Kleine Kräuter ganz groß

Von wegen Kaviar: Teuerste Pfefferminze der Welt gezüchtet

Pfefferminze läuft Kaviar den Rang der teuersten Lebensmittel ab (Bild: aboutpixel.de - HB1111)

Die Wissenschaftler der Universität Bonn haben Petersilie, Spinat und Pfefferminze mit einem Kilopreis von annähernd 50.000 Euro in einem speziellen Kräutergarten kultiviert. Versetzt mit einer chemischen Markierung mit dem schwereren Isotop 13C sind die Pflanzen nicht nur kostenintensiv, sondern auch unglaublich schwer.

Das Vorhaben mit den schweren Pflanzen

Im Mittelpunkt stehen die begehrten Flavonoide, die in Pflanzen nur in einem Promilleanteil vorkommen. Diesen wird eine antioxidative Wirkung zugeschrieben. Mit dieser sollen sie zum Beispiel vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs schützen.

„Das ist aber noch nicht zweifelsfrei bewiesen“, stellt Galensa fest. Daher soll herausgefunden werden, welche Wirkung die Flavonoide im Körper der Versuchspersonen entfalten.

„In Petersilie, Spinat und Pfefferminze liegen sie aber in vergleichsweise hohen Gehalten vor“, sagt Benno Zimmermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team des verantwortlichen Lebensmittelchemikers Rudolf Galensa zur Auswahl der Kräuter.

Schatzsuche nach den Flavonoiden

Um mehr über die Wirkung der Flavonoide zu erfahren, wollen die Wissenschaftler diese aus den schweren 13C-markierten Pflanzen isolieren und Probanden in die Nahrung geben. „Dann können wir zum Beispiel anhand von Blutproben den Verbleib der Flavonoide im Körper nachvollziehen“, erklärte Peter Stehle, Ernährungswissenschaftler an der Universität Bonn.

Sollten die Wissenschaftler bei ihrem Experiment Stoffwechselprodukte mit 13C finden, muss es aus den markierten Flavonoiden stammen. Die Versuchspersonen gehen dabei keine Gefahr ein. „Das Kohlenstoffisotop 13C ist für die Testpersonen vollkommen ungefährlich, es ist weder radioaktiv noch giftig – eben nur ein bisschen schwerer“, sagt Galensa.

Hoher Aufwand mit wenigen Mengen

Maike Gleichenhagen von der Universität Bonn mit den teuersten und schwersten Kräutern der Welt. (Bild: obs/Universität Bonn)

Aufgrund der geringen und sehr teuren Menge können vorerst nur wenige Probanden die Kräuter zu sich nehmen. Vor allem der Anbau gestaltet sich als sehr kompliziert.

So muss Maike Gleichenhagen, wenn sie das Wachstum von Spinat und Co. kontrolliert, die Luft anhalten. Das beim Ausatmen frei gegebene Kohlendioxid würde das Experiment ansonsten verfälschen.

Von den Schwierigkeiten lassen sich die Forscher nicht verschrecken. „Wir wollen zunächst zeigen, dass das Prinzip funktioniert“, berichtete Galensa. „Dann werden wir weitere Fördermittel beantragen – denn in den Flavonoiden stecken noch viele Geheimnisse.“ Bevor die Pflanzen ihren Namen als Heilkräuter alle Ehre machen werden, wird also noch etwas Zeit vergehen.

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