ein großer Erfolg für den Artenschutz.

Thüringen wäre mit einem Wolf-Managementplan und Rissexperten auf die Ankunft des Raubtiers gut vorbereitet. Die weiten Wälder Thüringens, Ruhezonen für die Aufzucht der Welpen und ausreichend Wild scheinen den Wolf aber bisher nicht angelockt zu haben, obwohl sich laut einer Studie 82 Prozent der Thüringer über seine Rückkehr freuen würden. Nach Angaben der Fachleute wäre so viel potenzielle Nahrung vorhanden, dass einem Wolf ein 17 mal 17 Kilometer großes Revier zur Verfügung stehen könnte. Das ist immerhin die Strecke von Weimar nach Erfurt. Eine Umfrage der Umweltorganisation WWF ergab außerdem, dass Thüringen 18 Prozent vor dem Wolf-Beliebtheitswert von 64 Prozent in Ostdeutschland und zehn Prozent vor jenem im Westen mit 72 Prozent liegt.

Zum Vergleich:

  • In Sachsen und Brandenburg gibt es mit 16 Rudeln die größte Wolfspopulation in Deutschland.
  • In Sachsen-Anhalt wandern immer mehr Wölfe zu – dort sind die Tiere deutschlandweit jedoch am unbeliebtesten.
  • In Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Bayern sind Einzeltiere vermerkt.

Willkommener Rückkehrer

Ein Exemplar scheint die Vorzüge des grünen Bundeslandes nun jedoch für sich entdeckt zu haben: Mit einer professionellen Spiegelreflexkamera gelang einem Mitarbeiter der Landesarbeitsgruppe Wolf des NABU Thüringen auf der Suche nach seltenen Orchideen der lang ersehnte Schnappschuss. Ob es sich um dasselbe Tier handelt, das im vergangenen Jahr bei Jena gesichtet wurde, ist noch unklar.

  • Gesichtet wurde das Tier am Rande eines Truppenübungsplatzes bei Ohrdruf.
  • Experten bestätigen anhand der Aufnahmen, dass es sich dieses Mal wirklich um einen Wolf handelt, der rund ein Jahr alt ist. Der Truppenübungsplatz ähnelt in seiner Beschaffenheit einem Wolfsgebiet in der Lausitz und wäre damit ein idealer Rudelplatz.
  • Kotuntersuchungen sollen nun Aufschluss darüber geben, woher das Jungtier kommt.

„Wir freuen uns sehr über diesen neuen Nachweis. Er zeigt, dass Thüringen für Wölfe durchaus attraktiv ist. Jetzt geht es darum, die formulierten Ziele des Wolfsmanagementplanes für Thüringen umzusetzen und endlich eine Richtlinie zu erstellen, welche die Förderung der Präventionsmaßnahmen und Entschädigung von Nutztierhaltern regelt“, so Mike Jessat, Vorsitzender des NABU Thüringen.

Was tun, wenn man einem Wolf begegnet?

Daran erkennt man einen Wolf:

  • schräge Augen
  • leicht abgerundete, dreieckige Ohren
  • lange Schnauze
  • helles Fell mit dunklem Rücken
  • Rutenlänge: 30 bis 50 Zentimeter
  • Kopf-Rumpf-Länge: 100 bis 150 Zentimeter
  • Schulterhöhe: 60 bis 90 Zentimeter

Der Mensch zählt nicht zur natürlichen Beute eines Wolfes. Viele fürchten sich dennoch vor dem grauen Pelz. Wölfe sind von Natur aus jedoch eher scheu und meiden Menschen. Einem Wolf zu begegnen ist also ein großes Glück. Im Allgemeinen ist eine Begegnung ungefährlich, es sei denn, der Wolf ist von Tollwut befallen. Dann gilt:

  • ruhig bleiben
  • Abstand halten
  • langsam zurückziehen
  • laut rufen oder in die Hände klatschen, um das Tier zu verscheuchen
  • Sichtung melden

Umfangreiche Herdenschutzmaßnahmen sollen nun das Thüringer Weidetier vor dem neuen Mitbewohner schützen.

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