Nach 113 Spielen

Rücktritt als Weltmeister: Philipp Lahm beendet DFB-Karriere

Es wirkt wie ein Rückblick in eine weit entfernte Zeit. Als Philipp Lahm das erste seiner insgesamt 113 Länderspiele bestritt, verteidigte Christian Wörns vor Oliver Kahn und Paul Freier war der kreative Feingeist im deutschen Mittelfeld. Mit Dietmar Hamann, Jens Nowotny und Frank Baumann standen weitere Fußballer auf dem Platz, die heute in die Kategorie „Brecher“ eingeordnet werden würden. Das war am 18. Juli 2004 und Deutschland bestritt ein unbedeutendes Testspiel gegen Kroatien. Zehn Jahre später sieht das Bild anders aus.

Kapitän DFB

Nach dem WM-Titel ist Schluss! Philipp Lahm beendet DFB-Karriere. (Bild: Steindy/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Die Evolution des Sports

Aus der Kampftruppe früherer Zeiten wurde eine Mannschaft voller Spielfreude und Fußballkultur. Passstafetten sind wichtiger als lange Bälle und der Gegner wird dominiert. An dem Wandel hat Philipp Lahm keinen geringen Anteil. Unter insgesamt drei verschiedenen Bundestrainern verteidigte Lahm seinen Platz und wurde 2010 zum Kapitän einer Mannschaft, die vor Talenten nur so strotzte. An der Seite des Bayern-Kapitäns etablierten sich Schweinsteiger, Mertesacker oder Podolski zu internationalen Größen. Die deutsche Mannschaft zelebrierte technisch anspruchsvollen Sport und wurde weltweit für eine Generation voller Spitzenspieler beneidet. Doch ein Makel haftete an Lahm und seiner Mannschaft: Titel gewann sie nie.

Bis zum denkwürdigen 13. Juli 2014 war die Ausgangslage für die Deutsche Nationalmannschaft klar. Bis ins Finale oder Halbfinale durfte das Team kommen, danach musste sie sich dem späteren Sieger geschlagen geben. So war es 2002, 2006, 2008 und 2010. Fast schon wirkte es wie ein Komplex, der sich immer stärker manifestierte. Die Zweifel innerhalb der Fanbasis wuchsen stetig weiter: Die Goldene Generation mit den vielleicht besten Spielern aller Zeiten bleibt titellos. Doch Philipp Lahm konnte das als Kapitän nicht auf sich sitzen lassen. Und so ging er vor der WM 2014 als Anführer voran und demonstrierte der Fußballwelt, dass Deutschland Brasilien nicht ohne den WM-Pokal verlässt. Er kämpfte, grätschte und stellte sich in den Dienst der Mannschaft – und wurde am Ende mit der Weltmeisterschaft belohnt.

Philipp Lahm Weltmeister

Philipp Lahm führte seine Generation zum Weltmeistertitel 2014. (Bild: Agência Brasil/Wikipedia unter CC BY 3.0 BR)

Kleiner Mann, große Fußstapfen

Nun tritt der Kapitän der Weltmeister-Truppe ab. Nach 113 Spielen, nach Toren, von denen das 1:0 gegen Costa Rica 2006 das wohl erinnerungswürdigste war. Von der linken Seite lief Lahm im Eröffnungsspiel der Heim-WM an und streichelte den Ball in den rechten Torwinkel. Lahm tritt mit dem größten Erfolg seiner Karriere ab. Dabei schritt er während der gesamten Zeit als Vollprofi, Medienkommunikator und rechte Hand des Trainers voran. Er sprach Missstände an, stellte sich immer vor seine Mannschaft und galt als Musterprofi; beliebt bei Mitspielern und Trainern. Deutschland verliert einen großen Anführer. Die Fußstapfen, die der nur 170 Zentimeter große Lahm hinterlässt, sind riesig und können von einer Person allein nicht ausgefüllt werden. Doch der ehemalige Kapitän weiß, dass seiner Mannschaft goldene Zeiten bevorstehen.

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