Erfolg für Schmerzpatienten

Legalisierung für Cannabis-Anbau: Chronischkranke atmen auf

Legalisierung von Cannabis

Cannabis-Plantagen befinden sich beispielsweise in Pakistan. (Bild: Khalid Mahmood/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Bisherige Regelung: Zu teuer für schwerkranke Patienten

In Deutschland zählt der Wirkungsstoff der Cannabispflanze Tetrahydrocannabinol (THC) zu den nicht verkehrsfähigen Stoffen und ist ebenso verboten wie der Handel von Kokain oder anderen chemischen Drogen. Sowohl der Erwerb, Besitz als auch der Anbau von Cannabis verletzt das Betäubungsmittelgesetz und ist in Deutschland eine Straftat. Entgegen der Annahme, dass der Konsum von Marihuana verboten ist, gilt das Konsumieren von Betäubungsmitteln in Deutschland als straffreie Selbstschädigung und führt nicht zu einer Strafverfolgung.

Bereits im Jahr 2009 gab es die ersten Ausnahmeregelungen für die medizinische Nutzung von Cannabis, welche schließlich im Mai 2011 im Betäubungsmittelgesetz geändert wurden. Seitdem ist die Zubereitung von cannabishaltigen Arzneimitteln für Apotheker erlaubt und kann mit einem Rezept erworben werden. Allerdings sind die Preise für Cannabisprodukte immens und nicht jeder Kranke kann sich die teuren Cannabisblüten leisten.

Meilenstein: Die Drogenpolitik verändert sich

Sowohl Chronischkranke als auch schwerkranke Personen reichten in den letzten Jahren immer häufiger Klagen ein. Ihr Ziel war es, den Anbau von Cannabis zu legalisieren. Das Verwaltungsgericht in Köln entschied am 22. Juli 2014, dass Schmerzkranke für ihren Eigenbedarf Cannabis als Schmerztherapie anbauen dürfen – doch dies unterliegt vielen bürokratischen Auflagen.

Voraussetzungen für Anbau-Genehmigung

Trotz der Urteile bleibt der Eigenanbau von Cannabis verboten und kann nur unter mehreren Bedingungen erlaubt werden. In diesem Zusammenhang sprach der Vorsitzende Richter Andreas Fleischfresser von einer „Notlösung“ für Schmerzpatienten.

Damit dem Eigenanbau von Cannabis stattgegeben werden kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Anbau zum therapeutischen Zweck
  • Schmerzpatienten, die austherapiert sind
  • wenn es keine Behandlungsalternative zu Cannabis gibt

Dennoch muss das Urteil im Einzelteil geprüft werden. Vor allem soll vor der Genehmigung sichergestellt werden, dass der Anbau in der eigenen Wohnung nur dem Eigenbedarf gilt und Dritte nicht darauf zugreifen können. Eine Cannabis-Anbaugenehmigung kann jedoch nur das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilen.

Wirkungsweise von Cannabis

Cannbis hilft vor allem schwerkranken Menschen, die an folgenden Krankheiten oder Symptomen leiden:

  • Krebs
  • Rheuma
  • chronischen Schmerzen
  • grünem Star
  • ADHS
  • Tourette-Syndrom
  • spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose

Der Konsum von Cannabis wirkt nicht nur schmerzlindernd und entzündungshemmend sondern auch entkrampfend. Während viele chemischen Medikamente Aggressivität hervorrufen oder schwerwiegende Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweisen, dämpft Cannabis die Symptome einiger Krankheiten und verbessert die Lebensumstände.

Aktuelle Zahlen und Fakten

Aktuell verfügen rund 200 Patienten über eine Ausnahmeerlaubnis für den Erwerb von Cannabis. Patienten mit dieser Genehmigung bezahlen für die Cannabisblüten monatlich etwa 300 bis 1.000 Euro – je nach Bedarf und Dosierung, wobei die Krankenkassen keinerlei Kosten übernehmen. Aufgrund der hohen Preise nehmen Kritiker an, dass sich viele Patienten gezwungen sehen, Marihuana auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Schätzungsweise wird davon ausgegangen, dass knapp 4.000 Patienten in Cannabisbehandlung sind. Sowohl Cannabisextrakten, -blüten oder einzelnen Cannabinoiden werden als Behandlungsmittel verwendet.

Nachteile der Anbau-Genehmigung im Überblick

  • keine Kontrolle über Menge des Anbaus
  • keine Kontrolle über Qualität: Gefährliche Nebenwirkungen können die Folge sein
  • Patienten können nicht so viel anbauen, wie sie benötigen
  • Zusätzliche Anschaffung eines Wehrschutzschrankes pro Pflanze, der gegen Diebstahl schützt
  • Gewerblicher Anbau von Cannabis unterliegt strengen Vorgaben

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