Facebook verschenkt Internet

Facebook bringt Gratis-Internet nach Sambia

So sieht die App in der Praxis aus: Internet.org garantiert Sambiern kostenlosen Zugang zum Web. (Bild: © Screenshot newsroom.fb.com 04.08.2014)

So sieht die App in der Praxis aus: Internet.org garantiert Sambia kostenlosen Zugang zum Web. (Bild: © Screenshot newsroom.fb.com 04.08.2014)

Wer steckt hinter der App

Eine Milliarde Nutzer hat Facebook bereits. Noch lange kein Grund, um die Expansion zu verlangsamen. Im Gegenteil: mit Internet.org verfolgt CEO Mark Zuckerberg große Pläne. Darauf wies der Facebook-Chef bereits im August 2013, zur Gründung des Konsortiums hin. Bei „venturebeat.com“ gab er zu Protokoll:

„Seit neun Jahren lautet unsere Mission, die Welt zu verbinden. Die erste Milliarde ist geschafft. Aber um die nächsten fünf Milliarden anzuschließen, müssen wir ein viel größeres Problem lösen: eine große Zahl der Menschheit hat keinen Zugang zum Internet.“

Statistiken zu Folge hätten 85% der Weltbevölkerung die Möglichkeit, über Mobilfunk ins Internet zu kommen. Wegen technischer und finanzieller Hürden sind allerdings erst 30% angeschlossen. Nicht jeder hat ein Handy, nicht jeder das Geld für den passenden Vertrag.

An diesem Punkt setzen Zuckerbergs Pläne an, die noch sehr „grob“ sind, wie er selbst sagt. Die Sambia-Offensive von Internet.org – Facebook und die sechs Mobilfunkhersteller Samsung, Ericsson, Nokia, MediaTek, Opera und Qualcomm – ist nun der erste Schritt in Richtung globaler Konnektivität.

Sambia: Arm, aber reich an Kupfer

Der Entwicklungsstand der Bevölkerung Sambias liegt, dem Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen zufolge, im afrikanischen Durchschnitt. Der HDI kombiniert Faktoren wie Lebenserwartung, Schulbildung, Ernährung und Hygiene sowie Einkommen und macht die humanitären Entwicklungen von 187 Länder vergleichbar. Sambia liegt auf dem 163. Rang, direkt hinter Uganda.

Sambia ist einer der ärmsten Länder der Welt. Knapp 80% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Weitere 14% im industriellen Sektor, der vor allem durch den Bergbau geprägt ist. Im Nordwesten Sambias liegt das größte Kupfervorkommen Afrikas. Kupfer ist die Hauptquelle des Bruttoinlandsproduktes und der Staatseinnahmen.

Zudem ist Kupfer das Hauptexportprodukt Sambias, das damit stark vom globalen Markt und den großen Mobilfunkherstellern abhängig ist . Denn das weiche Metall steckt in jedem Handy. Die Facebook-Intervention in Sambia macht von staatlicher Seite Sinn, um Abnehmer zu binden, Preise zu stabilisieren und Planbarkeit zu erreichen. Und Facebook und seine Mobilfunk-Partner sichern sich nebenbei den Primärzugriff auf die wichtige Ressource.

Kostenlose Dienste über Internet.org

  • AccuWeather
  • Airtel
  • eZeLibrary
  • Facebook
  • Facts for Life
  • Google Search
  • Go Zambia Jobs
  • Kokoliko
  • MAMA (Mobile Alliance for Maternal Action)
  • Messenger
  • Wikipedia
  • WRAPP (Women’s Rights App)
  • Zambia uReport

Facebook: Entwicklungshelfer oder Wirtschaftsunternehmen?

Afrika ist, vor allem im subsaharischen Bereich, für die Tech-Industrie ökonomisches Brachland. Die Marktpotentiale sind riesig. Die Veröffentlichung der App ist daher ein wichtiges Ereignis für die Bevölkerung; aber wohl noch mehr für Facebook selbst.

App als Bildungseinrichtung

Laut jährlichem Geschäftsbericht von Airtel beliefert das Unternehmen insgesamt 3,1 Millionen Sambier. Etwa jeder vierte Einwohner ist also direkter Nutznießer von Facebooks Vorstoß. Sie haben nun, mittels der Internet.org-App, Zugriff auf 13 Anwendungen, die vor allem in den Bereichen Information und Bildung anzusiedeln sind.

Entwicklungshelfer Facebook

Das Internet in weniger entwickelten Gegenden der Welt verfügbar zu machen, steht bei den großen Unternehmen schon länger auf der Agenda. Dass auch Facebook daran arbeitet, zeigte zuletzt die Übernahme des Drohnen-Herstellers Titan Aerospace. Einige werden behaupten, dass es Facebook lediglich um die eigene Expansion geht. Darum mehr Nutzer in sein Netzwerk zu ziehen. Und in der Tat, mit der kostenlosen Internet.org-App wird Facebook Millionen neuer Profile auflesen. Aber im Kern ist das Vorhaben durch und durch altruistisch. Denn sollte das Sambia-Beispiel Schule machen, könnte sich Facebook zu einem bedeutenden Internet-Entwicklungshelfer mausern. Vorausgesetzt Konkurrenzprojekte, wie Googles Loon, haben weniger Erfolg.

Optionen

Drucken Drucken Schriftgröße Schrift vergrößern Schrift verkleinern Schriftgröße zurücksetzen
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...

Kommentar abgeben