Deutschland gegen den Fußballzwerg

EM-Quali: Gibraltar gegen deutsche Weltmeister

Ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage. Die bisherigen Ergebnisse in der EM-Qualifikation sind eines Weltmeisters kaum würdig. Zumal die Punktverluste gegen Polen und Irland zum Teil unnötig waren. Deutschland spielte nicht zielstrebig, musste auf viele Stammkräfte verzichten und die Abgänge von Lahm, Klose und Mertesacker kompensieren. Joachim Löw, der im letzten Quali-Spiel des Jahres eigentlich viele Spieler schonen wollte, machte das Spiel gegen den Underdog Gibraltar deshalb zur Chefsache. Alle fitten Weltmeister wurden berufen und müssen nun die Kohlen aus dem Feuer und die Punkte für die Qualifikation holen.

Bundestrainer

Joachim Löws Suche nach dem Erfolgsrezept geht weiter. (Bild:Steindy/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Ein Weltmeister in der Sinnkrise

Die Maßnahme des Bundestrainers zeigt, in welchem Dilemma das Land des Weltmeisters aktuell steckt. Jeder weiß, dass gegen Gibraltar selbst eine Drittliga-Truppe gewinnen würde. Jeder ist sich der Ungefährlichkeit des Spiels bewusst. Und doch muss Joachim Löw mit Kanonen auf Spatzen schießen und seine stärkste Truppe aufs Feld schicken. Es könnte ja sein, dass am Ende doch etwas schief geht. Dass das auf gar keinen Fall das Denken eines Weltmeisters sein darf, wirft eine weitere Facette auf das Seelenleben des deutschen Fußballs. Nicht umsonst sagte Abwehrspieler Jerome Boateng auf der Pressekonferenz, dass man die Weltmeisterschaft endlich abhaken müsse.

Also muss ein Neuanfang her. Ein frischer Start des erfolgreichsten Fußballteams des letzten Jahrzehnts. Geht es nur darum, endlich wieder Selbstvertrauen zu sammeln, kommt Gibraltar gerade recht. Das Team von der Iberischen Halbinsel ist gefüllt mit Amateur-Fußballern. Vom Hafenarbeiter über Studenten bis hin zum Restaurant-Manager finden sich in dem unterlegenen Team eine Vielzahl außergewöhnlicher Berufe. Nur „Fußballer“ liest man selten. Am nächsten kommt diesem Status noch Scott Wiseman, der bei Preston North End spielt – in der dritten englischen Liga. Nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Gibraltar ist hoffnungslos unterlegen und wird spätestens nach zwei Dritteln des Spiels körperlich einknicken. Es werden Szenen folgen, in denen sich Spieler gegenseitig dehnen, um gegen Krämpfe anzukämpfen. Es wird Sprintduelle geben, in denen die Profis den Amateuren auf engstem Raum mehrere Meter abnehmen.

Über die Sinnhaftigkeit der Qualifikation

Und dann stellt sich die Frage, ob der Fußball und die Fans ein solches Spiel wirklich brauchen. Keine Frage: Für Gibraltar wird der 14. November 2014 ein kleiner Nationalfeiertag, für die Spieler das Highlight einer kurzen Karriere. Auf deutschem Boden darf man gegen den Weltmeister antreten und sich gegen die besten Fußballer beweisen. Auf der anderen Seite stehen aber die deutschen Profis, die pro Jahr im Schnitt mehr als 50 Spiele bestreiten und einem riesigen Reisestress ausgesetzt sind. Die Verletzungsliste von Dortmund und Bayern sprechen für sich. Nach der WM und dem Titelgewinn kamen die Spieler nie zur Ruhe und müssen sich nun gegen ein unterlegenes Team neu motivieren. Darunter wird die Qualität leiden und auch den Spielern Gibraltars ist nicht geholfen, wenn man gegen einen unmotivierten Gegner untergeht.

Schon länger diskutieren die Experten und Journalisten deshalb darüber, ob eine Vorqualifikation für kleine Länder nicht ratsam wäre. Ein Turnier oder eine kurze Liga, in der die stärksten Teams der schlechter platzierten FIFA-Teams um die Teilnahme an der EM-Qualifikation antreten dürfen. Gibraltar würde gegen San Marino oder Lichtenstein und Luxemburg antreten und sich für höhere Aufgaben empfehlen. Für die großen Fußballnationen würde sich der Stress minimieren und mehr Regenerationsphasen Einzug erhalten. Wenn am Freitagabend Deutschland hoch gegen Gibraltar führt, werden sich beide Teams fragen, ob ein solches Spiel wirklich irgendwen weiterbringt. Den Fußball sicherlich nicht.

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