Nach Korruptionsskandal

Paukenschlag der FIFA: Sepp Blatter tritt zurück

Eine schlechtere Entschuldigung brachte noch kein Chef hervor. Als FIFA-Präsident Sepp Blatter am Donnerstag nach Bekanntwerden des Korruptionsskandals innerhalb seines Verbands vor die versammelte Presse trat, begründete er sein Unwissen über die Vorgänge damit, dass er „nicht alle Mitarbeiter kontrollieren“ könne. Wie immer schaffte es der mächtige Schweizer, eine weiße Weste zu behalten, während um ihn herum Weggefährten wegbrechen. Es ist das Eingeständnis eigener Fehler; und ein Zeichen dafür, dass in der FIFA schon lange eine Politik des Wegsehens zum guten Ton gehört. Die Spitzenleute des Fußball-Dachverbands schützen sich gegenseitig mit angeblichem Unwissen – bis jetzt.

FIFA Blatter

Sepp Blatter wurde zum fünften Mal zum FIFA-Präsidenten gewählt – Dann trat er zurück. (Bild: Seadart/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Die Schlinge zieht sich zu

„Verschwörung und Korruption“ lautet die offizielle Anklage, die gegen 14 ranghohe FIFA-Funktionäre erhoben wird. Primär geht es um die jederzeit zweifelhafte Vergabe der WM-Turniere an Russland und Katar – zwei Nationen, die bisher nicht mit Spitzenfußball in Verbindung gebracht werden konnten. Dennoch schafften sie es, das größte Sportereignis der Welt in ihre Länder zu holen – mit Unterstützung der FIFA. Doch mit der Vergabe der Weltmeisterschaft und einer Vielzahl kleinerer Turniere war das Ende der korrupten Fahnenstange nicht erreicht. Selbst bei TV-Rechten, Sponsoring- und Merchandisingaufträgen wirtschafteten die Funktionäre in die eigene Tasche. Allein den amerikanischen Führungskräften wird vorgeworfen, 150 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern gezahlt zu haben, um TV- und Medienrechte für Fußballturniere zu erhalten.

Die Namen der neun wichtigen FIFA-Funktionäre, die mit einer Anklage belegt wurden, liest sich wie das Freundschaftsbuch von Sepp Blatter. Jeffrey Webb von den Cayman Inseln ist der Präsident des Kontinentalverbands CONCACAF. Nicolas Leoz aus Paraguay gehörte dem Exekutivkommitee (dem innersten Kreis der FIFA) an, Rafael Esquivel ist Mitglied des Disziplinarausschusses. Wie dreist sich das Vorgehen der FIFA jedoch mittlerweile entwickelte, zeigt sich am Beispiel des angeklagten Jack Warner – der wohl schillerndsten Persönlichkeit des Prozesses. Warner ist der ehemalige Vize-Präsident der FIFA; ein Fakt, der bei genauerer Betrachtung wie eine Farce wirkt. Schon 2011 musste Warner vor der Ethikkommission sprechen und sich zu Bestechungsvorwürfen äußern. Angeblich verteilte Warner unter der Hand Umschläge mit bis zu 40.000 Dollar, um Stimmen für einen FIFA-Kandidaten zu kaufen.

Dreist und naiv bis zum Schluss

Beim aktuellen Korruptionsskandal rückte Warner wieder in den Fokus der Behörden. Einer dauerhaften Festnahme entging der ehemalige Vize-Präsident jedoch mit einem Trick. Im Gefängnis beklagte sich Warner über körperliche Schwäche aufgrund einer Erschöpfung und wurde mit einem Krankenwagen abtransportiert. Wenig später tauchte ein Video auf, auf dem der Geschäftsmann tanzend auf einer Werbeveranstaltung zu sehen ist. Erst danach begab er sich in die Obhut der Staatsgewalt. Doch damit nicht genug. Zusätzlich fiel Warner auf einen Satire-Artikel der amerikanischen Webseite „The Onion“ herein, die in einem Artikel behauptete, dass die FIFA im Jahr 2015 eine extra Weltmeisterschaft in den USA austrägt, um guten Willen zu zeigen. Warner posierte mit dem Artikel und behauptete felsenfest, dass der Fußball-Dachverband so schlimm nicht sein könne.

Es sind die kleinen Details, die jetzt fast im Stundentakt an das Tageslicht kommen. Und im Auge des Sturms steht Sepp Blatter, Beziehungsweise stand Sepp Blatter. Denn nur vier Tage nach seiner Wiederwahl, beugte sich der Schweizer dem Druck der Fußballwelt und nahm seinen metaphorischen Hut. Dass der Rückhalt innerhalb der FIFA nicht mehr gegeben war, zeigte sich bereits am Wahltag, als es zum ersten Mal einen zweiten Wahlgang brauchte, um die Wiederwahl zu bestätigen. Nur aufgrund des herzlichen Verhältnisses zum afrikanischen und asiatischen Verband, die einen Großteil der 209 Stimmen stellen, konnte Blatter seinen Kontrahenten ausstechen.

Stunde Null nach Blatter

Mit Blatter geht die Gallionsfigur des korrupten Fußballs. Unter seiner Ägide wurde der Dachverband zum Sinnbild für Geschäfte hinter verschlossenen Türen und zum Inbegriff der Intransparenz. Die FIFA erwirtschaftet jährlich mehrere Milliarden Dollar und soll doch eine Gemeinschaft ohne den Zweck der Gewinnmaximierung sein. Wohin das Geld jedoch fließt, wird nicht bekannt gegeben. Es ist zu hoffen, dass mit der Anklage und dem Abgang von Blatter ein Reinigungsprozess einsetzt, bei dem Strukturen aufgebrochen und schwarze Schafe aussortiert werden. Vielleicht blickt die Fußballwelt dann wieder zu einer Weltmeisterschaft und denkt nicht spontan an geheime Geldgeschäfte und Briefumschläge voller Geld. Der erste Schritt ist getan.

Optionen

Drucken Drucken Schriftgröße Schrift vergrößern Schrift verkleinern Schriftgröße zurücksetzen
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...

Kommentar abgeben