Gender-Forschung in der Zahnmedizin

Forscher decken auf: Frauen haben schlechtere Zähne

Gebiss

Obwohl Männer nachlässiger mit der Mundhygiene umgehen, haben Frauen schlechtere Zähne – vor allem in den Wechseljahren. (Bild: Michael Tieck – Fotolia)

Geschlechterunterschied bei Zahnerkrankungen

Die Zahnärztin Christiane Gleissner untersuchte 48 internationale Studien aus 30 Jahren Forschung und kam zu einem interessanten Ergebnis: „Bereits Frauen in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen haben im Durchschnitt weniger Zähne als Männer“, so die Präsidentin der 2011 gegründeten Deutschen Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGGZ). Die bislang vernachlässigten Erkenntnisse im Bereich der Gender-Medizin finden nun erstmalig öffentliches Gehör.

Gleissner dokumentierte in ihrer Auswertung deutliche Geschlechterunterschiede bei Zähnen, die sowohl alle Altersklassen und Lebensphasen betreffen (veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Bundesgesundheitsblatt“). Während Männer häufiger an entzündlichen Zahnfleischerkrankungen leiden aufgrund ihrer nachlässigen Mundhygiene und Zahnarztbesuche, haben deutsche Frauen im Durchschnitt weniger Zähne als Männer. Bereits junge Frauen um die 20 Jahre besitzen gegenüber gleichaltrigen Männern schlechtere Zähne. Die Unterschiede konnten auch in anderen europäischen Ländern, in den USA und den Entwicklungsländern beobachtet werden.

Anzahl bleibender Zähne:

  • 8 Schneidezähne
  • 4 Eckzähne
  • 8 Backenzähne
  • 8 hintere Backenzähne
  • 4 Weisheitszähne

Forscher erklären, dass bereits im Kindesalter die Probleme sichtbar werden. Während Jungen und Mädchen im Kleinkindalter gleich häufig unter Karies leiden, verändert sich dies im Lauf der Pubertät schlagartig. Schon 15-jährige Mädchen haben deutlich häufiger Zahnprobleme als Jungen. Auch im Erwachsenenalter setzt sich diese Entwicklung fort. Dabei bleibt es längst nicht mehr nur beim Bohren, sondern härtere Maßnahmen müssen getroffen werden. Frauenzähne müssen demnach häufiger gezogen werden als männliche Zähne: „65- bis 74-jährige Frauen sind deutlich öfter zahnlos als Männer“, erklärt die Zahnärztin. Während bei Männern in diesem Alter durchschnittlich 13,3 Zähne fehlen, sind es bei Frauen knapp zwei Zähne mehr.

Hormone sind schuld

schwangere Frau

Hormonelle Schwankungen führen in der Schwangerschaft zu erhöhtem Zahnfleischbluten. (Bild: MasterFinally/Wikipedia unter CC BY 2.0)

Überraschenderweise wird die unterschiedliche Sorgfältigkeit bei der Mundhygiene nicht als Erklärung herangezogen. Obwohl Frauen deutlich häufiger und gründlicher ihre Zähne putzen als Männer, haben sie trotzdem schlechtere Zähne. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Anfälligkeit auf den Hormonhaushalt zurückzuführen ist. Da Mädchen schneller ihre Milchzähne verlieren und die Backenzähne deutlich früher wachsen als bei Jungen, nehmen Forscher an, dass Frauenzähne aufgrund ihrer längeren Lebensdauer vermehrt Karies ausgesetzt sind.

Aber auch Schwangerschaften führen zu hormonellen Schwankungen, die nicht selten mit Zahnproblemen einhergehen. Durch die Wechselwirkung von Östrogen und Progesteron lockert sich mit der Zeit das Bindegewebe im Mund, das zu Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischblutungen führen kann. Neben Hormonschwankungen in der Schwangerschaft zielen auch die Hormonachterbahnfahrten in den Wechseljahren einige Frauenzähne in Mitleidenschaft. In dieser Zeit schwillt das Zahnfleisch besonders häufig an, sodass Frauen unter starkem Zahnfleischbluten leiden. Betroffene putzen deshalb ihre Zähne seltener und weniger gründlich. Die Folge sind weitere schmerzhafte Entzündungen. „Gründliche Mundhygiene ist also auch bei hormonell bedingten Zahnfleischerkrankungen die Basis für Vorbeugung und Behandlung“, erläutert Prof. Dietmar Oesterreich von der Initiative proDente.

Vorbeugungsmaßnahmen bei Karies:

  • süße Getränke wie Limonaden und süße Säfte vermeiden
  • säurehaltige Getränke nicht allzu lange im Mund behalten
  • Zuckerverzehr verringern
  • mindestens zweimal am Tag Zähne putzen
  • Zahnseide ist für die Zahnreinigung empfehlenswert
  • zweimal im Jahr zur Vorsorge-Untersuchung beim Zahnarzt gehen
  • Zahnpflege-Kaugummis benutzen

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