Züchter sterben an Enzephalitis

Neues Bornavirus bei Bunthörnchen entdeckt

Mittelamerikanisches Bunthörnchen

Mittelamerikanisches Bunthörnchen (Bild: Patrick Gijsbers/Wikipedia unter CC BY-SA 1.0)

Das Bornavirus

Das Bornavirus stellt als monotypisches Virus eine eigene Familie dar. Sehr entfernt ist es jedoch mit den Erregern von Masern und Tollwut verwandt. Es liegt in verschiedenen bekannten Formen vor, die neue Form, die Forscher in Sachsen-Anhalt entdeckten, ist jedoch teilweise unbekannt und deckt sich nur zu 75 Prozent mit bisherigen Borna-Virusstämmen.

Bornavirus

Modell des Bornavirus (Bild: M. Eickmann/Wikipedia – gemeinfrei)

Bornaviren bei Tieren

  • Pferde
  • Schafe
  • Spitzmäuse
  • Drezehnstreifen-Hörnchen
  • Bunthörnchen

In früheren Zeiten waren die Symptome, die mit dem Befall dieses Virus einhergingen auch als hitzige Kopfkrankheit bekannt. Vor allem Tiere, insbesondere Pferde waren davon betroffen. Aber auch die Übertragung auf den Menschen ist bekannt. In anderen Zusammenhängen wird der Virus als teilweise im menschlichen Genom befindlich beschrieben.

Thesen über einen Zusammenhang dieses Virus mit dem Auftreten von Schizophrenie und der bipolaren Störung konnten entgegen einiger Behauptungen bisher nicht bewiesen werden. Allerdings löst ein Befall eine mitunter schwer zu behandelnde, äußerst unangenehme Entzündung des Gehirns aus, die Enzephalitis, die zum Tod des Patienten führen kann, wenn eine adäquate, in der Regel stationäre Behandlung ausbleibt. Auch Zeckenbisse bergen eben diese Gefahr.

Der aktuelle Fall zeigt, dass neben den bekannten Tierarten auch die aus Mittelamerika stammenden Bunthörnchen, die in Sachsen-Anhalt im Rahmen privater Züchtungen und im Zoo gehalten werden, davon betroffen sein können und über bisher unbekannte Wege auch den Menschen anstecken können.

Forscher des Bernhard-Nocht Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gehen davon aus, dass eine Übertragung von den Tieren auf die Züchter am aller wahrscheinlichsten über Biss- oder Kratzwunden zustande gekommen sein muss. Daher sollte aktuell jeder nähere Kontakt mit den Tieren unterbunden werden.

Schutzmaßnahmen und Test für das Bunthörnchen

Das Bunthörnchen (Sciurus variegatoides) stammt ursprünglich aus den Wäldern Mittelamerikas und ist auch in Mexiko beheimatet. Das 20 bis 30 Zentimeter lange Tier mit einem noch einmal etwa ebenso langen buschigen Schwanz ist dank seinem breiten dunklen Streifen auf dem Rücken gut von anderen Hörnchenarten zu unterscheiden.

Bunthörnchen (Sciurus variegatoides)

Ein Bunthörnchen (Bild: Hans Hillewaert/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Es kommt in Zoos und privaten Züchtungen in Deutschland vor und ist bis zu den Fällen aus den Jahren 2011 bis 2013 nicht als Träger des Virus in Erscheinung getreten. Das FLI hatte das Bornavirus in einer Gewebeprobe bei einem Hörnchen gefunden, das bei einem der Männer lebte. Daraufhin untersuchte man die Gehirne der Opfer und konnte eben jenen neuen Virusstamm auch bei den drei Toten nachweisen.

Das FLI entwickelte in der Folge einen Lebendtest für die Hörchen, sodass beispielsweise festgestellt werden konnte, dass die Zootiere in Magdeburg nicht von dem Virus betroffen sind. Zahlreiche andere Hörnchen wurden jedoch in Sachsen-Anhalt z. T. vorsorglich eingeschläfert. Die Forscher sind aktuell dabei, wilde Tiere aus der Umgebung der Züchter zu texten.

Sie wollen herausfinden, ob das Virus von einheimischen Tieren auf die Bunthörnchen übertragen wurde oder ob das Virus aus der mittelamerikanischen Heimat eingeschleppt wurde. Trotz der drei Todesfälle besteht für die Bevölkerung noch kein Grund zur Besorgnis. Wenige Menschen haben Kontakt mit den Tieren und nahezu alle Tiere werden auf das Virus getestet. Wie viele Tiere genau in Deutschland gehalten werden, ist jedoch nicht eindeutig zu sagen.

Richtiges Verhalten

Züchter dieser Tiere werden gebeten, besonders vorsichtig zu sein und insbesondere bei unklaren Todesfällen der Tiere den zuständigen Tierarzt zu verständigen und ihn den Fall weiterleiten zu lassen. Die Behörden sind alarmiert und werden bei Verdachtsfällen das Einschläfern der betroffenen Tiere veranlassen.

Die beste Methode, um einer Bornavireninfektion vorzubeugen, ist eine Impfung. Inwieweit gängige Impfungen bei dem neuen Typus helfen, ist noch nicht geklärt. Die drei Opfer waren alle älter und eventuell haben Vorerkrankungen den drastischen Verlauf begünstigt. Sie konnten trotz intensiver Behandlung nicht gerettet werden.

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