Sprachkrititische Entscheidung

„Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres 2014 gewählt

Unwort des Jahres

Jedes Jahr beschreibt das Unwort zeitgemäße und unmoralische Wortschöpfungen.  (Bild: fotolia.com / Joachim B. Albers)

Sprachwisssenschaftler haben abgestimmt

Das Wort Lügenpresse wurde zum Unwort des Jahres 2014 gekürt. Dies gab die Jury am 13.01.2015 bekannt. Es bezeichnet Medien, die Informationen verhüllen und eine linksliberale Tendenz aufweisen. Bereits im Ersten Weltkrieg stilisierte sich der Begriff zu einem Kampfinstrument in der Presse hoch. Die ideologisch-propagandistisch ausgerichteten Nationalsozialisten stempelten die Medien als Lügenpresse ab. Mit der Pegida-Bewegung erlebt das Schlagwort eine Rückkehr in die publizistische Landschaft.

Unwörter von 2010 bis 2014

  • 2014: Lügenpresse
  • 2013: Sozialtourismus
  • 2012: Opfer-Abo
  • 2011: Döner-Morde
  • 2010: alternativlos

Die etwa 1246 Einsendungen enthielten 744 Vorschläge, aus denen die Sprachwissenschaftler das Unwort aussuchten. Die Bewertungsmaßstäbe gelten für Begriffe, die einerseits gegen die Menschenwürde sprechen und andererseits demokratische Prinzipien infrage stellen. Weitere Kriterien fließen in die Entscheidung ein:

  • Diskriminierung bestimmter gesellschaftlicher oder religiöser Gruppen
  • Euphemismus und eine irreführende Beschreibung von Situationen
  • aktueller Bezug
  • Nachweis über die öffentliche Verwendung des Terminus

„Pegida“ und „Putin-Versteher“ auf den hinteren Rängen

Die Ukrainkrise taucht auch in der Liste der sprachlichen Favoriten auf: Mit dem Begriff „Putinversteher“ beschreiben Kritiker die Befürworter von Wladimir Putin im weiterhin andauernden Konflikt. Chancen auf einen Sieg waren bereits von vornherein aussichtslos, da das Wort einen Eigennamen enthält. Diese gelten bei der Jury als Ausschlusskriterium. Auf dem zweiten Platz rangiert „Pegida“. Die Gruppe, der „patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ setzte sich gegen „Social Freezing“ durch. Das Einfrieren von Eizellen, zum Verschieben des Kinderwunsches, erregte 2014 mediales Aufsehen: Einige Unternehmen wie Facebook und Apple finanzieren Mitarbeiterinnen eine Fortpflanzung auf Zeit. Die eingereichten Vorschläge werden unabhängig von einer Jury aus sechs Mitgliedern ermittelt.

Kritik an öffentlicher Kommunikation fördern

Seit 1991 werden jedes Jahr Unwörter gekürt. Die von Horst Dieter Schlosser initiierte Aktion löste sich 1994 von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ab und wurde unabhängig. Ziel der Wahl ist es, eine sprachkritische Reflexion in der Öffentlichkeit anzuregen. Den Sprachwissenschaftlern ist es wichtig, den Fokus auf den allgemeinen Sprachgebrauch zu lenken. Wörter, die humanitäre Grundsätze missachten und gegen kommunikative Richtlinien verstoßen, sollen so für mehr Sensibilität und Bewusstsein in der deutschen Sprache sorgen.

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