Neue Erkenntnisse

Übergewicht: Leptin-Mutation als Ursache für Fettleibigkeit

Mutation von Leptin führt zu Übergewicht

Leptinmangel begünstigt Übergewicht

Ein Mangel oder Mutationen am Hormon Leptin lassen den Appetit steigen. (Bild: Tatjana Balzer – Fotolia)

Mediziner vom Ulmer Universitätsklinikum haben eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Ein dreijähriger Junge fiel mit seinem extremen Übergewicht von 40 Kilogramm auf. Er wurde einfach nicht satt und nahm so in kürzester Zeit immer mehr zu. Die Ärzte um Prof. Martin Wabtisch klärten den Grund für das unkontrollierte Essen. Eine Mutation des Sättigungshormons Leptin ist schuld. Diesen Fall schildern sie im „New England Journal of Medicine“.

Nach Beratungen mit der zuständigen Ethikkommission und den Eltern des Jungen erhielt der Dreijährige künstliches Leptin. Bereits nach kurzer Zeit zeichneten sich erste Erfolge ab: Er isst weniger und verlor an Gewicht.

Neue Therapiemöglichkeit?

Fachleute der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin (DGIM) zügeln die aufgekommene Euphorie. Eine Krankheit sei es ihrer Ansicht nach nicht. Zwar bringen die Ergebnisse der Wissenschaft neue qualitative Impulse, aber würden sich in der Praxis nicht durchsetzen: Die Mutation gilt laut Experten vom DGIM als rar. Nicht jeder Mensch mit Adipositas ist auf diese Weise therapierbar. Trotzdem sehen die Mediziner aus Ulm darin Ansätze, um vielen Betroffenen zu helfen. Bei weiteren Patienten entdeckten sie eine ähnliche Veränderung des Erbguts.

Übersicht Stoffwechselerkrankungen

  • Primäre Fettstoffwechselstörung
  • Morbus Fabry
  • Morbus Gaucher
  • Phenylketonurie:
  • Ahornsirupkrankheit

Hormon zügelt den Appetit

Das Hormon Leptin (griechisch leptos: schlank) sorgt im Gehirn für ein Sättigungsgefühl. Es wird im Fettgewebe gebildet. Wenn die Fettspeicher voll sind, steigt der Leptinspiegel an und fungiert so als eine Art Appetitzügler. Gleichzeitig leeren sich die Fettdepots wieder. Eine Störung in der Produktion des Botenhormons stoppt das Hungergefühl nicht – Menschen nehmen so ungewollt mehr Nahrung auf. In Bluttests zeigten einige Patienten mit Übergewicht einen Leptin-Mangel. Diese Krankheit ist gut behandelbar.

Bei dem Jungen zeigte sich ein anderes Bild: Sein Blut enthielt genügend Leptin. Durch Gentests kam die Mutation des Erbgutes für das Hormon heraus. Leptin kann sich nicht an den entsprechenden Rezeptor binden und wird gar nicht erst aktiviert. Das bioinaktive Hormon gibt an den Organismus eine Falschmeldung heraus. Diese suggeriert einen Mangel, obwohl die Leptinwerte im Blut eine andere Sprache sprechen.

Leptin: Alternative zu Insulin?

Die Wirkungsweise des Hormons könnte im Kampf gegen Diabetes mellitus für Erfolge sorgen. Schweizer Wissenschaftler der Universität Genf haben 2013 untersucht, welche Gehirnzellen durch Leptin zur Blutzuckersenkung führen. Dafür injizierte Roberto Coppari mit seinen Kollegen das Hormon Mäusen mit Diabetes. Die Tests konnten die Gewebe ermitteln, die mithilfe des Leptins Blutzucker einlagerten. Die Resultate werden als eine andere Therapieform zum Insulin angesehen. Laut den Schweizer Experten steckt in den Hirngeweben das Potenzial in einigen Jahren zur Behandlung von Diabetes mellitus gezielt mitzuwirken. Denn im Gegensatz zum Insulin zeigt der Botenstoff keine Nebenwirkungen. Unterzuckerungen werden vermieden. Außerdem wirkt es effizienter auf den Zucker. Denn es stellt sich Glukagon gezielt in den Weg. Das Peptidhormon erhöht den Blutglukoseanteil.

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