Ufo-Standpunkte und Streikdetails

Lufthansa vor größtem Streik ihrer Geschichte

Lufthansa Boeing 737-300

Sollte die UFO ihre Macht ausspielen, werden fliegende Lufthansamaschinen in nächster Zeit seltener zu sehen sein. (Bild: Brian / CC BY-SA 2.0)

Worum geht es den Streitparteien?

Die Gewerkschaft Ufo fordert von der Lufthansa eine Zusicherung der Übergangsrenten, da für Mitarbeiter die Möglichkeit besteht, bereits mit 55 Jahren in den Vorruhestand zu gehen. Die Ufo besteht weiterhin darauf, die Auszahlungen als festgelegte Beträge vom Arbeitgeber Lufthansa zu erhalten und nicht etwa aus Rentenfonds zu beziehen, da sich die Rendite hierbei nicht abschätzen lässt.

Außerdem sollen die Regelungen nicht nur für die aktuell Beschäftigten gelten, sondern auch für Neulinge im Job und somit zukünftige Kollegen. Die Lufthansa hingegen hat eigene Berechnungen angestellt und sieht Probleme in der Finanzierung, weswegen sie der Gewerkschaft folgende Wünsche und Vorschläge als Diskussionsgrundlage übermittelt haben.

Die Lufthansa hat zunächst ein großes Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter möglichst bis zum normalen Renteneintrittsalter von 63, 65 oder ggf. 67 Jahren arbeiten. Dies hängt zwar im jeweiligen Fall von Konstitution und Lebensplanung ab, soll aber durch die von der Lufthansa favorisierten Rentenfonds befördert werden.

Das Geld, das also nicht als Übergangsrente an die Beschäftigten ausgezahlt wird, solle so in diese Fonds fließen und dank üppiger Renditen für die Beschäftigten arbeiten. Wenn der Arbeitnehmer dann regulär aus dem Dienst ausscheidet, könnte, so die Lufthansa-Berechnungen, eine Rentenauszahlung von bis zu 98 Prozent des letzten Monatslohnes ausbezahlt werden.


Lufthansa hat erst kürzlich die Gesamtjahresprognose von 1,75 Mrd. Euro auf 1,95 Mrd. Euro nach oben korrigiert und blickt somit auf das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte.

Diese Rechnungen werden von der Ufo jedoch stark angezweifelt, da eine solche Anlage immer den Schwankungen des Marktes unterliegt und somit ein Risiko darstellt. Außerdem meint die Lufthansa-Führung, dass die Forderungen für alle Mitarbeiter auf Dauer zu Mehrkosten im Bereich Personal von 25 Prozent führen. Dies ist, so das Unternehmen, trotz der guten aktuellen Wirtschaftslage nicht zu bewerkstelligen.

Die letzten Gespräche mit einem Angebot von Lufthansa endeten in einem Debakel. Der Ufo-Chef Nicoley Baublies (42 Jahre alt) berichtet aufgebracht, dass es seitens der Fluggesellschaft nicht nur zu keinen neuen Angeboten, sondern sogar zu Drohungen gekommen sei. Man hätte ihm gesagt, sollten die Mitarbeiter einen Streik tatsächlich durchführen, würde in Zukunft weniger Kabinenpersonal eingestellt werden und entsprechende Maschinen in Billigfluglinien ausgelagert werden.

Wo wird gestreikt und wie lange?

Während die Piloten in ihrem Arbeitskampf bereits 13 Mal in den letzten Jahren gestreikt haben, startet Ufo nun die erste Runde eines Arbeitsausstandes. Dieser Ausstand soll allerdings eine enorme Schlagkraft entwickeln und das Unternehmen hart treffen, um den Druck auf die Verhandlungsbereitschaft zu erhöhen.

Bis zum Freitagmorgen (6. November) war unklar, wie lange gestreikt wird und wo. Die Taktik der Ufo sieht vor, mindestens eine Woche lang zu streiken und dabei nahezu täglich die betroffenen Flughäfen zu wechseln, sodass Lufthansa mitunter nur drei Stunden bleiben, um reagieren zu können und Flüge neu zu planen oder nach anderen Alternativen zu suchen.

Um die aktuellen Ereignisse des Streiks live mitzuverfolgen, hat die Ufo via Youtube einen Live-Kanal geschaffen, um alle neuen Entwicklungen zeitnah mitzuteilen. Außerdem sind eine Erklärung sowie die für den Tag jeweils gültigen Streikzeiten auf der Homepage einzusehen, auch Details zu den Forderungen werden dort anschaulich erläutert.

Youtube Live-Ticker der Ufo

Die erste Streikrunde betrifft die Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf. Dort wird am Freitag dem 6. November von 14.00 Uhr bis 23.00 Uhr, also neun Stunden lang die Arbeit niedergelegt. Nur regionale Flugbegleiter sind dort noch aktiv, wodurch mit erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs zu rechnen ist.

Die Ufo hat außerdem bekannt gegeben, dass der Flughafen München mindestens bis einschließlich Sonntag den 8. November nicht Teil des Streiks sein wird. Bereits im Vorfeld wurde aufgrund anhaltender Ferien angenommen, dass die südlichen Bundesländer Baden-Würtemmberg und Bayern zunächst nicht betroffen sein werden.

Streik bei der Lufthansa.

Erneute Streiks bei der Lufthansa in dieser Woche geplant. (Bild: Heidas/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Folgen für die Fluggesellschaft und Hilfe für betroffene Passagiere

Bereits im Vorfeld der Streiks, allein durch die Ankündigung, gingen Buchungen zurück und Passagiere haben sich nach anderen Möglichkeiten für ihre Reisen umgesehen. Damit hat die Gewerkschaft schon vorher einen wirtschaftlichen Schaden bei Lufthansa angerichtet und Druck aufgebaut.

Lufthansa wird abhängig von der Dauer und dem Umfang der Streikwoche enorme Verluste hinnehmen müssen. Allerdings hat Nicoley Baublies in Aussicht gestellt, dass bei einem ernsthaften Angebot der Lufthansa, das auf die Forderungen der Gewerkschaft eingeht, der Streik auch vorzeitig abgebrochen werden könnte.

Betroffene Passagiere können sich auch auf der Lufthansaseite über ihre jeweiligen Flüge informieren. Dort wird ersichtlich, ob der Flug stattfindet, es einen Ersatz gibt oder er komplett ausfällt. Im letzteren Fall ist die Fluggesellschaft verpflichtet, sich nach einer Alternative z. B. Bus oder Bahn

Hilfen der Fluggesellschaft

  • Versorgung mit Essen und Trinken
  • zwei freie Telefonanrufe
  • Ersatz suchen (Bahn, Bus, Taxi)
  • Rückerstattung der Flugkosten
  • ggf. Hotelübernachtung bezahlen

Im Fall der Angabe der eigenen Handynummer bei der Lufthansa, wird sogar per SMS informiert. Es wird angeraten, sich in jedem Fall so früh wie möglich beim Check-In zu melden, da so am besten weitere Schritte bedacht werden können. Je nach Reiseziel bzw. Entfernung haben Fluggäste auch noch weitere Rechte.

So sind die Veranstalter verpflichtet, Reisenden, die bis 1.500 Kilometer weit reisen, nach zwei Stunden Verpflegung zukommen zu lassen. Hinzu kommen zwei Freitelefonate, die sie auf Kosten der Fluggesellschaft tätigen dürfen. Bis 3.500 Kilometer kommt Hilfe nach drei Stunden, darüber hinausgehend ab vier Stunden.

Flixbus

Busse sind aktuell gute Alternativen (Bild: MichaSpa/Wikipedia unter CC BY-SA 4.0)

Müssen Passagiere mindestens fünf Stunden warten, haben sie das Recht, sich die Kosten für den Flug erstatten zu lassen, verlieren damit aber jegliche weiteren Ansprüche. Sollte sich ein Abflug auf den nächsten Tag verschieben, so muss die Fluggesellschaft die Kosten für eine Übernachtung beispielsweise in einem Hotel, tragen.

Ein Recht auf Entschädigung liegt unter gegebenen Umständen nicht zwingend vor, da ein Streik laut Bundesgerichtshof (BGH) als höhere Gewalt klassifiziert wird. Somit muss nach den Richtlinien der EU-Fluggastrechteverordnung nachgewiesen werden, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen so gering wie möglich für den Passagier zu gestalten. Das dürfte schwierig werden in den meisten Fällen. In jedem Fall sollten sich Fluggäste sehr gut informieren in der Streikwoche und nach Möglichkeit eine erhöhte persönliche Flexibilität an den Tag legen.

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