Achtung: Lebensgefährliches Spielzeug!
5. August 2009

Lebensgefährliches Spielzeug
Dabei sollten gerade die Dinge, die für Kinder konzipiert sind, doch eigentlich den strengsten Kontrollen unterliegen.
Der Spielzeughersteller Mattel startete eine Rückrufaktion für ein in China produziertes Spielzeugauto. Der Grund: Die Autoserie könnte mit Bleifarben behandelt worden sein. Auch Puppen mit zu hohem Bleigehalt wurden zurückgenommen. Ebenso war in „Winnie the Pooh“-Produkten des amerikanischen Spielzeugherstellers J. C. Penney bei Analysen Blei gefunden worden. Kunden wurden zur Rückgabe der Spielzeuge aufgerufen. Ähnliche Ergebnisse gab es beim Test von Kreativsets und Dekoschmuck desselben Herstellers. Insgesamt waren über 70.000 Produkte betroffen.
Gerade Kleinkinder stecken häufig alles in den Mund, sabbern und kauen darauf herum. Durch die Feuchtigkeit werden die bedenklichen Substanzen herausgelöst und vom Kind verschluckt. Durch ihr geringes Körpergewicht und ihren besonderen Stoffwechseln sind Babys und Kleinkinder die sensibelste Gruppe überhaupt, was Umweltgifte betrifft. Der Grad der Vergiftung wäre z.B. durch die fünf Mal dünnere Haut, die sehr schnell Chemikalien eindringen lässt, viel höher, als es bei Erwachsenen der Fall wäre.
Die Firma Mattel ließ außerdem Produkte von „Barbie“ und „Polly Pocket“ zurückrufen, da diese Magnete enthalten, die sich lösen und von kleinen Kindern verschluckt oder in Nasen und Ohren gesteckt werden können.
Eltern müssen nun nicht mehr nur darauf achten, dass keine verschluckbaren Kleinteile am neuen Spielgefährten angebracht sind, sondern sich auch toxischer Gefahren bewusst sein. Spielzeug, Handys, Turnschuhe, Kleidung, überall können die giftigen Stoffe stecken und sich auf vielfältige Weise auswirken. So können sie krebserregend, fortpflanzungs- und erbgutschädigend sein, sich auf das Hormonsystem auswirken, die Gehirnentwicklung beeinflussen oder Allergien hervorrufen. Neben Schwermetallen werden auch allergene Duftstoffe und giftige Chemikalien verwendet.
Das Risiko geht vor allem von Fabrikaten aus, die in China produziert werden. Das können sogar Produkte namhafter Hersteller sein, wie das Beispiel von Mattel zeigt. Toys’R’Us musste in China gefertigte Malkästen wegen zu hohen Bleigehaltes wieder zurückrufen lassen. Einheitliche Kontrollen gibt es nicht, obwohl fast 90 % des Spielzeugs importiert werden. Was mit den in Europa und den USA zurückgerufenen Produkten passiert, ist unklar. Möglicherweise landen sie auf dem osteuropäischen Markt und werden dort weiterverkauft. Die Richtlinien für Spielzeuge sind in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich, so dass oft dasselbe Produkt mit verschiedenen Inhaltsstoffen je nach Gesetzeslage des jeweiligen Absatzlandes hergestellt wird.
In Australien und den USA erkrankten Kinder, die versehentlich Perlen eines Bastelsets verschluckt hatten. In diesen ist der Weichmacher Butandiol enthalten, welcher nach dem Verschlucken zu Benommenheit und Koma führen kann.
Weichmacher (Phtalate) dienen dazu, Materialien elastischer und flexibler zu gestalten. Ihre Verwendung in Spielzeugen ist eigentlich verboten, trotzdem wurden sie zum Beispiel in Knete, Buntstiften, aufblasbarem Spielzeug und Fingerfarben gefunden. Weichmacher sind chemisch nicht fest gebunden. Sie lösen sich durch Ausdünstung, Abwaschung oder Abrieb und werden durch die Luft oder die Nahrung aufgenommen. Sie sind im Blut nachzuweisen und im Hausstaub zu finden und wirken sich auf das Hormonsystem aus.
Wie andere synthetische Chemikalien auch reichern sich Weichmacher im Gewebe und im Blut an und können zu Langzeitschäden führen. Dabei gibt es relativ häufig eine Alternative zu Weichmachern.
Zur den gefährlichen Substanzen gehört auch Vinylchlorid. Es ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von PVC. Es wirkt betäubend, augenreizend und krebserregend. Gelegentlich findet sich in Kinderspielzeug Nickel, der häufigste Auslöser von Kontaktallergien.
Im Leim von Holzspielzeug befindet sich oft Formaldehyd. Es verursacht Allergien sowie Reizungen von Augen, Haut und dem Atmungssystem. In Plüschprodukten enthaltene Flammschutzmittel wirken gesundheitsschädlich, Cadmium und Chromium sind krebserregend und giftig.
Eltern werden bei der Einkaufsentscheidung weitgehend allein gelassen. Es gibt kein verbindliches Gütesiegel für Qualitätsprodukte oder eine Liste der Inhaltsstoffe. Und Spielzeuge, die für den menschlichen Organismus gefährlich sind, sind es auch für die Umwelt. Häufig gibt es aber die Möglichkeit, dasselbe Produkt auch mit harmlosen Materialien anzufertigen. Die Umweltorganisation Greenpeace konnte bei Verhandlungen mit fünf namhaften Firmen bewirken, dass unter anderem Adidas und die Spielzeugfirma Chicco künftig auf belastete Stoffe verzichten.
Generell ist es sinnvoll, Spielzeug im Freien ausdünsten zu lassen und Plüschteddys vor der ersten Benutzung zu waschen.
Im Fall der kontaminierten Puppen von Mattel gab es in China personelle Konsequenzen in Form zahlreicher Entlassungen. Mattel beschuldigte zunächst die chinesischen Vorlieferanten – offenbar zu Unrecht, denn kurz darauf entschuldigte sich Mattel und übernahm stattdessen die volle Verantwortung für das lebensgefährliche Spielzeug.
Optionen
Ähnliche Beiträge
4 Kommentare
Kommentar abgeben





[...] vor wenigen Monaten erkrankten in den USA Kinder, die Perlen aus einem Bastelset verschluckt hatten. Die Perlen enthielten den Weichmacher Butandiol, der Benommenheit bis hin zum Koma [...]
Na ja das meiste Spielzeug kommt noch immer aus China und die Container haben ja auch schon meistens Giftsotffe enthalten, da kann ja nichts gutes bei rauskommen.
Die Eltern sind aufgefordert, sinnvolles Spielzeug zu kaufen. Dazu gehört auch das Wissen, woher das Spielzeug stammt und wie es hergestellt wurde. Eine “marke” entschuldigt nicht das Unwissen.
So welche Vorfälle sind einfach nur bedauerlich und müssten verhindert werden.
Die “laschen” Kontrollen führen Heute immer noch dazu das man nicht ohne Bedenken Spielzeug kaufen kann.
Auf der anderen Siete ist es aber auch so, das der Preiskampf auch seinen Teil dazu tut.
Wenn man immer weniger dafür bekommt was man produziert, dann nimmt man eben günstige Lacke usw. Was dann für Konsequenzen daraus gezogen werden ist in dem moment doch allen egal, hauptsache man hat mehr Einnahmen.
Man müsste die Produkte einheitlich Testen bevor sie in die EU kommen, stärkere Kontrollen wären sinnvoll, doch dann beschweren sich wahrscheinlich viele, dass das Spielzeug zu teuer wird.
Doch wenn man gesundes, ungefährliches Spielzeug haben will, dann sollte man den gerechtfertigt teureren Preis in kauf nehmen. Vorausgesetzt das Spielzeug ist ordentlich getestet worden.