Intime Einblicke

YouNow: Live-Videos aus dem Kinderzimmer

Kinder am PC

Gefährlicher Trend: Live Videos auf YouNow bei Minderjährigen angesagt. (Bild: Ilike – Fotolia)

Das eigene Leben im Internet

Selbstdarstellung ist besonders für Minderjährige ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Über soziale Netzwerke berichten sie über Stylingeskapaden, den süßen Typen aus der Werbung oder ihre familiären Probleme. Das alles geschieht unter der gläsernen Kuppel des Internets. Um noch mehr Anerkennung und virtuelle Freunde zu erhalten, stehen derzeit Live-Streaming Portale hoch im Kurs. Besonders YouNow wird momentan zum beliebten Spielzeug im Kinderzimmer – Videos über das eigene Leben können dann alle Nutzer im Netz mitverfolgen.

Immer und überall

Verhaltensregeln auf YouNow

  • Mindestalter: 13 Jahre
  • Verbot von Nacktheit und vulgären Ausdrücken
  • Verbot von Mobbing, Belästigungen usw.
  • Keine Verstöße gegen das Urheberrecht
  • Keine Drohungen oder Gewalt
  • Veröffentlichung von Kontaktdaten Dritter ist verboten

Die amerikanische Plattform hat erst Ende 2014 ihren Siegeszug bei den 15 bis 25 jährigen Deutschen gefeiert. Der sich in einem Zuwachs von 250 Prozent zeigt. Die Anwendung funktioniert über eine App oder über die Webcam am PC. Für den Zugang wird ein Facebook-, Twitter- oder Google+- Konto benötigt. Weiterhin verlockt die Tatsache, dass sich die Filme von jedem Ort aus sofort nach der Aufnahme verbreiten lassen. Über Chats können die Jugendlichen direkt in Kontakt mit anderen Nutzern treten und Fragen beantworten.

Das eigentlich für Youtuber und Musiker konzipierte YouNow, dringt in die tiefsten schichten der persönlichen Identität ein. Wer einmal drin ist, kann nur schwer dem Suchtpotenzial entgehen. Tückisch an YouNow ist das Belohnungssystem. Für jedes Video kommen nicht nur neue Bewunderer dazu, sondern es werden virtuelle Belohnungen verteilt.

Verletzung der Menschenwürde

Das vor allem Minderjährige ab 13 Jahren auf die einfach anzuwendende Videoübertragung setzen, stößt Eltern, Pädagogen und Jugendmedienschützern bitter auf. Die Familie weiß oft nichts von dem Live-Streaming-Dienst. Dass ihre Kinder unbedacht zu Objekten und Mobbingopfern werden können, sehen Juristen ebenfalls kritisch. Allzu leichtfertig geben die Jugendlichen ihre Kontaktdaten weiter. Doch dabei bleibt es manchmal nicht. Intime Videos oder heimlich aufgenommene Filme aus dem Klassenzimmer landen schnell in den falschen Händen. Mit der Verbreitung verstoßen die Jugendlichen selber gegen Persönlichkeits- und Urheberrechte:

  • Artikel 2, Absatz 1 Grundgesetz: Das verbreiten von Filmen, dass die Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt steht unter Strafe.
  • Recht am eigenen Bild (§ 22 KuG): Bilder dürfen nur nach Zustimmung verbreitet werden. Dies umfasst die Intimsphäre sowie die Verletzung der Menschenwürde.
    Gerade die Veröffentlichung von Videos aus dem persönlichen Umfeld der Menschen ist strafbar. Dies wird in § 201a StGB geregelt.
  • Das Abspielen von Musik im Hintergrund ist ebenfalls gefährlich. Ohne die Einwilligung des Rechteinhabers darf ein Song nicht abgespielt werden. Die Gema hat bislang noch keine rechtlichen schritte unternommen.

Die Betreiber weisen jede Schuld von sich. Sie betonen zwar pornografische Inhalte und kriminelle Handlungen abzulehnen, greifen aber nicht ein. Die Kontrolle von YouNow überlassen die Betreiber ihren Moderatoren – diese sitzen jedoch in den USA. Die deutschen Grundgesetze zu achten, sollte demnach an erster Stelle stehen.

Was kann ich tun?

In der Regel müssen Erziehungsberechtigte auch bei über 14 Jährigen ihr Einverständnis zur Verbreitung von Bildern und Videos erteilen. Mit YouNow wandeln die Minderjährigen sozusagen in einer gesetzlichen Grauzone. Videos von der Lehrerin oder der Freundin können mit einer Unterlassungsklage und dem Entfernen der Filme geahndet werden. Doch welche Möglichkeiten gibt es für Eltern, um ihre Sprösslinge vor Mobbing oder Ausspähattacken zu schützen.

  • Gefahren aufzeigen: Mit dem Kind über eventuelle Risiken sprechen und es darüber informieren, welche weitreichenden Folgen das Einstellen von Medien im Internet haben kann. Also im Gespräch das Bewusstsein für ihr Handeln stärken heißt die Devise.
  • Vorbild sein: Eltern sollten selber nicht ungefragt Bilder veröffentlichen und den Computer als Zeitvertreib ansehen.
  • Zuhören: Ein offenes Ohr für die Jugendlichen zu haben ist wichtig. Dadurch wird eine Vertrauensbasis geschaffen.
  • Medienerziehung: Früh mit der praktischen Einführung in die Mediennutzung beginnen. Kinder sollten den richtigen Umgang lernen, um sich so vor den Gefahren aus dem Netz zu schützen.
  • Das darfst du nicht: Verbote auszusprechen erzielt nur das Gegenteil. Medien dürfen ruhig einen Teil im Leben der Kinder und Jugendlichen einnehmen, aber immer maßvoll.

Optionen

Drucken Drucken Schriftgröße Schrift vergrößern Schrift verkleinern Schriftgröße zurücksetzen
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...

Kommentar abgeben