Technische Innovationen

Bahnfahren ohne Lokführer: Zukunft oder Realität?

Fährt die Bahn in Zukunft ohne Lokführer?  (Bild: Sebastian Terfloth/Wikipedia CC BY-SA 3.0)

Fährt die Bahn in Zukunft ohne Lokführer? (Bild: Sebastian Terfloth/Wikipedia CC BY-SA 3.0)

Mensch vs. Maschine

Zuverlässige Maschine, statt anspruchsvoller Arbeitnehmer: So oder so ähnlich könnte die Werbung für den unbemannten Zugverkehr lauten. Denn ein Autopilot im Zug wäre nie müde und könnte noch dazu die Energiebilanz des Bahnverkehrs um bis zu 30 Prozent senken, da er effektiver mit Bremse und Beschleunigung umgehen kann, als es ein menschlicher Fahrer schafft. Zudem sind mehr Züge einsetzbar als beim menschlichen Betrieb, da die Wagen enger auffahren dürfen. Bei Ausfällen oder Bedarf sind Ersatzzüge nur einen Knopfdruck in der Zentrale entfernt und sofort einsatzbereit.

Die Fehlerquote bei Bahnproblemen in den letzten Jahren konnte hingegen zu zwei Drittel menschlichem Versagen zugeschrieben werden. Maschinen fordern außerdem keine Lohnerhöhung und legen für Streiks ihre Arbeit nieder.

Die unbemannte U-Bahn

Bisher ist der unbemannte Bahnverkehr bereits in U-Bahnen in Nürnberg, Barcelona, Paris, in Städten in China und Korea, Helsinki, Sao Paulo und Budapest an der Tagesordnung. Lediglich in Australien verkehrt ein Zug oberhalb der Erde, er transportiert allerdings nur Eisenerz.

Die Fahrgäste der unbemannten U-Bahnen sind es gewohnt, dass die Fahrerkabine leer steht. In Paris sind sogar extra Waggons im Einsatz die Glasfronten an den Enden haben und zum echten Touristenmagnet geworden sind. Spezielle Sensoren in den Stationen bremsen die Züge sofort, sollten Menschen oder Gegenstände in das Gleisbett fallen. Ein Sicherheitsrisiko besteht demnach kaum.

Hohe Investitionen nötig

In Nürnberg verkehren die U-Bahn-Linien U2 und U3 seit 2008 ohne Fahrer.

Der Vorteil beim U-Bahn-Netz ist, dass es für Menschen kaum möglich ist, es unbemerkt zu betreten. Lediglich an den Stationen und natürlich in den Zügen selbst ist der Einsatz entsprechender Technik vonnöten, damit der Betreib reibungslos verläuft und niemand zu Schaden kommen kann.

Eine Übertragung auf das Bahnnetz ist deshalb mit hohen Investitionen verbunden, da das komplette Streckennetz abgesperrt und mit entsprechenden Sensoren versehen werden müsste. Eine Investition, die sich bis dato noch nicht bezahlt machen würde. Ebenso wäre das europäische Netz betroffen, da viele Züge überregional verkehren. Eine Einigung gilt als entsprechend schwierig.

Sicherheitsfaktor Mensch

Was in U-Bahnen kein Problem zu sein scheint, würde auf Langstrecken schon anders aussehen: Das Fehlen eines Fahrers. Der hat nämlich eine nicht unerhebliche Wirkung auf das Sicherheitsgefühl der Reisenden. Denkt man beispielsweise an das schreckliche Unglück 1998 in Eschede, wo die Maschinerie auf verheerende Weise versagte, scheint ein menschlicher Fahrer doch die bessere Wahl zu sein.

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