Leidenschaft hinter der Kamera

Michael Ballhaus wird 80

Michael Ballhaus

Michael Ballhaus stellt in Leipzig 2014 seine Biografie vor (Bild: Amrei-Marie/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Werdegang

Michael Ballhaus wurde in eine Künstlerfamilie hineingeboren, er kam am 5. August 1935 als Kind zweier Theaterschauspieler zur Welt. Durch diesen familiären Backround kam er frühzeitig mit dem Theater und Film in Berührung und entschied sich nach Erfahrungen an einem Filmset Kameramann zu werden.

Da es zur damaligen Zeit noch keine spezielle Ausbildung zu diesem Beruf gab, absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Fotografen und arbeitete mehrere Jahre beim Südwestfunk. Vom Kameraassistenten arbeitete er sich allmählich bis zum Chefkameramann nach oben und drehte 1968 seinen ersten Kinofilm.

Zuvor hatte er durch Dokumentarfilme und Fernsehbeiträge zahlreiche Erfahrungen sammeln können. Über Bekannte lernte er schließlich den großen deutschen Regisseur Rainer Werner Fassbinder kennen. Gemeinsam mit ihm drehte er 15 Filme und wurde so nicht nur über eine lange Zeit dessen Stammkameramann, sondern in seiner Branche auch weiter über die Grenzen Deutschlands bekannt.

Rainer Werner Fassbinder

Regisseur Rainer Werner Fassbinder (Bild: Pete Welsh/Wikipedia unter CC BY-SA 2.0)

Rainer Werner Fassbinder Filme (Auswahl)

  • „Warnung vor einer heiligen Nutte“ – Deutschland 1971
  • „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ – Deutschland 1972
  • „Martha“ – Deutschland 1974
  • „Faustrecht der Freiheit“ – Deutschland 1975
  • „Die Ehe der Maria Braun“ – Deutschland 1979

Diese Bekanntheit sollte sich für ihn in den folgenden Jahrzehnten seines Lebens auszahlen. Michael Ballhaus ist außerdem für eine Neuerung in der Kameraführung bekannt. Es handelt sich dabei um eine 360-Grad-Kamerafahrt, die zwar 1966 von Claude Lelouch erfunden wurde, aber erst ab Mitte der 1970er von Ballhaus populär gemacht und perfektioniert wurde, sie trägt den Namen Ballhaus-Kreisel.

Michael Ballhaus in Hollywood

Nach dem Tod von Rainer Werner Fassbinder 1982 widmete sich Ballhaus zunehmend dem internationalen Film und wurde sehr positiv in Hollywood aufgenommen. Er hatte die Ehre dort mit einigen der größten Regisseure zusammenzuarbeiten und war an zahlreichen sehr erfolgreichen Filmprojekten beteiligt, die ihm als Kameramann insgesamt drei Oscarnominierungen einbringen sollten.

Mehrfach arbeitete er mit dem Regisseur Martin Scorsese zusammen, dessen Director of Photography er ab 1985 wurde. Als Chefkameramann wurde er vor allem dafür geschätzt, dass er trotz seiner konsequenten und professionellen Arbeitsweise auch zu Kreativität und Innovationen während seiner Arbeit in der Lage war.

Durch seine Mitwirkung in über 80 Kinofilmen hat er sich einen festen Platz unter den größten Stars hinter der Kamera gemacht. Einer seiner bekanntesten Filme unter Scorsese ist das Mafia-Epos „Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ von 1990 mit Robert De Niro in der Hauptrolle. 13 Jahre später sollte Ballhaus unter Scorsese seine dritte Oscarnominierung erhalten, er drehte mit ihm den Film „Gangs of New York“ mit Leonardo DiCaprio und Daniel Day-Lewis in den Hauptrollen.

Filme ab 1980 (Auswahl)

  • „Tod eines Handlungsreisenden“ – USA 1985, Regie: Volker Schlöndorff
  • „Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ – USA 1990, Regie: Martin Scorsese
  • Bram Stoker’s Dracula“ – USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola
  • „Air Force One“ – USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen
  • „Departed – Unter Feinden“ – USA/Hongkong 2006, Regie: Martin Scorsese
  • „3096 Tage“ – Deutschland 2013, Regie: Sherry Hormann

Ruhestand und Privatleben

Michael Ballhaus heiratete 1958 seine Frau Helga, die ihn als Filmausstatterin und Schauspielerin während seiner Karriere begleitete und laut seiner Biografie aus dem Jahr 2014 maßgeblichen Anteil an seinem Erfolg hatte. Er war mit ihr bis zu ihrem Tod 2006 verheiratet und lebte mit ihr und den beiden Söhnen zeitweise in Berlin und Los Angeles.

2011 heiratete Ballhaus die Regisseurin Sherry Horman, mit der er seinen letzten Film „3096 Tage“ drehte, in dem die Entführung von Natascha Kampusch Thema ist. 2014 zog er sich schließlich endgültig aus dem aktiven Filmgeschäft zurück und beschäftigt sich seit dem vor allem mit der Nachwuchsförderung und genießt seinen Ruhestand, er lebt in Berlin-Zehlendorf.

Trailer „3096“ Tage

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