Immer mehr Abbrecher an den Unis

Tabu: Studienabbruch – Die Gründe

Uni Klagenfurt

Ein Hörsaal in guter Besetzung (Bild: Psy student123/Wikipedia – gemeinfrei)

Das falsche Studium?

Im Durchschnitt brechen 28 Prozent der Studierenden das Studium vorzeitig ab. Während es an Fachschulen lediglich 23 Prozent sind, liegt die Zahl an Universitäten mit 33 Prozent bei einem Dittel. Insbesondere naturwissenschaftliche Fächer wie das Ingenieursstudium, Mathe oder aber Informatik sind betroffen.

Die Gründe sind dabei nicht immer eindeutig. Zum einen kann es an einer Überforderung des Studenten liegen, der den geforderten Stoff nicht mehr schaffen kann oder das Thema an sich eine schier unüberwindbare Herausforderung darstellt. Wenn die Leistungen nachlassen oder Erfolg nur mit größten Anstrengungen und enormem Lernaufwand zu erreichen ist, dann lässt bei vielen auch irgendwann die Motivation nach.

Unterschiede zwischen Abbrechern, Wechslern und Absolventen
durchschn. Abi-Note Bildungshintergrund Eltern Vorwissen über das Studium
Studienabbrecher 2,5 eher geringer geringe Kenntnisse und Vorstellungen
Studienwechsler 2,2 eher höher durchschnittliches Wissen
Studienabsolventen 1,9 hoch gut bis sehr gut informiert

Ein Studienfach zu wechseln ist jedoch kein Problem, oft bringt es Vorteile, wenn man sich bereits mit dem Studienleben vertraut gemacht hat und dann doch eine für sich bessere Bahn einschlägt. Der Wechsel sollte einerseits zwar gut überlebt, andererseits aber auch nicht unnötig aufgeschoben werden. Aufschieberitis ist weder bei dieser Entscheidung noch beim Lernen hilfreich.

Nebenjobs für Studenten

Das Studentenleben (Bild: Robert Kneschke – Fotolia)

Ein bis drei Semester sind keine lange Zeit, allerdings ist Zeit ein wichtiger Faktor in der heutigen Welt und dieser sollte nicht leichtfertig verschwendet werden. Wenn die Zweifel kurz vor Studienende im fünften oder sechsten Bachelorsemester erst aufkommen oder sich gar bis dahin aufgestaut haben, ist ein Abbruch oder Wechsel ärgerlich und eventuell sollte man sich dann auch noch durch die Bachelorarbeit quälen, um zumindest diesen Abschluss in der Tasche zu haben.

Anders sieht es aus, wenn die Exmatrikulation droht und das Studium gar nicht zu bewältigen ist, dann sollte schnellstmöglich die Reißleine gezogen werden. Ein Fernbleiben von der Uni kann hier genau das Richtige sein, um sich zu ordnen und ggf. neue Bewerbungen für ein anderes Fach oder eine Ausbildung abzuschicken.

Welche Gründe existieren noch?

Ein glücklicherweise eher seltener aber dramatischer Grund des Abbruchs ist eine eigene Erkrankung bzw. die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen. In diesem Fall fällt es den Betroffenen schwer, ihrer Karriere notgedrungen eine Vollbremsung zu verpassen. In Härtefällen lassen sich erworbene Scheine jedoch später anrechnen. Aber auch, wenn das jeweilige Studium komplett beendet wurde, werden Arbeitgeber diesen Bruch im Lebensweg in der Regel gut nachvollziehen können.

Generell lässt sich der Tipp formulieren, dass ein Studienabbruch kein Beinbruch sein muss, wenn es um Bewerbungsgespräche geht, aber in jedem Fall souverän begründet werden sollte. Jeder Mensch ändert sich und auch Vorlieben und Interessen können einem Wandel unterlegen sein, dieser sollte jedoch nicht überstürzt und sprunghaft wirken.

Eine Neuausrichtung hinsichtlich des Studienfachs könnte z. B. durch das Besuchen von Wahlfächern zustande gekommen sein. Manchmal informieren sich Studienbewerber nicht umfassend über die Inhalte ihres Studiums und entdecken später Fachrichtungen, die viel eher den eigenen Neigungen entsprechen.

Weitere Gründe für einen Abbruch können in der Lehre selbst liegen. Manche Studienfächer, insbesondere im geisteswissenschaftlichen Bereich sind sehr theoretisch und praxisfern. Studenten blicken in ihre Zukunft und wollen einen Bezug zum realen Leben im Idealfall zu eventuellen Berufsfeldern. Eine rein akademische Abhandlung der Probleme und Themen, die das Studium betrifft, kann für Studierende äußerst unbefriedigend sein.

Entdecken, Reden, Diskutieren, Lehren, Lernen

In der Lehre gibt es einiges zu verbessern (Bild: Recitation-bot/Wikipedia unter CC BY 4.0)

Darüber hinaus sind auch die Lehrinhalte bzw. die Schwerpunktsetzung dafür und selbstverständlich auch die Professoren entscheidend. Außerdem spielen die Studierendenzahlen eine Rolle. Obwohl es hinsichtlich der Platzverteilung und vor allem in Bezug auf überfüllte Seminare seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge eine Verbesserung gab, sind z. T. völlig überfüllte Hörsäle keine Ausnahme.

Es existieren Jura-Vorlesungen in Deutschland, die per Videoübertragung in andere Räumlichkeiten gesendet werden, um alle Zuhörer erreichen zu können. Solche Zustände können dazu beitragen, dass das Studium abgebrochen wird. Auch das Pensum an Prüfungen und anschließende Hausarbeiten, die einen Großteil der Freizeit in den Semesterferien einnehmen, werden von Abbrechern als Gründe genannt.

Lösungsvorschläge

Trotz aller Kritikpunkte bleibt die Entscheidung, ein Studium aufzunehmen, es abzubrechen oder das Studienfach zu wechseln einzig und allein bei der betreffenden jungen Frau oder dem betroffenen jungen Mann. Selbstverständlich sind auch Senioren jederzeit an der Uni willkommen, allerdings haben die oft nicht mehr die Notwendigkeit in einem Beruf Fuß fassen zu müssen.

Studierende in Konfliktsituationen sollten sich nicht scheuen, eine Studentenberatung aufzusuchen und ihre Situation zu erläutern und in sich hinein zu horchen, um dann mit Außenstehenden, die einen neutralen Blick haben, eine adäquate Lösung zu finden. Sind alle Eventualitäten bedacht, sollte die Entscheidung selbstbewusst und entschlossen umgesetzt werden.

Ganz wichtig dabei ist einen Plan B zu kennen. Eine Zukunftsperspektive, die es nach einem Abbruch weitergeht und ein Ziel, wo die Reise hingehen soll. Die Verantwortung für die hohen Abbruchzahlen liegt jedoch nicht nur bei den Studierenden, die Politik und die Universitäten haben in vielen Fällen ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Es ist zwar korrekt, dass die Universitäten nur mit den Mitteln Haushalten können, die ihnen das Bildungsministerium zur Verfügung stellt, aber auch wenn diese natürlich immer zu gering sind, ist viel Optimierungsbedarf anzumerken. In NRW hat sich die Politik nun eine neue Motivation überlegt: jede Student, der sein Studium ordnungsgemäß abschließt, erhält vom Bundesland 4.000 Euro.

Eigentlich ist dieses Ziel eine Selbstverständlichkeit, aber wenn es hilft, die Studienbedingungen zu verbessern und Studenten an der Uni und in ihrem Fach zu halten, kann die Idee Positives bewirken und ggf. sogar Prüfungsangst eindämmen. Gefahren liegen in den Anforderungen an die Prüfungen, die aufgrund dessen nun zu sehr vereinfacht werden könnten, was nicht im Sinne der Erfinder wäre.

Ein ganz einfaches Mittel, um die Situation der Studierenden zu verbessern, ist eine noch bessere Kommunikation zwischen Uni und Studierenden sowie zwischen Land, insbesondere Bildungsministerium und Universität oder Fachschule.

Auch Youtuber behandeln das Thema Studienabbruch und geben ihre Erfahrungen weiter

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