Aufschrei der Arbeiter gegen den Kommunismus

Der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953

Leipzig, um den 17. Juni 1953

Leipzig, um den 17. Juni 1953 am Reichsgericht, heute Bundesverwaltungsgericht (Bild: Bundesarchiv/Unbekannt/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0 DE)

Der geschichtliche Hintergrund

Im Zuge der Umstrukturierung der DDR nach dem Krieg hin zu einem sozialistischen Staat nach sowjetischem Vorbild proklamierte Walter Ulbricht, der damals erste Mann im Staat, den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“. Diese Umstrukturierung ging seit Jahren mit einer Bodenreform, sprich der Enteignung von z. B. Großbauern und Fabrikbesitzern einher.

Eisenach 17. Juni 1953

Verhängung des Ausnahmezustandes in Eisenach am 17. Juni 1953 (Bild: Sowjetische Stadtkommandantur Eisenach/Stadtarchiv Eisenach/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0 DE)

Zahlreiche Neubauern hatten kaum Geräte und Mittel, um die Landwirtschaft ausreichend in Schwung zu bringen und der Staatshaushalt geriet ins Minus, da Reparationszahlungen und hohe Ausgaben für den Militäretat den Staat belasteten. Diese und weitere Belastungen führten dazu, dass die DDR-Führungsspitze sich zu drastischen Maßnahmen entschloss, die den Unmut der arbeitenden Bevölkerung auf sich lenken sollte.

Einer der zentralen Punkte dabei war die sogenannte Normerhöhung, die vom Zentralkomitee der SED am 13. und 14. Mai 1953 bestätigt wurde. Diese sah vor, die Produktionsleistung für den bestehenden Lohn um 10 Prozent zu erhöhen, was nahezu unmöglich war und somit zu einer Lohnsenkung in der DDR führen würde.

Hinzu kommt, dass die Bevölkerung zu dieser Zeit unter einer Lebensmittelknappheit litt und gelegentlich der Strom willkürlich abgestellt wurde. Zu spät erkannte die Sowjet-Führung, dass man intervenieren und einige der harten Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung zurücknehmen musste. Eine Rücknahme mehrere Beschlüsse wurde am 14. Juni im Neuen Deutschland verkündete, doch da waren bereits die ersten Unruhen ausgebrochen.

Was geschah am 17. Juni und in den Tagen davor?

Bereits vom 12. bis 16. Juni gab es kleinere und mittlere Proteste auf dem Land, bei denen Funktionäre abgesetzt und sogar in Jauchegruben geworfen wurden. In Berlin schlossen sich die Bauarbeiter mehrerer Großbaustellen zusammen, um für ihre Rechte einzutreten. Die Proteste wurden vom Sender RIAS aus Westberlin dokumentiert und unterstützt.

Am 17. Juni schließlich eskalierte die Lage, als sich die Demonstranten in der gesamten Republik auf zahlreiche Schaltstellen des Staats stürzten und teilweise unter Zuhilfenahme von Gewalt Parteiorgane festsetzten und Polizeistationen, Gefängnisse und andere Einrichtungen übernehmen konnten. In Berlin musste sich sogar die SED-Führung zwischenzeitlich zurückziehen.

Obwohl es zu zahlreichen gewalttätigen Übergriffen und sogar einem Lynchmord kam, blieb der Protest an vielen Orten friedlich. Man forderte nun nicht mehr eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die durch die Neuorientierung der DDR-Führung aufgrund des Drucks aus Moskau bereits versprochen wurde, sondern außerdem freie Wahlen.

Erfolge der Demonstranten

  • Lahmlegung der Wirtschaft durch landesweiten Generalstreik
  • Besetzung von Kreistagsgebäuden und Bürgermeistereien
  • SED-Kreis- und Bezirksleitungen besetzt
  • Gefängnisse und Polizeireviere besetzt
  • einige Dienstgebäude des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) besetzt
  • breite Außenwirkung, teilweise erst verspätet
17. Juni Jena Opfer

Gedenktafel zum 17. Juni 1953 (Bild: Evergreen68/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Die Sowjets riefen angesichts der Überforderung der DDR-Volkspolizisten den Notstand aus und übernahmen faktisch die Macht in der DDR. Mit über 20.000 Mann und mehreren Panzern rückten sie vor und schlugen die Proteste blutig nieder. In Ost-Berlin blieb der Ausnahmezustand sogar bis zum 11. Juli bestehen.

In der Folge des Aufstandes gab es über 1.500 Festnahmen, mehrere Todesurteile und Hunderte z. T. hohe Gefängnisstrafen. Während der Proteste selbst sind mehrere Polizisten, aber auch Dutzende Demonstranten von Sicherheitskräften und sowjetischen Soldaten erschossen. Für die DDR-Führung war dieser Tag ein Trauma, nie wieder sollte es zu solch einem Ereignis kommen.

Der 17. Juni als Feiertag der Bundesrepublik

Neben der Forderung nach freien Wahlen formulierten die demonstrierenden Arbeiter auch den Wunsch nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Diese Ziele und das Aufbegehren gegen das von Moskau gelenkte DDR-Regime hatte Symbolcharakter für viele Staaten des ehemaligen Ostblocks.

Gedenkbriefmarke 2003 zum 17. Juni 1953

Gedenkbriefmarke zum 50. Jahrestag(Bild: Bundesministerium für Finanzen/Deutsche Post AG/Wikipedia – gemeinfrei)

Der Bundespräsident Heinrich Lübke erklärte den 17. Juni im Jahr 1963 zum nationalen Feiertag der Bundesrepublik Deutschland. Das sollte er auch bis zur Friedlichen Revolution 1989 bleiben, in deren Folge er vom 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit abgelöst wurde. Alljährlich finden dennoch Gedenkveranstaltungen in Deutschland statt.

In der Sowjetunion verschäfte dieses Ereignis den Streit um die Nachfolge Stalins. Dieser war im März 1953 gestorben. Auch Künstler wurden durch das Ereignis beeinflusst, so schrieb Bertold Brecht sein Gedicht „Die Lösung“ und etwa zur selben Zeit schuf Günter Grass sein Trauerspiel „Die Plebejer proben den Aufstand“.

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