Soziales Reisen im Internet

Social Travelling: Für wenig Geld die Welt entdecken

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Mit etwas Glück kann man im Internet Schlafplätze wie dieses Hausboot in Kalifornien ergattern. (Bild: Daniel Hartwig/flickr unter CC BY 2.0)

Schon um die Jahrtausendwende gründete Kühne seinen Online-Gastgeberdienst Hospitality Club. Nach zehn Jahren war die Community auf 615.000 Mitglieder angewachsen und Kühne weit herum gekommen. Der Leipziger Volkszeitung berichtet er:

„Da schläft man vielleicht mal bei einer Familie in einer riesengroßen südamerikanischen Villa in Argentinien. Oder in Italien bei einem Mann mittleren Alters, der zusammen mit seiner Mutter wohnt und abends, wenn er nach Hause kommt, Pasta für alle kocht. Oder in einer kleinen Wohnung in Rumänien, in irgendeinem Neubaublock.“

Viel exklusiver und extravaganter ist das Angebot bei den größten, weltweit operierenden Social Travelling-Anbietern. Bei AirBnb beispielsweise stellen Mitglieder Leuchttürme, Baumhäuser oder Hausboote zur Verfügung.

TV-Studio für einen Dollar

Sogar Stars wie der amerikanische Showmaster Conan O’Brian machen mit. Dieser bot zeitweilig sein gesamtes TV-Studio als Übernachtungsmöglichkeit an. Für einen US-Dollar.

Social Travelling-Portale

  • Couchsurfing: nach einer Registrierung und Verifizierung der Identität, Zugriff auf kostenlose Übernachtungsplätze weltweit
  • AirBnB: mitgliederstärkste Plattform mit vielfältigen, allerdings kostenpflichtigen Übernachtungsmöglichkeiten
  • BeWelcome: mitgliedergetragenes Open-Source-Projekt, bei dem das Hauptaugenmerk auf Gastlichkeit und privatem Austausch liegt
  • 9flats: funktioniert wie AirBnB, verfügt allerdings über andere Übernachtungsangebote

Solche Späße bilden jedoch die Ausnahme. Für die meisten Anbieter geht es um das Geschäft und somit mehr um das Vermieten bzw. Vermitteln von Ferienwohnungen als um die Pflege oder den Aufbau sozialer Kontakte.

Fehlender Zusammenhalt

So wird vom Portal Couchsurfing berichtet, dass der „Spirit“, der noch vor einigen Jahren für Gemeinschaftlichkeit und Zusammenhalt sorgte, mit einsetzender Kommerzialisierung des Produktes abhanden gekommen ist. Das „Soziale“ am Travelling rückt bei den weltumspannenden Portalen also zunehmend in den Hintergrund. Wer online allerdings nur nach einer kostengünstigen Schlafplatz-Alternative sucht und die Fremde lieber auf eigenen Füßen erkundet, wird sich daran nicht stören.

Gastfreundschaft ist international

Bei Veit Kühnes Hospitality Club hingegen soll es auch 15 Jahre nach der Gründung vornehmlich freundlich und menschlich zugehen, das Private steht im Vordergrund. Der gebürtige Leipziger wirkt mit seinem alternativ-mondänen Club fast wie ein Fremdkörper im durchorganisierten Social Travelling-Universum. Denn er ist fest überzeugt ein zukunftsträchtiges und vor allem humanitäres Netzwerk geschaffen zu haben:

„Wir haben eine relativ geringe Quote von Mitgliedern, die ausscheiden. Ich rechne fest damit, dass die jetzigen Studenten in fünf oder zehn Jahren zu großzügigen Gastgebern werden, wenn sie in der Arbeitswelt angekommen sind. Denn wer einmal Gastfreundschaft erfahren hat, der will auch zurückgeben.“

Kühne ist ein Träumer. Aber wenigstens einer der anpackt. Und Bjorn Troch, der Social Traveller, ist einer der bekanntesten Nutznießer von Visionären wie Kühne.

Individuell im Netzwerk

Troch hat das soziale Reisen individualisiert. Er bereist nur Orte, die ihm vorher persönlich im Internet empfohlen wurden, dokumentiert sämtliche Reiseschritte und verfügt über ein riesiges privates Netzwerk. Insgesamt über 50.000 Follower verfolgen den belgischen Weltenbummler bei seinen Abenteuern, und erfahren so wie er in Malaysia mit Waisenkindern Tandem fährt oder bei Rockstars Gitarrenunterricht nimmt.

Menschen wie der Netzwerker Kühne und Einzelkämpfer Troch finden immer mehr Nachahmer. Ihnen bietet die travlrapp ein passendes Zuhause. Unter dem Motto „Wohin zur Hölle gehst du?“ können Globetrotter dort alle ihre Schritte für die Daheimgebliebenen dokumentieren und unterwegs Gleichgesinnte finden.

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