Mädchen sind stark gefährdet

Alkoholkonsum bei Jugendlichen – Stand 2015

Mädchen mit Weinglas

Viele Mädchen trinken viel zu früh viel zu viel (Bild: Multimotyl/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0

Die Jugend insgesamt

Seit 2004 untersucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Entwicklungen von Alkoholkonsum bei Jugendlichen. Erfreulicherweise lässt sich feststellen, dass der Konsum insgesamt kontinuierlich zurückgegangen ist. Während sich im Jahr 2004 noch 22,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal monatlich betranken, waren dies 2014 nur noch 12,9 Prozent.

Wie in all den Jahren zuvor liegen die Jungen dabei immer noch vor den Mädchen, allerdings ist eine deutliche Umkehr des Trends zu erkennen. Während der Anteil der Jungen drastisch auf 14,6 Prozent sank, nahm er bei den Mädchen leicht zu und erreichte nun 11,2 Prozent. Auch das Durchschnittsalter für den ersten Alkoholkonsum ist von 14,1 auf 14,8 Jahre angestiegen, was als äußerst positiver Trend zu werten ist.

Insgesamt haben 33 Prozent aller 12- bis 17-Jährigen niemals in ihrem Leben Alkohol konsumiert. Erweitert man den Bezugsrahmen auf alle Jugendlichen bis 25 Jahre, dann betrinken sich dennoch 15,6 Prozent der jungen Männer regelmäßig bis hin zum Rausch, bei den bis 17-Jährigen Jungen sind es 4,3 Prozent.

Dem stehen 4,7 Prozent der jungen Frauen und 2,9 Prozent der jungen Mädchen entgegen. Auch in diesem Bereich haben sich die Werte in den letzten Jahren insgesamt verbessert, das liegt eventuell auch am Verbot der sogenannten „Flatrate-Partys“ und des damit verbundenen „Flatrate-Saufens“. Allerdings werden eben diese Exzesse mittlerweile privat durchgeführt und haben ihren Reiz für die Jugendlichen noch nicht verloren bzw. dienen als Kompensation von Lebensproblemen.

Alkoholregal LIDL

Bier und Spirituosen sind trotz der strengen Gesetze für viele Jugendliche über ältere Freunde leicht zu bekommen (Bild: Aljona83/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Was bringt Jugendliche zum übertriebenen Alkoholkonsum?

Die Jugend heute steht unter einem enormen psychischen Druck, der sowohl mit den schulischen, wie auch familiären Anforderungen zu tun haben kann. Neben den Problemen und Sorgen, die die Pubertät allein mit sich bringt, werden den jungen Mädchen und Jungs in unserem Land zahlreiche Bürden aufgelastet.

In einer Zeit, in der Ausbildung, Können und Wettbewerb darüber entscheiden, ob man sich als junger Mensch ein Leben mit passendem Job und Familie aufbauen kann, werden Fluchtmöglichkeiten in Form von Alkohol und Drogen attraktiv. Jedoch nicht nur der enorme Leistungsdruck, auch das Gegenteil, die Langeweile kann ein Antrieb sein.

Jugendliche, die nur konsumieren und den schier unendlichen Möglichkeiten in ihrer Freizeit gegenüberstehen, fühlen sich teilweise nicht ausgelastet, haben Langeweile und brauchen eine Art Kick, um sich zu spüren oder aber um im Kontext des Gruppendrucks cool zu wirken. Alkoholkonsum bis hin zum kompletten Absturz gehören in vielen Jugendgruppen zum traurigen Selbstverständnis.

Im persönlichen und familiären Umfeld werden Kinder und Jugendliche von ihren Eltern von unbewusst nicht mehr wie Kinder behandelt. Die Heranwachsenden werden zu Freunden, auf die die eigenen Sorgen übertragen, teilweise sogar abgeladen werden. Persönlicher Stress, Beziehungsprobleme und Scheidung bis hin zu Geldnot und Arbeitslosigkeit der Eltern überfordern die Jugendlichen und treiben sie in den Drogen- und Alkoholkonsum. Sie nutzen diese Mittel, um sich zu betäuben und abzulenken.

Vor allem Mädchen sind aktuell betroffen und werden zunehmend animiert und zum Trinken verleitet. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Parkkrankenhaus Leipzig, Dr. Edelhard Thoms hat folgenden Erklärungsansatz, der aufzeigt, wie auch die momentanen gesellschaftlichen Entwicklungen die Mädchen unserer Gesellschaft bedrohen:

Das Verhalten unserer Jugend ist ‚unisex‘. Die Geschlechtertrennung ist aufgeweicht, die Rollenverteilung nicht mehr klar definiert. Mädchen probieren riskantere Verhaltensweisen aus, dringen auch beim Alkohol in bislang klassisch männliche Domänen ein.

Welche Gefahren entstehen speziell für junge Mädchen?

Mädchen und junge Frauen sind wesentlich schneller betrunken, als ihre männlichen Altersgenossen. Das liegt z. B. daran, dass ihr Blutvolumen geringer ist, als das von Jungen. Damit nimmt die Alkoholkonzentration im Blut bei ihnen schneller zu, als bei Jungs. Bereits nach einem halben Liter Bier könnte je nach Alkoholgehalt und Körperbau des Mädchens ein Wert von 0,5 Promille erreicht werden.

Die körperlichen Folgen sind vielen Menschen bekannt, zum einen leidet die Leber. Während sie mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist, kann sie keine Glukose freisetzen, was wiederum schnell zur Unterzuckerung und damit Bewusstlosigkeit führen kann. Während das beim Erwachsenen länger dauert, ist dieser Zustand bei einem Mädchen sehr schnell erreicht.

Doku: Alkohol statt Hausaufgaben (2009)

Das Gehirn von Jugendlichen entwickelt sich noch bis zum 18. Lebensjahr und Alkoholkonsum beeinträchtigt die Entwicklung des Gehirns in allen wichtigen Bereichen. Durch einen Vollrausch sterben bis zu 1.000 Gehirnzellen ab, außerdem stört der Alkohol das Hirnwachstum und insbesondere die Verknüpfungen der Synapsen.

Die Folgen sind vielfältig: langsame Denkprozesse, erschwerte Konzentration und eine Veränderung der Emotionen und emotionalen Fähigkeiten. Die Schäden, die durch regelmäßige Alkoholzufuhr in dieser wichtigen Entwicklungsphase des Menschen entstehen, können sich nachhaltig negativ auswirken.

Die vielleicht schlimmste körperliche Erscheinung ist die Gewöhnung des Körpers an den Rausch. Dies liegt am Ethanol, das die Freisetzung von Glückshormonen zur Folge hat. Der Organismus verbindet daher mit der Zufuhr von Alkohol etwas Positives, das in Suchtverhalten gipfeln kann. Ist der Grundstein für Sucht schon im Jugendalter gelegt worden, wird es später umso schwerer, dem Gift Alkohol abzuschwören.

Wie begegne ich der Gefahr als Elternteil?

Zunächst ist es wichtig, dem eigenen Kind Geborgenheit zu vermitteln. Es muss wissen, dass es sich im Ernstfall, egal was es anstellt, auf die Eltern verlassen kann. Als Eltern wird man in der Jugendzeit des Kindes viele Sorgen haben und nicht genau über alles bescheid wissen, was das Kind tut, denkt und erlebt, aber der Kontakt darf niemals verloren gehen.

Albert Roosenboom Drinking girl and smoking boy

Schon in früheren Zeiten lockte Jugendliche das Verbotene (Bild: artistsandart.com/Wikipedia – gemeinfrei)

Eigene Probleme sollten niemals auf dem Kind abgeladen werden. Bei Krisen sollten Kinder natürlich miteinbezogenen werden, aber eigene Angst und Perspektivlosigkeit sollten Kinder nicht in voller Härte spüren müssen. Das Kind emotional über alle Maßen zu belasten, wird es in seiner Entwicklung beeinträchtigen und es hat ein Recht auf eine möglichst unbeschwerte Kindheit und Jugend.

Das eigene Kind ist nicht der beste Freund und auch kein Partnerersatz! Vertrauen und altersentsprechende Freiheiten sind Teil eines vernünftigen pädagogischen Konzeptes, aber Kinder und Jugendliche benötigen Grenzen und diese müssen von den Eltern auch durchgesetzt werden. Die 14-Jährige Tochter muss nicht bis um 1.00 Uhr in der Nacht weg bleiben, zumal dies aus Jugendschutzgründen ohnehin nicht zulässig ist.

Der Sohn oder die Tochter sollte beschäftigt werden, das beugt der Langeweile vor, so kann man es bereits im Kindesalter in feste Strukturen, wie Sportvereine, THW oder Musikunterricht integrieren. Das Erlernen eines Instrumentes beispielsweise beschäftigt das Kind nicht nur, es zeigt ihm seine wachsenden Fähigkeiten auf und spende Freude und ein Stück Lebensinhalt.

Wenn es dennoch zu einem Alkoholabsturz kommt, sollten Eltern besonnen reagieren und zunächst die Gesundheit im Blick haben. Im Notfall einen Arzt verständigen oder zumindest ins Bett geleiten und ggf. den Schlaf überwachen, da die Gefahr bestehen könnte, dass der Teenager an seinem Erbrochenen erstickt im Schlaf.

Eine Auseinandersetzung, in der die Eltern ihren klaren Unmut über das Fehlverhalten äußern und auch ihre Sorge um das Kind verdeutlichen, ist unumgänglich. Hier sollte man auch vor Konflikten nicht zurückschrecken und Verbote und Regeln festlegen, wie z. B. Alkoholverbot bis zum 18. Lebensjahr und Ausgangssperre. Außerdem sollte das Kind von etwaigen Discobesuchen abends abgeholt werden, das ist vielleicht stressbehaftet, aber erspart einen vielleicht gefährlichen Nachhauseweg allein.

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