„Depressionsatlas Deutschland“ veröffentlicht

Depressionen führen häufiger zu Arbeitsausfällen

Besonders bei intensiven Gefühlen kann die Mimik schnell täuschen (Bild: Rynio Productions/ Fotolia.com)

Deutsche Arbeitnehmer leiden häufiger an Depressionen. (Bild: Rynio Productions/ Fotolia.com)

Depressionen werden sichtbar

In Deutschland erkrankt mittlerweile jeder Fünfte an Depressionen. Dies führt zu immer mehr Krankschreibungen. Ein Bericht der Techniker Krankenkasse (TK) erfasste von 2000 bis 2013 alle Erwerbstätigen, die an Depressionen oder psychischen Störungen leiden. Der Depressionsatlas verdeutlicht gleichzeitig aber auch, dass die dadurch bedingten Arbeitsausfälle im Vergleich zu Erkältungen oder Rückenbeschwerden mit 1,6 Prozent geringer ausfallen: So wurde nicht nur die Dauer der Krankschreibung berücksichtigt, sondern auch die Anzahl der Diagnosen.

Seelische Erkrankungen betreffen in der Bundesrepublik jeden vierten Bürger. Laut Ergebnissen war ein Drittel der Versicherten depressiv. Andere psychische Störungen fielen weniger ins Gewicht. Andere Studien sprechen von einer Zunahme depressionsähnlicher und anderer Mischformen. Aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2014 bezeugen den Aufwärtstrend.

Frauen und soziale Berufe betroffen

Die Zahlen verdeutlichen noch einen weiteren Gegensatz: So fehlten Frauen durchschnittlich 1,3 Tage. Männer nur 0,8 Tage. Im Schnitt fehlten alle sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer 64 Tage. Das macht 7,1 Fehltage innerhalb aller eingereichten ärztlichen Atteste aus. Auch geringfügigere Beschäftigungen oder Berufe im sozialen Bereich gehen vermehrt mit Depressionen einher. Ob der erhöhte Stresslevel die Krankschreibungen begünstigt, ist nicht belegt. Diese fünf Berufszweige sind besonders häufig betroffen:

  • Callcenter-Mitarbeiter: 2,8 Tage
  • Altenpflege: 2,5 Tage
  • Erziehung: 1,6 Tage
  • Sicherheit: 1,4 Tage

Stress als mögliche Ursache

Die von der Techniker Krankenkasse veröffentlichten Zahlen zeigen zwar, dass Depressionen und psychische Störungen das Berufsleben beeinflussen, aber Stress ist nicht der einzige Auslöser wie Psychiater bestätigen. Traumata, Versagensängste oder biologische Ursachen können dafür verantwortlich sein. Zwar belasten hektische Situationen die Seele, dennoch verarbeitet jeder Mensch Stresssituationen anders. Es kommt also nicht bei jedem zu depressiven Verstimmungen.

Die hohen Fehlzeiten bei Geringverdienern und Arbeitslosen müssen ebenfalls mit Vorsicht behandelt werden. Denn Akademiker leiden beispielsweise auch unter der Erkrankung. Trotzdem ist ein geringes Einkommen und die Sorge nach sozialer Sicherheit ein möglicher Grund für einen Ausbruch.

Depressionsarten im Überblick

  • endogene Depression
  • reaktive Depression
  • bipolare Depression
  • manische Depression
  • psychogene Depression
  • neurotische Depression
  • Winterdepression
  • postnatale Depression
  • Erschöpfungsdepression

Unterschiede bei Stadt- und Landbewohnern

Hamburg ist Spitzenreiter: Im Jahr 2013 kam ein Arbeitnehmer auf 1,42 Fehltage. In Berlin und Schleswig-Holstein lagen die krankheitsbedingten Ausfälle mit über zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Im Gegensatz dazu weisen Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen die niedrigsten Zahlen auf.

Die Unterschiede in den Bundesländern zeigen sich auch im Stadt-Land-Vergleich: So wurden Arbeitnehmer beispielsweise aus Mannheim 2013 zehnmal häufiger aufgrund von Depressionen krankgeschrieben als in anderen Städten Deutschlands. Vor allem in Großstädten zeigt sich diese Tendenz besonders deutlich. Landbewohner rangieren in der Studie weiter unten. Was nicht bedeutet, dass sie weniger betroffen sind. Mediziner sehen die diagnostischen Fortschritte und Therapiemöglichkeiten in Großstädten als Kriterium für die vermehrten Arbeitsausfälle.

Rentner eher depressiv?

Die anonyme Erhebung erfasste nur 15 bis 64-jährige. Andere Kinder und über 65-jährige erkranken ebenso häufig wie die untersuchte Testgruppe. Senioren und Frührentner leiden prozentual betrachtet öfter an depressiven Verstimmungen als jüngere Jahrgänge. Selbst Schulkinder können aufgrund einer genetischen Veranlagung betroffen sein, sagen Experten. Der Depressionsatlas kann demnach nur als Querschnitt aller Erkrankten in Deutschland gesehen werden. Doch der Anstieg der Krankschreibungen und medikamentösen Behandlungen mit Antidepressiva rücken Depressionen wieder stärker in den Fokus.

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Ein Kommentar

  1. Nach der Beobachtung in unserer psychosomatischen Klinik ist es weniger der Stress bei der Arbeit. Wer im Call-Center arbeiten muss, steht unter extremen wirtschaftlichen Druck, hat häufig noch Kinder und / oder zu pflegende Angehörige.Wenn man dann noch Alleinverdiener ist, dann wird es kritisch. Gerade in den neuen Bundesländern stehen wiederholte Wechsel des Arbeitslplatzes bzw. Tätigkeiten weit unterhalb der ursprünglichen Qualifikation noch immer im Fokus.

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