Entscheidung in Abu Dhabi

Formel 1: Vettel-Wechsel und silberner Zweikampf

In Abu Dhabi kreuzten sich die Wege von Fernando Alonso und Sebastian Vettel schon einmal geschichtsträchtig. Beim letzten Rennen der Saison 2010 brauchte Vettel Schützenhilfe aus dem Fahrerfeld, um doch noch Weltmeister zu werden. Sein Wunsch wurde erhört – Alonso fuhr auf den siebenten Platz und der Deutsche jubelte über seinen ersten WM-Titel. Vier Jahre und drei Weltmeister-Titel später sitzen die Konkurrenten am gleichen Ort auf der Pressekonferenz. Zuvor wurde bekannt, dass Sebastian Vettel das Cockpit von Fernando Alonso übernimmt. Es ist die Erfüllung eines Jugendtraums, die Partizipation am Mythos Ferrari und der nächste Schritt zur Legende. Den gleichen Traum verfolgte auch Fernando Alonso, der die Scuderia nach Jahren der Zusammenarbeit ohne Titel verlässt.

Sebastian Vettel Formel 1

Mit 23 Jahren gewann Sebastian Vettel zum ersten Mal die Formel 1-Weltmeisterschaft (Bild: Morio/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Kommt der Erfolg bei Ferrari zurück?

Es war mein Kindheitstraum, für Ferrari zu fahren. Vor allem nachdem Michael Schumacher, der mein Held war, zu Ferrari gewechselt ist“, erzählte Vettel auf der Pressekonferenz voller Freude und Ehrfurcht. „Ferrari ist magisch. Ich bin stolz, ein Teil dieser Legende zu sein.“ Der vierfache Weltmeister aus Heppenheim wird im nächsten Jahr neben seinem Freund Kimi Räikkönen auf die Strecke gehen. Vettel muss beweisen, dass er abseits seines Stammteams Red Bull Erfolg erzeugen kann. Für viele Fans und Experten begeht der Deutsche durch den Wechsel seine Feuertaufe. Ist er der beste Fahrer im Feld oder profitierte er jahrelang nur von der Dominanz des Red Bulls? Kann Vettel ein Team entwickeln, wie es einst Schumacher schaffte? Und verspürt er den gleichen Hunger wie in den ersten Profijahren seiner Karriere? Sollte es Vettel schaffen, Ferrari wieder konkurrenzfähig zu machen, reiht er sich endgültig in die Reihe um Nigel Mansell, Ayrton Senna und Michael Schumacher ein.

Für Fernando Alonso folgt ebenfalls ein neuer Abschnitt seiner Rennfahr-Karriere. Nach Stationen bei Benetton und Ferrari zieht es den zweifachen Weltmeister aller Voraussicht nach zu McLaren. Auch wenn der Spanier nicht müde wird zu betonen, dass seine Zukunft noch unsicher sei, pfeifen die gut informierten Spatzen den Wechsel schon lange von den Dächern der Boxen. Durch den Wechsel zieht sich Alonso ein wenig aus dem medialen Blitzlichtgewitter zurück und konzentriert sich wieder komplett aufs Fahren. Der Rummel im Hexenkessel Ferrari, in dem Leistungen noch extremer bewertet werden, kann selbst für Spitzenfahrer auf Dauer ermüdend wirken.

Fernando Alonso im Ferrari

Alonso beendet seine Zeit bei Ferrari mit elf Siegen in fünf Jahren.(Bild:Morio/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Historische Chance für Nico Rosberg

Der Wechsel von Sebastian Vettel sollte nur eine Randnotiz am letzten Rennwochenende der Saison 2014 sein – und doch dominiert die Meldung die Schlagzeilen. Dabei ist die Reichweite des möglichen Titelgewinns durch Nico Rosberg mindestens genauso groß. Der Deutsche könnte mit einem Sieg und einer mittelmäßigen Leistung seines Teamkollegen Lewis Hamilton am Ende doch noch den WM-Titel einfahren. Aktuell liegt Rosberg 17 Punkte hinter Hamilton. Was nach viel klingt, relativiert sich durch eine Neuregelung der aktuellen Saison. Das letzte Rennen wird für den Sieger nicht mit 25, sondern mit 50 Punkten belohnt, während der Zweitplatzierte 36 Punkte erhält. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Rosberg bei einem Sieg Weltmeister wird, wenn Rosberg maximal Dritter wird.

Schaut man auf die letzten zehn Rennen, erscheint die Chance für Rosberg eher gering. Lewis Hamilton verbuchte in dem Zeitraum sechs Siege, wurde einmal Zweiter, zweimal Dritter und beendete nur ein Rennen nicht. Hamilton fährt wie eine Maschine, während Rosbergs Leistungen größeren Schwankungen unterworfen sind. Aus diesem Grund hofft Rosberg, ähnlich wie Vettel 2010, auf die Unterstützung des restlichen Fahrerfelds: „Es könnte sein, dass ein Williams-Fahrer einen sehr guten Start erwischt und sich zwischen uns schiebt. In Abu Dhabi ist es sehr schwer zu überholen. Es gibt aber auch unzählige andere Szenarien. Ich gehe einfach optimistisch in das Rennen.“

Spannung bis zur letzten Kurve

Und so bietet das letzte Rennen der Saison noch einmal Höchstspannung auf mehreren Ebenen. Für Rosberg dreht sich alles um den möglichen WM-Titel, Vettel und Alonso hoffen auf einen versöhnlichen Abschluss ihres bisherigen Engagements und Lewis Hamilton schielt nur auf den Sieg. Als Fan fühlt man sich in das Jahr 2010 zurückversetzt, als ein Deutscher, trotz einer scheinbar aussichtslosen Situation, den glücklichsten Tag erwischte und am Ende feiern durfte. Ob sich die Geschichte wiederholt, erfährt man am Sonntag (23. November 2014) um 16:30 Uhr, wenn die Saison 2014 ihren letzten Sieger feiert.

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