Meilenstein der Weltraumforschung

Rosetta erreicht Tschuri: Raumfahrzeug landet auf Kometen

Raumsonde Rosetta

Diese Grafik zeigt, wie sich ESA-Mitarbeiter die Landung der Raumsonde „Rosetta“ vorstellen. (Bild: Huart – ESA)

Mission „Rosetta“

Noch nie ist einem Kometen ein Raumfahrzeug so nahegekommen wie die Sonde „Rosetta“ dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerasimenko“, kurz Tschuri. Mehr als 6 Milliarden Kilometern legte sie hinter sich, um der ESA (Europäische Weltraumorganisation) Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems zu liefern. Seit dem Start am 2. März 2004 umkreiste die Raumsonde fünfmal die Sonne, dreimal die Erde und einmal den Mars. Als die Raumsonde dann gestern endlich die Umlaufbahn des Kometen erreichte, sagte der ESA-Flugdirektor Andrea Accomazzo in Darmstadt: „Wir sind beim Kometen.“

Tschuri-Details im Überblick

  • am 11. September 1969 entdeckt
  • entdeckt von K. I. Tschurjumow und S. Gerasimenko
  • 6,56 Jahre Umlaufzeit
  • 1,289 AE (AE = mittlere Entfernung im Sonnensystem zwischen Sonne und Erde, 1 AE sind 149.597.870 Kilometer)

Auch Mitarbeiter von Airbus Defence and Space hielten die Anspannung kaum aus. „Wir haben für alle Mitarbeiter Übertragungen organisiert“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. „Alle sind happy, dass alles so erfolgreich gelaufen ist.“ Bis Oktober 2014 soll die Raumsonde um den Kometen fliegen, um einen passenden Landeplatz zu finden. Auf dem Weg zur Landung muss medizinballgroßen Staubkörnern und Gaswolken ausgewichen werden. Bei einem Zusammenstoß droht die Mission zu scheitern.

Landung: Gefährliches Unterfangen

Am 11. November 2014 beginnt dann der schwierigste Part der Mission. Weder Struktur noch die Beschaffung des Kometen sind bekannt. „Wir träumen von einem flachen Terrain als Landeplatz“, sagte Hermann Böhnhardt, Leitender Wissenschaftler der Landesmission. Neben gefährlichen Gletscherspalten und meterhohen Eiszapfen können auch Risse in der Oberfläche die Landung von „Rosetta“ erschweren. Der Lander der Raumsonde „Philae“ braucht hingegen eine Fläche von knapp drei Metern Durchmesser, um halbwegs gut zu landen. „Ob die Oberfläche weich oder hart ist, wird sich aus den Kamerabildern des Orbiters leider nicht ableiten lassen.“, erklärte Böhnhardt.

Eins steht allerdings fest: Mit der Landung auf „Tschuri“ wird Weltraumgeschichte geschrieben. Zwar wurden schon Versuche von der NASA und dem japanischen Unternehmen JAXA unternommen, allerdings ohne Erfolg. „Rosetta“ wird demzufolge das erste Raumfahrzeug sein, das auf einen Kometen landet.

Das Geheimnis der Kometen

Es wird vermutet, dass die kleinen Himmelskörper die ältesten Überreste sind, aus denen einstmals das Sonnensystem entstand. Bestehend aus Eis und Staub können Kometen einen Durchmesser von bis zu 100 Kilometern haben, der bei jedem Sonnenwind an Masse verliert. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Kometen wird auf etwa 100 Sonnenumläufe geschätzt, bevor er zerfällt.

Bereits in der Antike wurden Kometen gesehen und als Zeichen der Götter verstanden. Mit Beginn des wissenschaftlichen Fortschritts wurden die geheimnisvollen Himmelszeichen als Kometen bezeichnet, die Edmond Halley 1692 als periodische Himmelskörper nachwies. Aktuell werden zwischen 20 bis 30 Kometen pro Jahr gefunden, die den Namen des Entdeckers erhalten. Bei Doppelnamen wie „Hale-Bopp“ oder „67P/Tschurjumow-Gerasimenko“, trafen zwei Meldungen einer Neuentdeckung gleichzeitig ein.

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