Ist HIV ein Todesurteil?

Welt-Aids-Tag 2014: 80 Prozent mehr Neuinfektionen

T-Zelle mit HIV

Eine T-Zelle wird vom HI-Virus befallen. (Bild: National Institutes of Health (NIH)/Wikipedia – gemeinfrei)

Anstieg der Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien

Vorbei sind die Zeiten, in denen HIV und Aids ständig präsent waren. Doch was zur Aufklärung der Bevölkerung und Eindämmung der Epidemie führte, ist heute fast verschwunden. Lediglich am 1. Dezember wird jährlich verstärkt auf die Krankheit hingewiesen. Dass wieder mehr Maßnahmen notwendig sind, zeigen Zahlen, die die WHO kürzlich veröffentlichte:

  • 136.000 Neuinfektionen 2013 in Europa und Zentralasien (davon 105.000 in Osteuropa und Zentralasien, 29.000 in der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum, 2.000 außerhalb der EU)
  • 80% Zunahme der Neuinfektionen seit 2004
  • Verdreifachung der Neuinfektionen in Osteuropa und Zentralasien seit 2004
  • Kein Rückgang der Neuinfektionen in der EU

Besonders die Zahlen aus Osteuropa geben Anlass zur Beunruhigung, denn dort wurden die meisten Neuinfektionen gemeldet – satte 77 Prozent. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer, da HIV-Infizierte in Osteuropa verstärkt ausgegrenzt werden und viele nicht zum Arzt gehen. Besonders männliche Drogenkonsumenten, die sich ihren Rausch durch Injektionen verabreichen, sind gefährdet.

Abkürzungen und ihre Bedeutung

  • HIVHumanes Immundefizienz-Virus
  • AIDSAcquired Immune Deficiency Syndrome (erworbenes Immundefektsyndrom)

Das Ziel, die Ausbreitung von HIV bis 2015 zu stoppen bzw. zu minimieren, wurde bis jetzt nicht erreicht und liegt noch in weiter Ferne. Vorurteile gegen Infizierte und der mangelnde Schutz vor Ansteckungen haben sich sogar wieder verstärkt, da die Gefahren, die mit der Krankheit einhergehen, wieder aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden sind.

Der Unterschied zwischen HIV und Aids

Mit HIV wird das Virus abgekürzt, dass bei der Infektion übertragen wird. Dieses Virus dringt in den Körper ein und nistet sich bei den T-Helferzellen ein, die für die Immunabwehr des Körpers verantwortlich sind. Infolgedessen wird das Immunsystem so geschwächt, dass Erreger nicht mehr abgewehrt werden und es zu ständigen Erkrankungen und erhöhtem Infektionsrisiko kommt.

Die rote Schleife als Zeichen für Aids

Das internationale Symbol für Aids: Die rote Schleife. (Bild: Gary van der Merwe/Wikipedia – gemeinfrei)

Führt die Infektionen zu ersten Krankheiten, spricht man von AIDS. AIDS-definierende Erkrankungen sind beispielsweise Tuberkulose, Candidose, Enzephalopathie oder das typische Kaposi-Syndrom, das dunkle Flecken auf der Haut verursacht.

Leben mit HIV heute

Eine Neuinfektionen mit HIV ist heute kein Todesurteil mehr. Wird die Infektion frühzeitig erkannt, müssen zwar ein Leben lang Medikamente eingenommen werden, aber die Lebenserwartung ist fast genauso hoch wie bei Nicht-Infizierten. Auch das Ansteckungsrisiko ist bei regelmäßiger Tabletteneinnahme so gering, dass ungeschützter Geschlechtsverkehr möglich ist. Selbst eine Übertragung des Virus von Schwangeren auf den Fötus kann mit moderner Medizin verhindert werden. HIV-Infizierte können heutzutage bei richtiger Behandlung jeden Beruf ergreifen und alles tun, was Nicht-Infizierte auch tun können.

Schutz vor HIV

Auch wenn die Infektion mit HIV nicht mehr zum Tod führen muss, bleibt AIDS eine unheilbare Krankheit, die besonders auf dem sexuellen Weg übertragen wird. Kondome sind nach wie vor der effektivste Schutz vor einer Ansteckung. Das höchste Infektionspotenzial haben Blut, Sperma und Vaginalsekret. Nur wenn das infizierte Material in die Blutbahn gerät, ist eine Ansteckung mit HIV möglich. Küssen, Händeschütteln oder Umarmen stellen keine Risikofaktoren dar. Lediglich beim Sex mit und dem Umgang mit Blut von Infizierten sind spezielle Schutzmaßnamen nötig.

In der Forschung wird mit Hochdruck ein Impfstoff gegen HIV entwickelt, dessen Einsatz in naher Zukunft bereits erprobt werden soll. Bisher ist es erst ein Mal gelungen, das Virus aus dem Körper zu eliminieren. Spezielle Tabletten sind bis jetzt lediglich in der Lage, die Ausbreitung des Virus im Körper zu verhindern und den damit verbunden Ausbruch von AIDS zu vermeiden.

Die Entwicklung von HIV

1959 Das HI-Virus wird zum ersten Mal beim Menschen nachgewiesen.
1982 AIDS wird eine offizielle Krankheitsbezeichnung. Erste AIDS-Diagnose in Deutschland.
1983 Beschreibung von HIV durch die Virologen Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier.
1987 Die USA verhängen ein Einreiseverbot für HIV-Positive.
1988 Der erste Welt-Aids-Tag wird von der WHO am 1. Dezember begangen.
1991 Die rote Schleife wird offizielles Symbol.
1993 Der Film „Philadelphia“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle eines AIDS-Kranken erscheint und wird zum weltweiten Erfolg.
1999 AIDS ist die vierthäufigste Todesursache.
2008 Die beiden Entdecker des HIV, Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier, erhalten den Nobelpreis für Medizin.

 

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