Zufallserfolg in der Neurologie

Spinnenphobie: Zufällige Heilung durch Gehirnoperation

Vogelspinne

Spinnen lösen bei einigen Menschen eine schwere Phobie aus. (Bild: Bernd Kröger – Fotolia.com)

Phobie aus dem Gehirn operiert

Ein 44-jähriger englischer Geschäftsmann begab sich mit plötzlichen Krampfanfällen ins Krankenhaus. Nach einem Gehirnscan diagnostizierten die Mediziner an der Brighton and Sussex Medical School eine Anomalie in der linken Amygdala des Patienten – eine seltene Sarkoidose. Die knötchenförmigen Gewebestrukturen (Granulome) führten bei dem Mann zu einem kleinen Wunder: Nach der Operation war er von seiner Spinnenphobie geheilt.

Wie die Ärzte die Arachnophobie besiegten, können sie nicht genau benennen. Bei der Hirnoperation müssen einige neurale Bahnen entfernt worden sein, die für eine Panikattacke sorgen. Die Urangst, die Menschen vor Bedrohungen schützt, blieb in der Amygdala intakt. Bei einer Phobie kommen eine schnelle und eine überlegte Angstreaktion zum Vorschein. Nach dem Eingriff konnte sich der Engländer den achtbeinigen Wesen nähern, doch vor einem bestimmten Lied bekam er Angst, die sich wieder legte.

Ungewöhnliche Phobien

  • Ambulophobie: Angst zu laufen oder zu stehen
  • Bibliophobie: Angst vor Büchern
  • Glucodermaphobie: Angst vor Milchhaut
  • Phobophobie: Angst vor der Angst
  • Scriptophobie: Angst in der Öffentlichkeit zu schreiben

Angst vor Objekten und Situationen

Phobien sind Ängste vor eigentlich ungefährlichen Objekten oder Situationen wie Spinnen. Doch die Betroffenen fürchten sich nicht vor der Sache an sich, sondern vor den Folgen, die bei einem Kontakt entstehen können. Körperliche Reaktionen wie Herzrasen sowie verängstigte Gedanken, Vermeidung der Situation und Gereiztheit zählen zu den Symptomen dieser ausgeprägten Angststörung. Etwa 600 verschiedene Phobien gibt es. Diese untergliedern sich in drei Unterkategorien:

  • spezifische Phobien
  • soziale Phobie
  • Agoraphobie (Platzangst)

Die Ursachen für deren Entstehung sind vielfältig: Unüberwundene Ängste aus der Kindheit oder Traumata gehören ebenso dazu wie die über das Modell-Lernen entwickelte Phobie. Wenn das Leben durch beispielsweise eine soziale Phobie einen normalen Alltag unmöglich macht, hilft eine Therapie weiter. In der Psychotherapie kann ein Therapeut seinen Patienten beim Flooding direkt mit seiner Angst konfrontieren. Andererseits bietet sich ein langsames Herangehen an die Angst mit einer systematischen Desensibilisierung an.

Neue Therapie gegen Phobien?

Können mit dieser Operation zukünftig Phobien ebenfalls therapiert werden? – nein, sagte Nick Medford dem „New Scientist“. Diese Zufallsheilung sollte als solche betrachtet werden. Denn eine Operation am Gehirn ist immer mit Risiken verbunden. Da der Patient auch keine Angaben zu früheren Phobien oder weiteren psychischen Erkrankungen machte, kann der plötzliche Erfolg nicht als repräsentativ für andere gesehen werden. So müssen Betroffene weiterhin ihre Ängste mit Hilfe von Therapien überwinden.

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