Bier & Co. uncool?

Alkoholmissbrauch sinkt bei den Jugendlichen

Plastikfasern in Bier und Mineralwasser gefunden

Deutlich weniger Jugendliche landeten wegen Alkohol im Krankenhaus. (Bild: volff – Fotolia)

Weg vom Alkohol?

Bier, Schnaps und Wodka gehören für einige Jugendliche zur Grundausstattung auf Partys. Bilder von komatösen Jugendlichen auf einer Krankenhaustrage zogen weite mediale Kreise. Laut einer vom Statistischen Bundesamt (Destatis) am 10.02.2015 vorgestellte Statistik, wurden 2013 etwa 23.300 Kinder und Jugendliche wegen akuten Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus behandelt. Das ist eine Rücklaufquote von 12,8 Prozent bei den 10- bis 19-Jährigen. Die Ergebnisse beschreiben aber lediglich, dass sich weniger Minderjährige ins Koma trinken. Im Vergleich zum Jahr 2000, wo die Zahlen geringer ausfallen, ist trotzdem eine deutliche Kehrtwende zu 2012 erkennbar.

Jeder Fünfte Jugendliche trinkt regelmäßig

Der Alkoholkonsum bleibt aber weiter ein brisantes gesellschaftliches Thema. So betrinkt sich etwa jeder fünfte Jugendliche einmal im Monat, hält die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) fest. Entwarnung aufgrund der positiven Zahlen kann nicht gegeben werden wie Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Hauptstelle für Suchtfragen (HFS), in einem Artikel der Südwest Presse, anmerkt: „Deutschland ist weiterhin eine Alkohol-Nation.“ Dies wird durch die Zahlen minderjähriger Alkoholkonsumenten bestätigt. Sieben von zehn, der unter 18-Jährigen lagen wegen dem Genuss des Suchtmittels im Krankenhaus.

Folgen der Alkoholsucht

  • Leberschäden
  • organisches Psychosyndrom: Depressionen, Phobien
  • Polyneuropathien: Taubheit, Muskelkrämpfe
  • Krebs in Leber oder Darm
  • Wernicke-Enzephalopathie: u.a. Verwirrtheit
  • Korsakow-Syndrom: Gedächtnisverlust

Männer häufiger betroffen

Vor allem Männer greifen häufiger zur Flasche als junge Mädchen und Frauen. Das Trinkverhalten von jungen Männern weist einen übermäßigen Genuss von Schnaps & Co. auf. Beim weiblichen Geschlecht verzeichnen die Zahlen einen Rückgang von 6,7 Prozent, bezogen auf 100.000 Einwohner.

Alkohol: Kein Tabuthema mehr

Verantwortliche der BZgA und der HFS sehen in der groß angelegten Aufklärungsarbeit einen Grund für den Rückgang. Denn Präventionsmaßnahmen und Aufklärungskampagnen wie „Kenn dein Limit“ hätten die Bundesrepublik für den Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen sensibilisiert. Die Thematik gelangt dadurch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.

Dass Alkohol nicht mehr so viel Akzeptanz erfährt, wird als positiv gesehen. Dennoch sieht der Kinderschutzbund weiteren Handlungsbedarf von Eltern und Lehrern. Diese haben den Minderjährigen gegenüber eine Verpflichtung, sie über die Gefahren aufzuklären und zu schützen. So kann beispielsweise ein halber Liter Alkohol bereits zu einer Alkoholvergiftung bei Kindern führen. Weiterhin wird an die Vorbildfunktion der Erziehungsberechtigten plädiert. Diese prägt das zukünftige Verhalten im Umgang mit Alkohol im besonderen Maße.

Steuern auf Alkohol

Seit Längerem fordern Kinderschützer und Suchtexperten klare Regeln im Umgang von Minderjährigen mit Alkohol. Ein großflächiges Verbot scheint nicht die Lösung zu sein. Denn das würde die junge Generation nur mehr animieren zu trinken. Wein, Bier oder Alcopops lassen sich ganz unkompliziert per Taschengeld kaufen. Auch die gesetzlich festgelegten Abgabeverbote von hochprozentigen Getränken umgehen Minderjährige spielerisch: Über das Internet oder erwachsene Freunde landet Alkohol ohne Probleme in ihren Händen. Höhere Steuern könnten jedoch den Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen eindämmen, schlägt Gaßmann von der HFS als Schritt vor.

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Ein Kommentar

  1. Christian sagt:

    Mal eine Frage: Gehört der geschilderte Konsum nicht einfach zur normalen Entwicklung junger Menschen dazu? Es war doch shcon immer so, dass sich Jugendliche – besonders ab der Pubertät – Ventile suchen, sich selbst finden und abgrenzen wollen (vor allen Dingen vom langweiligen Alltag und allem, was die Erwachsenen nicht gut finden). Hat hier zufällig mal jemand in Goethes Tagebüchern geschmökert? Der gute Mann ist ja bekanntlich recht alt geworden für seine Zeit und war ebenso immer vom Wein und gutem Bier angetan – heute gibt es halt noch einige Möglichkeiten mehr, sich „einen hinter die Binde zu kippen“.

    Aber nochmal: Dass da jemand die Grenze des Normalen dauerhaft überschreitet, die Chance scheint mir doch gering. Ich berichte mal aus meiner eigenen Erfahurng: mit 16 habe ich von einen Tag auf den anderen angefangen mit dem Alkoholkonsum, und das hat zu einigen wirklich komatösen Zwischenfällen geführt. Eine Weile lang gab es kein Wochenende ohne Alk mehr – und, um ehrlich zu sein: wir hatten Spaß. Aber: Vier Jahre später habe ich mein Verhalten dann mal reflektiert und überlegt, ob ich das noch brauche – und bin zu dem Schluss gekommen, dass auch mal genug ist. Mit 20 habe ich dann keinen (keinen!) Alkohol mehr getrunken, fünf Jahre lang. Heute trinke ich, wenns hoch kommt, mal ein Glas Wein im Monat und fühle mich auf jeden Fall kerngesund (die Werte, welche ich jährlich vom Arzt bekomme sagen das übrigens auch). Genauso sieht es übrigens bei allen „Trinkpartnern“ von damals aus: sind halt einfach erwachsen geworden. Mein bester Freund Tom arbeitet inzwischen in hoher Position sogar für einen Online-Shop, der Hotelzubehör verkauft – und dazu gehört natürlich auch der Verkauf von Minibars (die übrigens alle aussehen wie Tresore: http://hogashop24.de/minibar/?p=1 – ob das eine „Schutzmaßnahme“ ist? ;)) – er selbst hat aber seit sechs Jahren überhaupt nichts mehr angerührt. Kein Alk. Keine Zigis. Und sonst auch nichts.

    Also warum den Leuten nicht ihren Spaß lassen? Wer betrunken Auto fährt, der hat denke ich ein anderes Problem als Alkoholkonsum im Allgemeinen: er hat (noch) nicht verstanden, was verantwortungsbewusstes Handeln bedeutet. Und wer seine Alkoholgrenzen nicht kennt … der, na ja, wird sie kennenLERNEN, wenn er (habe ich selbst auch einmal erlebt) nach einem krassen Rausch ein ganzes Wochenende wg. Alkoholvergiftung nicht mehr aus dem Bett kommt.

    LG Chris

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