Der 60. ESC findet in Wien statt

Eurovision Song Contest 2015

Ann Sophie Hannover

Ann Sophie mit ihrem Song „Black Smoke“ (Bild: MarkusFelix/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Besonderheiten zum Jubiläum und Ablauf

Das 60. Jubiläum des beliebten Komponistenwettbewerbs soll alle bisherigen Veranstaltungen übertreffen. Mit insgesamt 40 Nationen treten damit 2015 so viele Länder an, wie nie zuvor. Aufgrund der Dichte an Teilnehmern wird es wie in den vergangenen Jahren zwei Semifinals geben, in denen je 16 bzw. 17 Länder antreten.

Die ersten 16 Länder kämpfen am 19.05.2015 um insgesamt 10 Plätze für das Finale. An diesem Abend werden auch die großen Nationen Spanien, Österreich als Titelverteidiger, Frankreich und Gast Australien stimmberechtigt sein. Die Veranstaltung beginnt um 21 Uhr und das Ergebnis des Televoting Ergebnisses etwa gegen 23 Uhr bekannt gegeben.

Zwei Tage später am 21.05.2015 findet dann das zweite Semifinale statt, in dem 17 Nationen um die übrigen 10 Startplätze für das Finale um die Wette singen. Neben den Teilnehmerländern des Halbfinals sind außerdem Deutschland, Italien, Großbritannien und erneut Australien stimmberechtigt. Die Ergebnisse der Veranstaltung, die 21 Uhr beginnt, werden ebenfalls ca. 23 Uhr erwartet.

Im Finale gesetzte Nationen
Land Interpret Titel
Österreich The Makemakers „I Am Yours“
Australien Guy Sebastian „Tonight Again“
Großbritannien Electro Velvet „Still in Love with You“
Frankreich Lisa Angell „N’oubliez pas“
Spanien Edurne „Amanecer“
Italien Il Volo „Grande amore“
Deutschland Ann Sophie „Black Smoke“

Gemeinsam mit dem Titelverteidiger Österreich und dem besonderen Gast Australien sind die fünf größten Geldgeber des Wettbewerbes für das Finale gesetzt und werden wie alle anderen Länder eine zufällige Startnummer im Finalwettbewerb erhalten. Im Falle des Sieges von Australien wird der ESC zwar dennoch in einem europäischen Land stattfinden, allerdings dürfte Australien in diesem besonderen Fall auch 2016 erneut antreten.

Das diesjährige Finale wird in der Stadthalle zu Wien am 23. Mai 2015 um 21 Uhr stattfinden. Erstmals in der Geschichte werden drei Frauen es moderieren: Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler. Vorjahressieger(in) Conchita Wurst wird die Interpreten im Green Room betreuen.

Das erste Halbfinale

Bereits im ersten Halbfinale findet sich alles, was einen guten ESC ausmacht: Schöne Frauen, Balladen, extravagante Kostüme, trashige Beiträge und vor allem aussichtsreiche Songs. In die Rubrik Trash und leider nicht zum Favoritenkreis zu rechnen ist der finnische Beitrag. Pertti Kurikan Nimipäivät liefert einen Punksong, der mit 1:40 min der kürzeste der ESC-Geschichte ist.

Die vier Bandmitglieder sind geistig behindert und thematisieren Probleme behinderter Menschen in ihren selbst geschrieben Song, der jedoch nicht massentauglich ist und daher das Halbfinale nur schwer überstehen dürfte. Wesentlich aussichtsreicher sieht es da bei dem estnischen Duo Elina Born und Stig Rästa aus. Ihr tief gehender Song dürfte den Sprung ins Finale mit Leichtigkeit schaffen und könnte eventuell sogar zu den geheimen Favoriten zählen.

Eine klassische Ballade kommt dieses Jahr aus Griechenland, womit das Land sich von den erotisch tanzenden Männern verabschiedet und diesmal auf Gefühl, denn auf Action setzt. Ebenfalls starke Frauen entsenden die Länder Russland, Serbien, Albanien und Georgien. Während Serbien und Russland sich europäisch und Völker verbindend geben, spielt Georgien die Ethno-Karte aus und beeindruckt mit einem epischen Song.

Ähnlich wie Griechenland versucht Albanien mit Gefühl zu punkten. Was jedoch in besonderer Weise auffällt, ist der große Anteil an englischsprachigen Beiträgen in diesem Halbfinale. Originalität sieht anders aus.

Das zweite Halbfinale

Im zweiten Finale ist die Qualität deutlich höher als im ersten, was vielleicht an der großen Abwechslung liegt, aber sicherlich auch der höheren Dichte an Favoriten. Die Dominanz auf Englisch gesungener Titel ist zwar auch hierbei unübersehbarer, allerdings verstehen es Länder wie Norwegen und Lettland so einzigartige Titel ins Rennen zu schicken, dass von Langeweile nicht die Rede sein kann.

Norwegen ist einer der klaren Favoriten, da die beiden Interpreten Morland und Debrah Scarlett stimmlich wunderbar harmonieren und einen ruhigen, aber intensiven Beitrag abliefern. Ein absolutes Feuerwerk ungewohnter Klänge liefert Lettland mit der bezaubernden Aminata als Sängerin. Sollte es ihr spezieller und großartiger Beitrag nicht eine Runde weiter schaffen, wäre das ein herber Verlust für die Qualität des Finalwettbewerbs.

Nach fünf Jahren Abstinenz ist unser Nachbarland die Tschechische Republik wieder mit dabei und präsentiert ein Duo, dessen eine Hälfte keine Unbekannte ist. Marta Jandova, Leadsängerin der Band Die Happy, wird von Vaclav Noid Barta unterstützt und präsentiert eine solide Rockballade. Der Finaleinzug sollte definitiv möglich sein.

Israel und Schweden setzten mit ihren jungen männlichen Interpreten auf das Partypublikum in der ESC-Fangemeinde und verbreiten Stimmung und Tanzatmosphäre. Polen entscheidet sich mit Monika Kuszynska für eine gefühlvolle Balladensängerin, während Islands Maria Olafs einen klassischen Popsong liefert und an die US-Pop-Künstlerin Jojo erinnert.

Ein absoluter Kracher im diesjährigen Wettbewerb ist Slowenien. Unter dem Namen Maraaya treten die Eheleute Ales Vovk und seine Frau die Sängerin Marjetka Vovk auf. Ihr Song „Here For You“ verbindet Pop, Elektro, Indi und mehr. Abgesehen davon, dass der Schritt ins Finale praktisch bereits als erreicht angesehen werden kann, wird im selbigen vermutlich eine Top 10 Platzierung erreicht werden. Eventuell heißt es 2016 ja sogar – ESC in Ljubljana.

Die Schweiz liefert mit der jungen und hübschen Genferin Mélanie René eine frische und positive Gesangsbotschaft, dessen Titel wohl den Erfolg der Schweiz voraussagen soll: „Time to Shine“. Der Popsong ist in einem harten Feld und vor allem im zweiten Semifinale wird es einige Enttäuschungen für Künstler und Fans geben, wenn sieben der Länder die vorzeitige Heimreise antreten müssen.

Gesetzte Nationen und Absagen

Guy Sebastian 2014

Guy Sebastian für Australien (Bild: Stemoc/Wikipedia unter CC BY-SA 2.0)

Neben den gesetzten Nationen stand längere Zeit auch die Debatte um eventuell zurückkehrende Länder im Raum. Neben Nationen, die schon lange nicht mehr dabei waren, wie etwa Luxemburg oder Monaco ist auch die Türkei zum dritten Mal in Folge nicht vertreten, was bedauerlich ist, da Beiträge dieses Landes sich stets großer Beliebtheit erfreuen.

Die Slowakei, Kroatien, Bulgarien und Bosnien und Herzegowina setzen ebenfalls aus und werden vermutlich in den nächsten Jahren wieder zu sehen sein. Besonders bitter ist der Rückzug der ESC-Nation Ukraine im Jahr 2015. Der Krieg im Land und die damit verbundene Krise lassen keine Feierstimmung aufkommen, außerdem sind auch die finanziellen Mittel deswegen stark begrenzt.

Im Feld der Großen Fünf plus Gastgeber Österreich und dem besonderen Gast Australien müssen drei Titel besonders hervorgehoben werden. Ein klarer Favorit in diesem Jahr ist Deutschland. Ann Sophies Song „Black Smoke“ erfreut sich jetzt bereits größter Beliebtheit und wird hoch gewettet. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich die junge Hamburgerin am Ende unter den Top 5 befindet.

Auch Spanien und Italien liefern hervorragende Beiträge ab. Während Spanien mit einer schönen Frau und einer absolut gelungenen Ballade die Herzen vieler Zuschauer erobern wird, setzt Italien auf drei junge Tenöre. Im Gegensatz zu früheren Versuchen mancher Länder, sind diese jedoch mit ihren klassischen Stimmen nicht langweilig oder steif, sondern verstehen es, ihre Art Musik modern und vital zu präsentieren.

Der Australier Guy Sebastian erhält die Ehre sein Land, vermutlich einmalig, beim ESC vertreten zu dürfen. Australien erhielt die Einladung deswegen, da es seit vielen Jahren ein regelrechtes ESC-Fieber in Down Under gibt und man dieser australisch-europäischen Verbindung mit der freundschaftlichen Einladung in den Wettbewerb ein Denkmal setzen wollte.

Auch wenn sein Song sicherlich nicht den ersten Platz erreichen wird, ist ihm ein Achtungserfolg sicher. Titelverteidiger Österreich geht seltsame Wege im eigenen Land, indem es die Rock-Gruppe The Makemakes an den Start schickt. Der Titel „I Am Yours“ klingt äußerst langweilig und scheint bereits tausend Mal so oder so ähnlich da gewesen zu sein. Aufgrund des Heimbonus bleibt Österreich zu wünschen, dass die Platzierung dieses wenig originellen Songs am Ende nicht allzu peinlich ausfällt.

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